Würzburg

Wie der Lockdown diesem Unterfranken zur Marathon-Bestzeit verhalf

Johannes Arens ist ein ambitionierter Läufer: Während der Corona-Einschränkungen hat er seine Marathonzeit deutlich verbessert. Was Hobbysportler von ihm lernen können.
Johannes Arens erreichte beim Marathon auf dem Bedford Autodrome in Südostengland eine neue persönliche Bestzeit von 2:26,11 Stunden. Bei der Vorbereitung auf den Lauf halfen ihm die während der Corona-Pandemie vereinfachten Lebensumstände.
Foto: Johannes Arens | Johannes Arens erreichte beim Marathon auf dem Bedford Autodrome in Südostengland eine neue persönliche Bestzeit von 2:26,11 Stunden.

Nur sehr wenige Marathoni laufen eine Bestzeit unter 2:30 Stunden. Johannes Arens aus Dettelbach (Lkr. Kitzingen) gehört zu ihnen. Mitte Oktober hat er seinen persönlichen Rekord auf der 42,195 Kilometer langen Strecke auf 2:26:11 Stunden verbessert. Das entspricht 105 Runden auf der 400-Meter-Bahn in einer Durchschnittszeit von 83 Sekunden.

Arens lebt in der Universitätsstadt Cambridge und erreichte diese Zeit bei einer Laufveranstaltung auf dem Bedford Autodrome in Südostengland. Auf dem ehemaligen Militärflugplatz, der heute als Teststrecke für Autos dient, startete er im Trikot der Turngemeinde Kitzingen und unterbot den 32 Jahre alten Marathonvereinsrekord von Bruno Helmer.

Im Lauftagebuch stehen mehr als 38 000 Kilometer

Mit seiner Bestzeit wäre der 30-Jährige in Berlin, mit 44 000 ins Ziel gekommenen Läufern eine der weltweit größten Marathonveranstaltung, 2019 unter den zehn schnellsten Deutschen gewesen. In der deutschen Rangliste hätte er im vergangenen Jahr zu den Top 40 gezählt. In diesem Jahr könnte er weiter vorne stehen, da weniger Läufe ausgetragen wurden.

Neben Trainingsfleiß gehören Talent und günstige Verhältnisse am Wettkampftag dazu, um eine Zeit unter 2:30 Stunden zu erreichen. In Bedford passten sowohl Wetter (neun Grad und windig, aber trocken) als auch Strecke (flach). Jedoch fehlten coronabedingt die Zuschauer, die die Läufer vor allem auf den letzten Kilometern nochmals hätten antreiben können.

Arens hat das Talent, benötigte aber zehn Jahre Anlauf. Mit 18 lief er seinen ersten Marathon in 3:41 Stunden, kurz nachdem er mit Langstreckenläufen begonnen hatte. Sein Ehrgeiz war geweckt: Seit Anfang 2010 hat er mehr als 38 000 Kilometer in sein Lauftagebuch notiert, in dem er jedes Training und jeden Wettkampf festhält.

Vereinfachte Lebensumstände helfen bei der Bestzeit

Zweimal hat Johannes Arens, der auch am Schachbrett Ausdauer beweist und für den SC Prichsenstadt Läufer, Bauern oder Damen über die 64 Felder zieht, seitdem den Würzburger Stadtmarathon gewonnen. 2016 war er der erste siegreiche Lokalmatador2019 wiederholte er seinen Erfolg.

Johannes Arens freut sich im Ziel über seine neue persönliche Bestzeit.
Foto: Johannes Arens | Johannes Arens freut sich im Ziel über seine neue persönliche Bestzeit.

Für ihn, der sich als "ambitionierter Amateurläufer" sieht, hängt es mit der Corona-Pandemie zusammen, dass er seine Bestzeit in diesem Jahr deutlich verbesserte. "Es war nicht der einzige Grund, aber es war hilfreich, um mich mehr auf das Laufen zu fokussieren. Sportlich scheint mir eine solche Vereinfachung der Lebensumstände gut zu tun", bewertet er für sich die bestehenden Einschränkungen: keine Treffen, keine Termine, also kaum Ablenkung.

Die Erfahrung, dass er seine Zeiten unter vereinfachten Bedingungen verbessern kann, habe er bereits während der Bundeswehrzeit (von 3:41 auf 2:57) und während eines Auslandssemesters in Russland (von 2:41 auf 2:31) gemacht. Doch je schneller man läuft, umso schwieriger ist es, die Zeit zu unterbieten: Nochmal fünf Minuten schneller zu sein, waren ein weiterer großer Schritt.

