Würzburg

Wie der Kapitän die Baskets aus der Krise führen will

Zuletzt drei Niederlagen am Stück in der Bundesliga. Cameron Wells plant nach der Rückkehr aus dem Trainingslager mit s.Oliver Würzburg einen Neustart und will wieder richtig angreifen.
Cameron Wells: 'Wir müssen hart daran arbeiten, wieder zurückzukommen, und das tun wir hier auch.'
Foto: Heiko Becker | Cameron Wells: "Wir müssen hart daran arbeiten, wieder zurückzukommen, und das tun wir hier auch."

Wer es noch nicht gesehen und erlebt hat, wie dominant und bestimmend er auf dem Parkett auch sein kann, wird es nach einem Treffen und einem Gespräch mit Cameron Wells kaum für möglich halten. Ruhig und leise spricht er, mit einer für einen Menschen mit seiner Statur fast ein wenig hoch erscheinenden Stimme. Er wählt seine Worte mit Bedacht und verliert auch nicht zwingend mehr als unbedingt nötig sind, um eine Frage zu beantworten. Und begeht man den Anfängerfehler, ihm auch mal eine geschlossene Frage zu stellen, die er mit "Yes" oder "No" beantworten kann, dann passiert das auch schon mal. Nicht aus Unhöflichkeit. Der 31-Jährige aus Houston in Texas wirkt eher fast ein wenig schüchtern, und selbst wenn er sicherlich weiß, dass es auch zu seinem Job gehört, ab und zu mal Rede und Antwort zu stehen, so gibt es ganz bestimmt sehr viele Dinge, die er viel lieber macht als Interviews zu geben.

Hier geht's zum Liveticker aus dem Trainingslager

Cheftrainer Denis Wucherer hat ihn vor der Saison zum Kapitän der Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg gekürt, weil er weiß, was er an ihm hat. In der fünften Saison arbeiten die beiden nun zusammen, vor der Zeit in Unterfranken coachte der 46-Jährige Wells drei Spielzeiten lang in Gießen, und Wucherer hat in dieser Runde mehr als einmal betont, dass er doch ganz froh sei, dass "Der General" wie sie ihn in Würzburg nennen, weil Wells die Inkarnation eines "floor general" ist, wie es im Basketballsprech heißt, also sozusagen der Chef auf dem Parkett, seine "Führungsrolle inzwischen angenommen hat". Auch wenn der Trainer gerne noch mehr Führungsarbeit von seinem Captain sehen würde.

Gerade in den letzten Wochen aber geriet auch Wells, der die Baskets in dieser Runde mehrfach zu (auch sehr knappen) Siegen geführt hatte, ein wenig aus dem Tritt - und mit ihm das Team. In München und Braunschweig sowie zu Hause gegen Bayreuth setzte es drei Niederlagen am Stück zuletzt, wobei nicht nur die Schlappen an sich Kopfschmerzen verursacht haben dürften, sondern vor allem das Zustandekommen: Regelmäßig fielen die Baskets im Schlussabschnitt  auseinander.

"Deswegen ist das Trainingslager hier auch gut und wichtig, damit wir als Gruppe wieder besser zusammenrücken."
Cameron Wells, Kapitän der Baskets

Sitzt man dann nun in Valencia im Trainingslager der Würzburger nach der nachmittaglichen Laufeinheit auf einem Fußball- und American Football-Platz mit Wells auf der Auswechselbank und fragt ihn, wie er denn gedenkt, die Baskets aus ihrer Krise herauszuführen, lächelt er erst ein wenig und sagt dann: "Wir müssen das als Team machen. Deswegen ist das Trainingslager hier auch gut und wichtig, damit wir als Gruppe wieder besser zusammenrücken." Ihn hat zuletzt eine Erkältung geschwächt, weshalb er in Braunschweig auch fehlte - aber das will er nicht als Ausrede gelten lassen. "Das wäre zu einfach", sagt er. "Wir müssen hart daran arbeiten, wieder zurückzukommen, und das tun wir hier auch."

Zweimal am Tag bitten Wucherer, sein Assistent Steven Key und Athletiktrainer Philipp Burneckas die Gentlemen zum Tanz, und wenn man sich mal ein wenig umhört bei den Spielern, dann spüren sie ihre Knochen ganz schön. Einhellige Überzeugung freilich ist auch: Gut und wichtig sei das, und es gibt keinen, der die Flucht aus der heimatlichen Alltagsroutine an die spanische Ostküste und den Tapetenwechsel nicht super findet und die Stimmung in der Mannschaft lobt. Wells ist das erste Mal überhaupt in Spanien, anfangs fragte er sich noch, ob es ihm dort gefallen würde, nach vier Tagen ist er hellauf begeistert: "Awesome, here."

Der Baskets-Kapitän in der Partie gegen Braunschweig bei der Arbeit.
Foto: Silvia Gralla | Der Baskets-Kapitän in der Partie gegen Braunschweig bei der Arbeit.

Bei Wells verteilen sich 94 Kilo auf 1,86-Meter - bei dem Modellathleten ist Basketball-Ästhetik zu Muskeln und Blut geworden. Ein großes Ziel hat er noch: endlich auch mal in Deutschland Play-offs spielen. Mit Varese, sagt er, habe er das in Italien schon mal geschafft, aber mit Tübingen, Gießen und Würzburg konnte er die Saison noch nicht verlängern. "Wir haben in dieser Saison eine sehr große Möglichkeit dazu", sagt Wells, der allerdings auch nicht zu weit in die Zukunft blicken will. "Wir haben noch 13 Spiele", sagt er, "und da müssen wir uns auf jedes einzelne fokussieren, one at a time", also auf eines nach dem anderen. Der Texaner ist davon überzeugt, dass die Baskets am Samstag "als Team gestärkt" die Heimreise antreten werden. Wells plant "einen Neustart" und will "dann wieder richtig angreifen".

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