Mal Gang zurückschalten

Soooo schön kann Ankommen sein – wie hier beim iWelt-Marathon vor einem Jahr. Der Lauftreff des Marathonvereins führt auch Neulinge behutsam an ihren ersten Zieleinlauf heran.FOTO T. Obermeier
| Soooo schön kann Ankommen sein – wie hier beim iWelt-Marathon vor einem Jahr. Der Lauftreff des Marathonvereins führt auch Neulinge behutsam an ihren ersten Zieleinlauf heran.FOTO T. Obermeier

Seit Januar 2010 hat der Marathonverein einen Lauftreff. Die Idee entstand aus den Laufanfängerkursen, die der Verein dreimal im Jahr anbietet und die von den Lauftherapeutinnen Verena Bartmann und Petra Müller durchgeführt werden. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sahen immer mit Bedauern dem Ende des jeweiligen Kurs entgegen und befürchteten, dass sie alleine möglicherweise nicht weiter laufen würden. Viele fanden, das Laufen sei in der Gruppe einfacher und mache mehr Spaß.

So wurde erstmals ein Lauftreff für fortgeschrittene Anfänger, die etwa eine Stunde laufen können, angeboten. Etwa 30 Leute kamen zum ersten Termin. Bald fanden sich auch erfahrene Läufer ein und die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Tempo eingeteilt, in Anlehnung an die Leitgedanken des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Verschieden schnelle Gruppen

Der DLV hat eine so genannte Lauftreff-Mappe mit Richtlinien herausgegeben. Danach sollte ein Lauftreff für jedermann sein, also für Anfänger, Fortgeschrittene oder auch den „Profi“ unter fachlicher Anleitung eines Betreuers. Dieser bestimmt das Tempo, die Strecke, Gehpausen, und achtet darauf, dass die Gruppe zusammen bleibt. Die verschiedenen Gruppen starten gemeinsam und kommen gemeinsam nach etwa einer Stunde wieder an. Es entstehen so keine Wartezeiten und man kann sich gemeinsam auf den Heimweg machen. Das Gruppenbewusstsein wird ebenfalls gestärkt, da alle in dieser Zeit etwas geleistet haben.

Wettkampfgedanken sind bei einem Lauftreff laut DLV fehl am Platz. Doch hier liegt die größte Herausforderung eines Lauftreffs. Immer wieder sind vor allem die fortgeschrittenen oder auch Leistungsläufer versucht, das Tempo der Gruppe zu erhöhen und einen Wettkampf aus dem Lauf zu machen. Dies aber würde gerade die nicht so schnellen Teilnehmer oder auch Neulinge frustrieren.

Hier ist es die Aufgabe des Betreuers, die Gruppe zusammenzuhalten. Das Tempo sollte so sein, dass sich die Teilnehmer unterhalten können. Je mehr verschiedene Gruppen angeboten werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass für jeden Einzelnen die richtige dabei ist. Als optimales Beispiel sei hier der seit vielen Jahren bestehende Darmstädter Lauftreff, der mit zu den größten in Deutschland zählt, genannt. 65 (!) Gruppenbetreuer leiten dort oft bis zu 450 Teilnehmer. Die Gründungsmitglieder Carl-Jürgen Diem und Walter Schwebel vertreten die Auffassung, dass selbstverständlich alle an einem Lauftreff teilnehmen können – also auch Leistungsläufer. Entscheidend sei, dass Leistungsläufer der Lauftreffgruppe nicht ihr persönliches Wunschtempo aufdrücken, sondern sich dem genussvollen Gruppentempo anpassen. „Die wirklich guten Athleten tun es, die „wilden Renner“ aus dem Mittelfeld dagegen machen bei vielen Lauftreffs aus jeder Trainingseinheit einen harten Wettkampf, der den Frust derjenigen steigert, die das Tempo nicht mithalten können. Dieses zügellose Rennen untergräbt das Lauftreff-Konzept und lässt keinen gesundheitsorientierten Aufbau für Einsteiger zu.“ (Diem/Schwebel, 1999). Der Lauftreff des Marathon-Vereins Würzburg steht zwar mit zwei Gruppen noch ganz am Anfang. Aber wie heißt es so schön: Lieber ein kleines Licht anzünden als über die Finsternis klagen. Literatur: Verena Bartmann (2007), Erfahrungen mit einem systematischen und sanften Laufprogramm für Laufanfänger zur Erweiterung eines Lauftreffangebotes. In: Bartmann, Ulrich (Hrsg.), Fortschritte in Lauftherapie

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