Würzburg

Wahnsinn in Haching: Kickers verlieren 4:5 nach 4:2-Führung

Drei Gegentore nach der 87. Minute sorgen bei einem völlig verrückten Spiel für die Entscheidung: Die Kickers verlieren in einem chaotischen Spiel 4:5 gegen Unterhaching.
Hendrik Hansen kann es nicht fassen: Die Würzburger Kickers verlieren nach einer 4:2-Führung noch mit 4:5.
Foto: Frank Scheuring | Hendrik Hansen kann es nicht fassen: Die Würzburger Kickers verlieren nach einer 4:2-Führung noch mit 4:5.

Unfassbar, unglaublich, unbegreiflich! Die Würzburger Kickers haben ein völlig verrücktes Spiel bei der SpVgg Unterhaching mit 4:5 (3:2) verloren. Dabei sahen die Rothosen doch bis kurz vor Schluss noch wie der sichere Sieger aus. 2:0, 3:1 und 4:2 führten die Würzburger Drittliga-Fußballer im Münchener Vorort. Statt nach zwei Partien an die Tabellenspitze zu stürmen, stürzten die Rothosen aber am Ende in tiefe Enttäuschung (HIER finden Sie den Liveticker zum Nachlesen).

Es war der blanke Fußball-Wahnsinn: Ein Spiel, das 111 Minuten dauerte und die Kickers auf eine Gefühlsachterbahn jagte, das zwischendurch 15 Minuten unterbrochen war, bei dem Blitz, Donner und ein Wolkenbruch eine möglicherweise entscheidende Rolle spielten. Eine Partie, bei der ein Ex-Hachinger im Kickers-Dress eigentlich der große Held des Tages hätte werden können, bei dem am Ende aber das nicht eben als Stimmungs-Hochburg bekannte Stadion zum Tollhaus wurde. Und ein Ergebnis, das bei den so bitter geschlagenen Kickers am Schluss einfach nur Kopfschütteln erzeugte.

Das sagt Vize-Kapitän nach dem 4:5

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"Wir müssen das jetzt aus den Köpfen kriegen. Am Dienstag geht es ja schon weiter", sagte Kickers-Vize-Kapitän Daniel Hägele niedergeschlagen. So richtig erklären konnte er das Geschehene auch nicht. Bis zur 87. Minute - zieht man bei der Zeitnahme die 15 minütige Unterbrechung wegen eines Gewitters ab - führten die Kickers 4:2. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Unterhaching, das schon besiegt schien, raffte sich auf, witterte nach dem 3:4 durch Christoph Ehlich (88.) Morgenluft. Als ein Freistoß von Alexander Winkler vom Pfosten an den Rücken von Kickers-Keeper Eric Verstappen und von dort ins Tor sprang (90.+1) war den Kickers der Sieg schon aus der Hand geglitten. Zwei Minuten später kassierten die Rothosen tatsächlich noch das 4:5 durch Moritz Heinrich (90.+3). Ein Tor das sich anfühlte wie ein Tiefschlag in die Magengrube. 

Die Ursachen für die Auflösungserscheinungen in der Schlussphase waren freilich selbstverschuldet. Haarsträubende Ballverluste, schlimme Stellungsfehler, ein unnötiges Handspiel vor dem Freistoß zum 4:4. Die Liste der Unzulänglichkeiten war lang, zu lang. "Ich muss mich auch selbst hinterfragen, ob die Wechsel, die ich gemacht habe, richtig waren." Tatsächlich machte Fabio Kaufmann, der nach der Auswechslung von Leroy Kwadwo von rechts vorne auf die linke  Abwehrseite gerutscht war, keine allzu gute Figur. Der ingewechselte Niklas Zulciak indes verursachte den überflüssigen Freistoß zum 4:4. Es war aber eine ganze Fehlerkette, die den Toren vorausging. Die Kickers hatten in der Schlussphase völlig ihre Ordnung aber auch ihre Haltung verloren. 

Die Trainerstimmen von der Pressekonferenz

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Er werde nun erst einmal mit den Spielern, über die entsprechenden Szenen sprechen. "Und dann schauen wir mal", sagte Schiele. Wie er nun mit dem Team umgehe, "das bleibt intern". Die Notwendigkeit, einen Linksverteidiger zu verpflichten, wurde freilich erneut deutlich. Auch die beiden Gegentore in der ersten Halbzeit wurden über diese Abwehrseite der Kickers vorbereitet. "Wir wollen da ja auch etwas tun. Vielleicht haben wir ja auch schon einen", sagte Schiele über die Gedankenspiele auf dieser Position.

Es brodelte in ihm. Dabei war er ja so nah dran gewesen am Erfolg. Und wer weiß, was passiert wäre, hätte nicht auch das Wetter oder besser gesagt ein Unwetter kurzzeitig die Regie in Unterhaching übernommen. "Vor der Unterbrechung waren wir ziemlich am Boden", gestand jedenfalls der siegreiche Heim-Trainer Claus Schromm. Ein kräftiges Gewitter hatte dafür gesorgt, dass die Partie nach 55 Minuten eine gute Viertelstunde unterbrochen war. 4:2 führten die Kickers da bereits. "Die Pause hat uns nicht gut getan", glaubte denn auch Schiele, auch wenn es lange dauern sollte, bis die Hachinger in der Schlussphase noch heiß liefen.

Bis zur Gewitter-Pause sah freilich alles danach aus, als ob es der Nachmittag des Dominik Widemann werden sollte. Dem Ex-Unterhachinger im Kickers-Dress war ein Doppelpack gelungen. Seine Treffer zum 3:1 (42.) und 4:2 (48.) waren Balsam für die Seele des Würzburger Neuzugangs, der zuletzt in der Münchener Vorstadt überhaupt nicht zum Zug gekommen war.  Am Ende freilich wird seine Genugtuung nicht allzu groß gewesen sein.

Die Kickers waren über weite Strecken das bessere, das strukturiertere Team gewesen, hatten kaum Chancen des Gegners zugelassen, aber schon bei den Gegentoren von Stefan Schimmer (34., 45.+2) nicht konsequent genug verteidigt. Der prima Start in der Partie mit Toren durch einen abgefälschten Freistoß von Luke Hemmerich (4.) und Luca Pfeiffer, der Hachings Keeper Nico Mantl den Ball vom Fuß klaute (7.) erwies sich letztlich als Bumerang. "Die frühe Führung hat uns nich gut getan", so Schiele, der manch Unkonzentriertheit im Spiel seins Teams bemängelte. Trotzdem hätte es für die Rothosen wohl um Sieg gereicht, hätte Hemmerich bei einem Lattentreffer (66.) aus der Distanz zum 5:2 in den Kasten getroffen. "So hat der Fußballgott am Ende auf uns herab geschaut", meinte Hachings-Trainer Schromm. Manche Dinge im Fußball sind mit irdischen Dingen eben nicht zu erklären. 

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