Eisingen

Friederike Kromp: Fußballlehrerin mit Mitte 20

Friederik Kromp freut sich riesig auf ihre neue Aufgabe beim DFB.
Foto: Jörg Rieger | Friederik Kromp freut sich riesig auf ihre neue Aufgabe beim DFB.

Friederike Kromp weiß sich zu wehren. Als ein Mann damit droht, den Ball beim Fototermin unterhalb der Würzburger Festung Marienberg in den Main zu werfen, ruft sie ihm schlagfertig zu: „Dann fliegst du hinterher!“ Die aus Eisingen (Lkr. Würzburg) stammende 34-Jährige hat sich in der noch immer vom männlichen Geschlecht dominierten Fußballwelt durchgesetzt. Im Sommer erreicht ihre Trainerkarriere einen weiteren Höhepunkt: Zum 1. August wird Kromp als Nachfolgerin von Ulrike Ballweg hauptamtlicher Nationalcoach der U-17-Juniorinnen. „Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe“, sagt die Wahl-Münchnerin, die seit dem Abitur für den Bayerischen Fußballverband gearbeitet hat. Über ein Freiwilliges Soziales Jahr ist sie in der BFV-Geschäftsstelle „hängen geblieben“, wie sie es selbst ausdrückt.

„Fritzys“ Platz sind die Fußballplätze

Doch ausnahmslos am Schreibtisch war sie nur ganz selten zu finden: Ihr Platz sind seit jeher die Fußballplätze – dort also, wo es nach Gras riecht. Die aktive Zeit als Fußballerin musste „Fritzy“, wie sie fast alle rufen, aufgrund einer schweren Verletzung frühzeitig beenden; die Trainerscheine durchlief sie anschließend an der Sportschule Oberhaching wie im Stakkato. 2010/11 bestand Kromp als Mittzwanzigerin den begehrten Lehrgang zur Fußball-Lehrerin in Köln – und ist damit der jüngste Absolvent noch vor dem vielgepriesenen Julian Nagelsmann.

In ihrer 24 Teilnehmer starken Gruppe war nur eine weitere Frau, aber 22 Männer, darunter die späteren Bundesliga-Trainer Markus Gisdol, Tayfun Korkut, Sascha Lewandowski, Roger Schmidt, Thomas Schneider, Markus Weinzierl und Michael Wiesinger. „Damals hieß es, wir seien der medien-unwirksamste Jahrgang, weil Stefan Effenberg und Mehmet Scholl noch nicht zum Zuge gekommen sind“, erinnert sich Kromp.

Der Weg zur Verbandstrainerin

Sie selbst, die zuvor in München das Studium der Sportwissenschaften erfolgreich abgeschlossen hat, wurde BFV-Verbandstrainerin. In dieser Funktion war sie für Junioren-Auswahlteams und die Trainerfortbildung verantwortlich – ein vielseitiger und spannender Beruf. „Der Verband hat sich frühzeitig für Frauen geöffnet. Von den Vereinen kann man das ja nicht behaupten, zumindest nicht im männlichen Bereich“, sagt Kromp.

Warum die Eisingerin auf ihre neue Aufgabe „wahnsinnige Lust“ hat

Es ist kein Wehklagen. Zur neuen Saison hätte sie die Chance gehabt, in einem bayerischen Bundesliga-Nachwuchs-Leistungszentrum eine männliche Junioren-Mannschaft zu übernehmen. „Und ich habe beim Verband auch gerne Jungen-Auswahlteams gecoacht“, betont die Übungsleiterin. Dennoch lehnte sie ab, aus zwei Gründen. „Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob meine Arbeit fair und objektiv bewertet werden würde“, erklärt sie. „Zum anderen fehlen die Alternativen, wenn es wieder auseinander geht.“

Dass das so bleibt, wenn es weiterhin so wenige Frauen in den höherklassigen Männer-Fußball wagen, ficht Kromp nicht an. „Ich kann es mir wirklich gut vorstellen“, sagt sie: „Doch jetzt hat sich diese Möglichkeit beim DFB ergeben, auf die ich wahnsinnig Lust habe.“

Die Erfahrungen aus EM und WM

Es ist für sie kein Neuland. Viele Jahre war die Sportwissenschaftlerin parallel zu ihrer Verbandstätigkeit als Co-Trainerin der U-17-Juniorinnen aktiv. Mehrere Europa- und Weltmeisterschaften hat sie miterlebt – zuletzt die WM in Uruguay im November vergangenen Jahres. „Danach habe ich mich zurückgezogen, weil der Punkt erreicht war, dass die Doppelbelastung zu viel wurde“, sagt Kromp. Nun kehrt sie zum DFB zurück, kann sich voll und ganz auf ihren Job fokussieren. Mit Sabine Loderer und Melanie Behringer durfte sie sich zwei Co-Trainerinnen aussuchen. Letztere hat in ihrer aktiven Zeit 123 Länderspiele für Deutschland bestritten und 34 Tore erzielt.

Offizielle Übergabe beim Nordic Cup

Der erste Lehrgang mit den U-17-Juniorinnen ist Ende August. Zuvor findet im Rahmen des Nordic Cup die offizielle Übergabe statt. Bis zum ersten ganz großen Turnier ist noch etwas Zeit. Doch 2020 ist gleich mal ein sogenanntes Doppeljahr mit der Europameisterschaft in Schweden (Mai) und der Weltmeisterschaft in Indien (Oktober). Falls sich die U-17-Juniorinnen als Titelverteidiger wieder für die EM qualifizieren, wird sich für Kromp ein Kreis schließen.

Denn mit Schwedens neuer U-17- bis U-15-Cheftrainerin Pia Sundhage verbindet sie eine langjährige Freundschaft. Die 58-jährige Ex-Nationalspielerin holte als Trainerin unter anderem zweimal Olympia-Gold mit den US-Amerikanerinnen. In dieser Zeit war sie mit ihrer Mannschaft auch mehrmals in Bayern – und wurde von Kromp als Hostess betreut. „Wir haben uns kürzlich bei der U-17-EM in Bulgarien als Beobachter wieder getroffen und konnten uns so auf den aktuellen Stand bringen, was unsere neuen Positionen angeht.“ Mal sehen, wann es zum ersten direkten Aufeinandertreffen kommt.

Friederike Kromp erwartet intensive Gespräche mit Martina Voss-Tecklenburg

Intensive Gespräche erwartet Kromp auch bald mit Frauen-Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. „Sie wird nach der WM in Frankreich sicherlich auch im Junioren-Bereich einiges umstellen“, vermutet Kromp. Über kurz oder lang sei auch ein rotierendes Trainersystem wie in England denkbar, so dass die Vollblutfußballerin ihren Jahrgang längere Zeit nach oben begleiten würde. Der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Friederike Kromp scheint vorprogrammiert.

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