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Rassismus-Proteste: Was Baskets-Youngster Joshua Obiesie erlebte

Sein Vater stammt aus Nigeria, seine Mutter ist Deutsche: Wie der 20-jährige Profi-Basketballer Joshua Obiesie von s.Oliver Würzburg Alltagsrassismus erfahren hat.
Joshua Obiesie bei der Anti-Rasssismus-Demo in München am 6. Juni 2020.
Foto: Obiesie | Joshua Obiesie bei der Anti-Rasssismus-Demo in München am 6. Juni 2020.

Ist es wirklich nur dieses Foto? In Schwarz-Weiß. Es wirkt so anders als all die vielen Fotos und Posts, die man derzeit sieht von all den Demonstrationen rund um den Globus. Und deshalb ist es so bemerkenswert. Königsplatz, München. Samstag, 6. Juni: Joshua Obiesie steht offenbar auf einem Mauervorsprung oder auf gestapelten Bierkästen oder etwas Ähnlichem. Jedenfalls nicht auf den Schultern seiner Freunde, mit denen er dort ist. Und er steht über seinen Mitdemonstranten. Und wahrt deshalb auch den Hygieneabstand. Er hat eine Maske auf. Corona! Und hält einen Pappkarton in die Höhe. Darauf steht: "#BLM" und "Black lives matter".

Obiesie, Profi-Basketballer in Diensten von Bundesligist s.Oliver Würzburg, ist in diesem Moment lediglich einer von 25 000 Menschen, die an diesem Tag gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren in München, seinem Heimatort. Obiesie, dunkle Locken, schwarze Augen, nicht schwarzer, eher leicht schokoladenfarbener Teint, sagt: "Diese Demonstrationen sind sehr wichtig, und sie bedeuten mir sehr viel. Es gibt überall Rassismus. Die ganze Welt ist betroffen. Und jetzt wird ein Zeichen gesetzt. Endlich. Weltweit." Joshua Obiesie hat Rassismus am eigenen Leib erlebt.

Joshua Obiesie (Mitte) im letzten Spiel dieser Saison gegen Bamberg.
Foto: Silvia Gralla | Joshua Obiesie (Mitte) im letzten Spiel dieser Saison gegen Bamberg.

Diese Demonstrationen wurden ausgelöst durch den Tod von George Floyd, der - nachdem er mit einem gefälschtem 20 Dollar-Schein bezahlen wollte - bei der Verhaftung Ende Mai in Minneapolis von einem weißen Polizisten dadurch umgebrachte wurde, weil der ihm acht Minuten und 46 Sekunden lang sein Knie in den Nacken presste. Und diese Proteste wurden nun nicht nur in den USA befeuert am vergangenen Wochenende, weil in Atlanta ein Schwarzer von einem weißen Polizisten mit zwei Schüssen in den Rücken umgebracht wurde - er hatte sich gegen seine Verhaftung gesträubt.

Das Schwarz-Weiß-Foto, das Obiesie im Internet veröffentlichte, erinnert ein wenig an Bilder, die man von Martin Luther King kennt - den man hoffentlich nicht einmal mehr in der Sportwelt erklären muss. Nicht nur, weil es Schwarz-Weiß ist und deshalb ein großer Widerspruch zu all dem Bunten und Aufgeregten, das inzwischen üblicherweise auch bisweilen sinnfrei zu #BLM in der virtuellen Welt verbreitet wird. Es sagt Einiges aus. Auch über einen jungen Menschen. Und über sein Anliegen.

Spricht man ein paar Tage später mit Obiesie über dieses Foto und über seine Teilnahme an der Demo, über die Proteste im Allgemeinen und seine persönlichen Erfahrungen, dann kann man während des Telefonats spüren, dass da ein junger Mensch tief betroffen ist. Nicht ausschließlich wegen Fernsehbildern, Nachrichten aus dem Internet oder Anrufen aus den USA.

Sondern aus persönlicher Erfahrung.

Auch wenn er sagt, er habe diesbezüglich im Vergleich zur aktuellen Situation "nur Kleinigkeiten" erfahren müssen - Rassismus kennt Joshua Obiesie aus eigenem Erleben. Dazu muss man wissen: Obiesie ist knapp zwei Meter groß, zieht neben Jogginghosen - Basketball-like - gerne Hoodies (also Kapuzenpullover) an und kleidet sich auch sonst wie ein Mensch seiner Altersklasse, inklusive Sneakers. "Ich bin schon nachts um 12 nach einem Training in München mit der U-Bahn nach Hause gefahren, und da sind Leute mit Begleitung extra zu einer anderen Bank gegangen und haben laut gesagt: ,Er ist halt Schwarz!" Andere haben, wenn er den Rest der Strecke nach Hause gelaufen ist, die Straßenseite gewechselt.

"Wenn wir bluten, dann bluten wir doch alle dieselbe Farbe . . . "
Joshua Obiesie, Basketballer bei s.Oliver Würzburg

Alltagsrassismus. Obiesie, dessen Vater aus Nigeria stammt und die Familie früh nach seiner Geburt verlassen hat, und dessen Mutter Deutsche ist und der inzwischen auch in einem Spiel in der deutschen Nationalmannschaft gepunktet hat, sagt, er sei als Kind aus der Schule manchmal nach Hause gekommen und habe geweint - weil Kinder eben auch grausam sein können und die Beleidigungen schlimm. Seine Mutter habe versucht aufzuklären. "Sie hat mir sehr geholfen, das alles zu verstehen und zu lernen", sagt Obiesie.

Im Laufe des Gesprächs kann man beginnen zu erahnen: Er weiß in diesem Fall sehr genau, wovon er spricht. Und was ihm am Herzen liegt. Dann sagt Joshua Obiesie noch einen Satz, der zwar nicht wirklich neu ist - aber der doch überrascht, hört man ihn aus einem so jungen Mund: "Wenn wir bluten, dann bluten wir doch alle dieselbe Farbe . . ."

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