Laufen sollte sich in den Tagesablauf einfügen

Um sich zu verbessern, sei es wichtig, regelmäßig zu laufen. Und die Läufe sollten zum Tagesablauf passen. Arens geht am frühen Morgen laufen, das sei für ihn "arbeits- und familienfreundlicher". Für ein abwechslungsreiches Training plant er meist sonntagnachmittags einen längeren Lauf ein. Anfänger könnten sich zwei lockere, einen schnellen und einen langen Lauf pro Woche vornehmen. "Wenn der Wille da ist, findet man auch Zeit zum Laufen", sagt Arens.

Er habe keine Probleme, sich selbstständig zum Laufen zu motivieren. "Natürlich macht mir auch der ,innere Schweinehund' zu schaffen, und der gewinnt gelegentlich auch", gibt Arens zu. Er gehe dann auch mal einen Kompromiss ein, schreibe das aber mit auf.

Was seine nächsten Ziele sind? "Ich sehe mich noch nicht am Ende. Ich bin gerade 30 geworden und somit eigentlich im besten Marathonalter", sagt Arens. Bayerischer Meister war er noch nicht – das reizt ihn, da er im vergangenen Jahr, noch geschwächt durch eine Erklärung, in München nur als Zehnter ins Ziel kam. Das sei enttäuschend gewesen.

Johannes Arens hat 2019 zum zweiten Mal den Würzburger Stadtmarathon gewonnen.
Foto: Kathrin Königl | Johannes Arens hat 2019 zum zweiten Mal den Würzburger Stadtmarathon gewonnen.

In diesem Winter möchte Johannes Arens erst einmal frei von Verletzungen bleiben, was ihm in der kalten Jahreszeit bislang zu selten gelungen ist. Ermüdung und Belastung forderten stets ihren Tribut. Er setzt dann aus und gönnt er dem Körper eine Pause.

Die Marke von 2:20 Stunden ist sein nächstes Ziel

Schneller werden könnte er vor allem mit weniger Gewicht: "Da habe ich noch Potenzial, denn ich eigentlich esse gut und gern. Aber mit weniger Kilos wird man schneller. Gleichzeitig nimmt man beim Laufen ab. Topläufer sehen ziemlich klapprig aus, sie sind aber sehr, sehr schnell." Zudem müsste er gezielter und mehr trainieren.

Die nationale oder internationale Spitzenklasse werde er nicht mehr erreichen, bekennt er. "Bis ich im Ziel ankomme, hat sich Kipchoge schon geduscht, einen Kaffee gekocht und Interviews gegeben", verdeutlicht er den enormen Unterschied. Der in Berlin aufgestellte Marathonweltrekord von Eliud Kipchoge liegt derzeit bei 2:01 Stunden. Arens peilt als nächstes eine Zeit von 2:20 Stunden an: "Wenn mir das noch gelingen würde, wäre ich extrem stolz."

Arens' Tipps für Hobbyläufer

1. Lauftagebuch führen: "Erfolge und Misserfolge zu dokumentieren, ist nicht nur für die Entwicklung wichtig. Ob ich gelaufen bin oder nicht, habe ich in zwei Wochen vergessen. Wenn ich es aber aufschreibe, ist das nicht so."
2. Ziele setzen: "Nicht erst drauflos trainieren und irgendwann für einen Lauf anmelden, sondern es genau andersrum machen: Zuerst anmelden, denn dadurch ergibt sich automatisch ein Ziel, für das man trainieren kann."
3. Gemeinsam laufen: "Wenn ich weiß, dann jemand auf mich wartet, mit dem ich mich zum Laufen verabredet habe, komme ich selbst morgens leichter aus dem Bett."
4. Auf den Körper hören: "Ich bin davon überzeugt, dass der Körper sinnvolle Signale abgibt und man darauf hören sollte. Wenn mir etwas wehtut, hat das einen Grund, dem man nachgehen und nicht durch Schmerzmittel übertönen sollte."
5. Laufen geht immer: "Ist es zu nass oder zu kalt, dann ab aufs Laufband. Wer viel und lange arbeitet, kann vielleicht zur Arbeit oder in der Mittagspause laufen. Auch Eltern können mit einem Babyjogger familienfreundlich trainieren."
Quelle: jst
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