Würzburg

Endlich! Würzburger Baskets holen ersten Heimsieg seit 418 Tagen

Dank einer über weite Strecken konzentrierten Vorstellung und dank der Neuverpflichtungen gelingt s.Oliver Würzburg gegen Gießen der höchste Erfolg in dieser Spielzeit.
Hatte seinen Spaß und verlieh dem Spiel der Würzburger Baskets die ersehnte Struktur: Neuzugang Robert Lowery.
Foto: Heiko Becker | Hatte seinen Spaß und verlieh dem Spiel der Würzburger Baskets die ersehnte Struktur: Neuzugang Robert Lowery.

Es liegt in der Natur einer Serie, in ihrem Wesen, dass sie einmal endet. Jede tut das irgendwann, das ist in ihrer DNA verankert. Es ist immer nur eine Frage der Zeit. Und nun also haben auch die Baskets ihre Negativserie beendet. Alle sieben Heimspiele in dieser Spielzeit hatten sie verloren (saisonübergreifend sogar die letzten neun) - nun ist der Knoten geplatzt. Durch den im Grunde nie infrage stehenden 101:82 (47:40)-Erfolg gegen die JobStairs Gießen 46ers, dem sechsten Sieg in dieser Spielzeit, vergrößerte Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg den Abstand auf die beiden Abstiegsplätze wieder auf drei Siege.

Es war der erste Heimsieg der Würzburger seit 418 Tagen, der letzte Erfolg zu Hause, damals noch vor Publikum, datiert vom 3. Januar 2020 (ein 97:83 gegen Braunschweig). "Schön, dass es dann 2021 doch noch mit einem Heimsieg geklappt hat", meinte Baskets-Trainer Denis Wucherer in seiner lakonischen Art, um ernsthaft anzufügen, dass er sehr froh darüber ist, diesen "Sieg nicht wieder mit einer schweren Verletzung eines Spielers teuer bezahlen" zu müssen. Bei den beiden letzten Siegen in Bonn und Frankfurt im Januar hatten sich Justin Sears (Kreuzband) und Brekkott Chapman (Achillessehne) verletzt und fallen seitdem aus.

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Auch deshalb haben die Baskets ja drei Neue verpflichtet in den letzten Tagen, zwei schickte Wucherer zum Sprungball aufs Parkett: Murphy Holloway ließ sich nicht einmal zwei Minuten Zeit, um seine ersten Punkte im Baskets-Leibchen zu werfen (insgesamt kam er dann auch auf acht und sechs Rebounds). Und Robert Lowery nahm das als Motivation und legte ein paar Sekunden später mit seinen Debütpunkten nach. Gerade einmal vier Minuten benötigten die Würzburger, um nach dem zweiten Dreier von Alex King (der bei fünf Versuchen dann insgesamt auf drei kam) erstmals zweistellig in Führung zu gehen (16:6).

Kam auf  vier Punkte und schnappte sich sechs Rebounds: Perry Jones III. (rechts) - hier im Duell mit Gießens Alen Pjanic.
Foto: Heiko Becker | Kam auf vier Punkte und schnappte sich sechs Rebounds: Perry Jones III. (rechts) - hier im Duell mit Gießens Alen Pjanic.

Dass die Neuen (Perry Jones III. kam auf  vier Punkte und schnappte sich sechs Rebounds), den Baskets guttun, war ziemlich flott ersichtlich. Vor allem Aufbauspieler Lowery verlieh dem Spiel der Hausherren jene Struktur, die den Baskets in einigen Partien vor der Pause wegen eines positiven Corona-Tests und den dadurch nötigen Spielverlegungen gefehlt hatte. Bereits nach dem ersten Viertel hatte der 33-jährige Amerikaner fünf Vorlagen verteilt, vier Punkte gemacht und sich zwei Abpraller geschnappt. Am Ende kam er dann auf 18 Zähler und acht Vorlagen, fünf Rebounds und keinen einzigen Ballverlust in seinen gut 28 Minuten auf dem Parkett. "Man hat heute schon gesehen, wie wichtig ein echter Point Guard ist", analysierte Wucherer, der vor allem Lowerys "Energie und Verteidigung" lobte.

Der neue Spielmacher, der erst zweimal mit der Mannschaft trainiert hatte, füllte aber nicht nur seine Spalten auf dem Statistikbogen ordentlich - er sorgte vor allem auch dafür, dass seine Kollegen aufblühen konnten. Am augenfälligsten war dies bei Cameron Hunt, auf dessen Schultern zuletzt die Last der Spielorganisation lag. Und auch, wenn der 23-jährige Amerikaner wiederholt bester Scorer und oft auch der effektivste Spieler seines Teams gewesen war und er einen enormen Sprung gemacht hatte - am Mittwochabend konnte man den Eindruck bekommen, dass er regelrecht befreit aufspielte, im Bewusstsein, nicht die gesamte Verantwortung alleine tragen zu müssen. Bereits zur Halbzeit hatte Hunt 14 Zähler gemacht (am Schluss waren's dann genau doppelt so viele, ein persönlicher Rekord in seinem 17. Bundesligaspiel, zudem verteilte er auch noch vier Vorlagen), und erneut war er der - nicht nur in den Statistiken abzulesende - effektivste Baskets-Akteur.

Spielte sichtlich befreit auf: Cameron Hunt (rechts), der sich hier gegen Gießens Diante Garrett durchsetzt.
Foto: Heiko Becker | Spielte sichtlich befreit auf: Cameron Hunt (rechts), der sich hier gegen Gießens Diante Garrett durchsetzt.

Hunt und Lowery waren es auch, die die Hausherren aus ihrer Schwächephase nach der Halbzeit gemeinsam herausführten. Bereits im zweiten Abschnitt hatten die Würzburger eine nach einem 11:0-Lauf herausgespielte 17-Punkte-Führung (36:19) bis zum Pausentee auf sieben Zähler (47:40) wieder einschmelzen lassen. Zu Beginn der zweiten Hälfte ließen die Baskets die Hessen gar bis auf drei Zähler herankommen (50:47), ehe Lowery und Hunt das Heft wieder in die Hand nahmen. Mit einem 13:2-Lauf bis Mitte des Viertels, in dem sie gegen Ende dann auch mal mit 20 Punkten vorne lagen, entschieden die Baskets dann die Partie letztlich.

Ohne die couragierte und fast durchweg konzentrierte Leistung der Würzburger schmälern zu wollen - Gießen präsentierte sich über weite Strecken schon wie ein Hauptbewerber um einen der beiden Abstiegsplätze, und nach dieser Vorstellung in Würzburg darf man sich schon auch sehr erstaunt fragen, wie es den Hessen möglich gewesen war, in Oldenburg zu gewinnen. "Energie und Enthusiasmus" lobte Wucherer bei den Seinen, denen es als Mannschaft auch gut gelang, Gießens Center-Koloss John Bryant weitestgehend aus dem Spiel zu nehmen. "Das haben sie sehr ordentlich gemacht", sagte Wucherer, der glaubt, nun wieder die richtigen Puzzleteile beisammen zu haben, wie vor den Verletzungen von Sears und Chapman, "um wettbewerbsfähig zu sein". Dennoch weiß auch der 47-Jährige, dass ihm und dem Team noch "viel Arbeit bevorsteht", um die Neuen weiter zu integrieren. Denn: "Die generelle Einstellung heute war gut. Aber es war auch viel dabei, was nicht gut war."

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