Tauberbischofsheim

Florett-Frauen: Guter Eindruck trotz vieler Probleme

Fechten: Weltmeisterschaft in Leipzig       -  Die Florettfechterin Anne Sauer (hinten) aus Deutschland ficht gegen Svetlana Tripapina aus Russland im Kampf um Platz drei.
Foto: Jan Woitas, dpa | Die Florettfechterin Anne Sauer (hinten) aus Deutschland ficht gegen Svetlana Tripapina aus Russland im Kampf um Platz drei.

Anne Sauer brauchte einige Minuten für sich in einem Gang der Leipziger Arena, um die Tränen zu trocknen. Die 26-Jährige ist bei der Weltmeisterschaft zur besten deutschen Florettfechterin aufgestiegen, aber für die von ihr und ihren Mannschaftskolleginnen vom FC Tauberbischofsheim so heiß ersehnte Medaille hat es trotzdem nicht gereicht. Den Kampf um Bronze im Team-Wettbewerb ging gegen Russland um die Einzel-Weltmeisterin Inna Deriglazova klar mit 29:45 verloren.

Vor allem Sauer als Lokomotive brachte die deutsche Mannschaft überhaupt in die Situation, um die Medaillen zu fechten. Nach dem mühelosen Aufgalopp gegen Hongkong (45:22) war dafür ein eindrucksvoller 45:40-Sieg im Viertelfinale gegen Frankreich nötig. Die Sportsoldatin brachte in ihrem zweiten Teilgefecht das Team nach klarem Rückstand wieder heran und sorgte dann im neunten und letzten Gefecht auch für die Entscheidung. Dabei zog sich Sauer allerdings eine Oberschenkelverletzung zu, die sie dann im Finale ernsthaft behinderte.

Italien war eine Nummer zu groß

Italien mit vier Fechterinnen aus den Top Ten der Weltrangliste war im Halbfinale eine Nummer zu groß für die Deutschen, obwohl Sauer ihren beeindruckendsten Auftritt hinlegte. Wie im Rausch fegte sie die Italienerin Martina Batini, immerhin die Nummer sieben in der Welt, mit 14:4 Treffern von der Planche und sorgte für die zwischenzeitliche 30:29-Führung. Am Ende hieß es allerdings 34:50, der Gegner war einfach zu stark. Italien gewann dann auch den Titel durch ein 45:25 über die USA.

Dank ihres achten Platzes im WM-Einzelwettbewerb hat Sauer in der Weltrangliste einen großen Satz auf Rang 20 gemacht. Aber nicht nur sportlich ging es für die amtierende deutsche Meisterin in dieser Saison rapide aufwärts. „Sie hat sich zum Teamleader entwickelt“, findet Sven Ressel, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DeFeb). „Wir haben als Mannschaft alles gegeben und uns nichts vorzuwerfen“, sagte Sauer. Dass Russland sein Halbfinale gegen die USA verlor und damit der Gegner um Rang drei war, behagte den Deutschen nicht. „Um die Russinnen zu schlagen, brauchst Du vier Leute, die Topform haben“, sagte Sauer.

Das war aber definitiv nicht der Fall. Die frühere WM-Zweite Carolin Golubytskyi, die bereits gegen Italien alle drei Teilgefechte verloren hatte, wurde nach zwei weiteren Niederlagen gegen Eva Hampel ausgewechselt. Die Ersatzfechterin hielt in ihrem einzigen Einsatz immerhin dagegen, konnte der angeschlagenen Sauer bei acht Treffern Rückstand fürs letzte Gefecht aber keine Hoffnung mehr mitgeben.

Den besten Eindruck im Kampf um Bronze hinterließ Leonie Ebert, mit ihren 17 Jahren eine der jüngsten WM-Teilnehmerinnen. „Das Turnier hat für mich megaschlecht begonnen“, erinnerte sich die Würzburgerin wohl vor allem an ihr 0:7 im Teilgefecht gegen Frankreichs Weltranglistenvierte Ysaora Thibeau, das von den Kolleginnen schwer wettzumachen war. Ebert ließ sich allerdings nicht unterkriegen, focht fortan entschlossener und gewitzter.

„Es war eine große Erfahrung für mich, dass es mir gelungen ist, mich noch mal hochzuziehen“, sagte sie. Ihre beiden zu Null gewonnenen Teilgefechte gegen Russland beeindruckten auch Sportdirektor Ressel: „Leonie hat gezeigt, dass sie als Junge schon mithalten kann.“

Eine echte Mannschaft

Angesichts der schwierigen Gemengelage in Tauberbischofsheim hätte eine WM-Medaille dem Fechtclub sehr gut getan. Aber auch ohne Edelmetall zeigten sich die Tauber-Fechterinnen, wie sie es versprochen hatten, als echte Mannschaft. Trotz der Kündigung ihres Trainers mitten in der Saison; trotz des Vorwurfs der sexuellen Nötigung gegen einen Nachwuchstrainer, zu dem eine Nationalfechterin noch aussagen soll; trotz der zumindest vorläufigen Aberkennung des Status als Olympiastützpunkt. Viele Probleme, eigentlich zu viele, und keineswegs leistungsfördernd. „Natürlich beschäftigt uns das“, sagte Sauer. „Aber wir hatten uns vorgenommen, uns zwei Mal auf den Wettkampf zu fokussieren. Und das hat bei allen gut geklappt.“

„Die Mädchen haben alles gegeben. Es ist ein starkes Team. Ich bin stolz auf sie“, sagte Bundestrainer Giovanni Bortaloso, der zum Dank Küsschen verabreichte. Noch ist der sanfte Italiener eine Interimslösung. Noch ist offen, ob der aus finanziellen Gründen gekündigte und von den Fechterinnen verehrte Vorgänger Andrea Magro Berufung gegen seine letzte Woche abgewiesene Klage einlegt. Ressel möchte, wenn für den Verband alles nach Plan läuft, mit Bortaloso weiterarbeiten.

Der Sportdirektor ist zuversichtlich, dass die zumindest als Mannschaft wieder ans Tor zur Weltspitze klopfenden Florettfrauen auch „den nächsten Schritt machen“ werden.

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