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Rimparer Wölfe: Neuer Trainer, alte Stärken und Schwächen

Eine Zwischenbilanz der Zweitliga-Handballer nach den ersten sechs Monaten unter Coach Ceven Klatt. Der gelungene Jahresabschluss könnte als Wegweiser für 2020 dienen.
Ist zufrieden mit seinem ersten halben Jahr als Trainer des Handball-Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe: Ceven Klatt.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Ist zufrieden mit seinem ersten halben Jahr als Trainer des Handball-Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe: Ceven Klatt.

Als am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages die Arbeit für dieses Jahr getan war, konnte Ceven Klatt die Freude auf die Verschnaufpause nicht verbergen. "Jetzt haben wir uns Urlaub redlich verdient", sagte er im Kabuff der s.Oliver Arena, wo sich Trainer und Journalisten ein Stelldichein bei Pressekonferenzen geben. Im Skiurlaub im Stubaital wird der 36-Jährige mit seiner Familie 2020 beginnen.

Bereits drei Stunden vorher, noch vor dem 25:24-Sieg seiner DJK Rimpar Wölfe über den TuS N-Lübbecke zum Jahresabschluss und Rückrundenauftakt, hatte Klatt eine zufriedene Zwischenbilanz unter seine ersten sechs Monate als Trainer des Handball-Zweitligisten gezogen. Dieser Erfolg - der erste gegen einen Gegner, der in der Tabelle vor den Wölfen stand - war quasi das glänzende Geschenkpapier um die bisherige Runde der Rimparer.

Weihnachtsspiel als Wegweiser 

Ihr achter Platz zur Pause, ihre positive Punktebilanz von 20:16 mit nur vier Zählern Rückstand auf Rang zwei - die Zahlen sind schöner als es so manche Spiel im zweiten Saisonviertel tatsächlich war. Wie sagte Kapitän Patrick Schmidt im Interview  vor dem erfolgreichen Weihnachtsdouble trefflich: "Wir haben stark angefangen – und dann stark nachgelassen." Verletzungen im dünnen Kader waren mit ein Grund dafür, aber nicht der einzige. Insofern dient die kämpferisch wie spielerisch überzeugende Vorstellung gegen Nettelstedt-Lübbecke eher als Wegweiser, wo es im neuen Jahr (wieder) hingehen kann. 

In diesem Duell war einiges von dem zu sehen, was Klatt bei Übernahme seines Amtes von Matthias Obinger hatte verbessern wollen. ,,Ich möchte, dass wir aus der guten Abwehr noch mehr Kapital schlagen mit einfachen Toren und einen Tick schneller Handball spielen", hatte er damals geäußert und den Wunsch von zehn Tempotreffern pro Partie formuliert - im Schnitt fünf mehr als vergangene Spielzeit. "Dazu stehe ich immer noch", sagte er am Donnerstag.

Fast identische Werte wie in der Vorsaison 

Acht gelangen den Unterfranken gegen die Ostwestfalen. Nur in einzelnen Begegnungen vor allem am  Beginn der Spielzeit, als sie sogar kurzzeitig mal auf dem zweiten Aufstiegsplatz lagen, hatten sie ähnlich gute Werte erreicht. Doch gerade zuletzt oft auch schlechtere. Der Durchschnitt von bisher insgesamt 85 Toren aus der ersten (Verwertungsquote: 74 Prozent) und zweiten Welle (56 Prozent) entspricht 4,7 Treffern - das sind nahezu identisch so viele wie in der Vorsaison. Laut Co-Trainer und "Statistik-Wolf" Josef Schömig war da die Verwertungsquote aber noch um zehn Prozent besser.       

Auch im Positionsangriff hat sich an der Verteilung fast nichts geändert. Nur die Quote aus dem Rückraum ist durchschnittlich um drei Treffer gesunken - von 11,5 auf 8,5. Bester Feldtorschütze ist der Rückraum-Linke Benedikt Brielmeier, der eine konstante Saison spielt. 

Potenzial im Tempospiel und Abschluss

Im Abschluss und im Tempospiel sieht Klatt noch immer das größte Potenzial. Der Rimparer Angriff hat die zweitwenigsten Treffer der Liga erzielt (405), im Schnitt 22,5. Ein Minus von jeweils zwei im Vergleich zur zurückliegenden Runde. Dafür ist die Abwehr noch einen Tick stärker geworden, als sie ohnehin war: Sie ließ die zweitwenigsten Gegentore der Liga zu (427), pro Partie 23,7. Damit ist sie um zwei besser als in der Vorsaison. Unterm Strich also "alles beim Alten, nur von beidem etwas weniger", fasst Schömig zusammen.   

Auch zwischen den Pfosten hat sich nichts geändert: Max Brustmann ist und bleibt ein Toptorwart, aktuell führt der DJK-Keeper das Ranking auf seiner Position wieder an. Die 5:1-Formation, die Klatt als gleichwertiges und im fliegenden Wechsel greifendes System zur 6:0 etablieren wollte, kam bisher selten zum Einsatz - ebenso wie mancher Spieler.

Wenig Änderung auch auf der Bank

Nicht nur Youngster Felix Karle dürfte sich Hoffnung auf mehr Praxis gemacht haben. "Er fehlt oftmals im Abschlusstraining, das mit seiner Arbeitszeit kollidiert. Daher kriegt er manche Sachen gar nicht mit", begründet Klatt die regelmäßige Reservistenrolle des Rechtsaußen auf Nachfrage. Auch Linksaußen Fin Backs findet sich wesentlich häufiger auf der Bank als auf dem Feld wieder. Das sei vor allem der Qualität von Positionskollege Dominik Schömig geschuldet, so der Coach. "Er hatte richtig starke Phasen und hat uns Sicherheit gegeben." Schömig ist erfolgreichster Werfer der Wölfe (66/26 Tore) und der zuverlässigste Siebenmeterschütze. Die vergleichsweise geringe Einsatzzeit von Spielmacher Benjamin Herth kommentiert Klatt so: "Er war öfter verletzt, das hat ihn etwas zurückgeworfen." Aus der vormaligen zweiten Reihe kamen bisher nur Rückraumakteur Lukas Böhm und Torwart Andreas Wieser etwas mehr zum Zug. 

Offensichtlichste Veränderung im Spiel unter Klatt war bisher die Rollenverteilung und damit einhergehend eine andere Wechseltaktik: Reine Abwehr- und reine Angriffsspieler, wie es sie unter Obinger gab, hat er abgeschafft. Jeder spielt nun vorne wie hinten.     

"Wir stehen genau da, wo wir gesagt haben, dass wir wieder hinwollen", resümierte der Trainer vor der Winterpause: "auf einem einstelligen Tabellenplatz". Sein Ziel für die restliche Runde im neuen Jahr: "zwei, drei Pünktchen mehr holen".  Aber erst mal: Ab in den Urlaub.

So geht's weiter bei den Wölfen im neuen Jahr
8.1.: Trainingsstart
10.-12.1.: Trainingslager in Hemau/Oberpfalz mit Tests gegen Bundesligist HC Erlangen und den österreichischen Erstligisten HC Linz AG
15.1.: Freundschaftsspiel gegen den italienischen Zweitligisten ASD Albatro Siracusa (19 Uhr, s.Oliver Arena) 
25.1.: Turnier um den Hohenlohe Cup in Öhringen mit Spielen gegen Bundesligist Die Eulen Ludwigshafen und den Sieger der Partie HC Erlangen gegen HSG Konstanz
1.2.: Erstes Zweitliga-Heimspiel 2020 gegen die HSG Krefeld (19.30 Uhr, s.Oliver Arena)
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