Würzburg

Wo der negative Coronatest die Spielteilnahme ermöglicht

Amateursport ist aktuell verboten, Profisport nicht. Doch es gibt auch Sportlerinnen und Sportler, die Amateure sind und trotzdem nicht in die Corona-Zwangspause müssen.
Lea Zimmermann testet ihre Mitspielerin Lisa Bertholdt mit einem Schnelltest auf das Corona-Virus.
Foto: Tim Eisenberger | Lea Zimmermann testet ihre Mitspielerin Lisa Bertholdt mit einem Schnelltest auf das Corona-Virus.

Seit 2. November des vergangenen Jahres muss der Amateursport in Deutschland pausieren, Profis und Kader-Athleten sind indes von der Corona-Zwangspause ausgenommen. Doch es gibt Amateursportler, die trotzdem trainieren dürfen und einen normalen Ligabetrieb absolvieren. Weil sie Teil professioneller Strukturen oder Ligen sind. Wie zum Beispiel die QOOL Sharks Würzburg in der Zweiten Basketball-Bundesliga der Frauen. Die Korbjägerinnen aus der Domstadt bestreiten zwar nicht ihren Lebensunterhalt durch ihren Sport, ihre Klasse ist vom Verband aber dennoch als Profiliga eingestuft worden. Dort läuft der Spielbetrieb seit wenigen Wochen wieder, nachdem sich die Liga wegen der angespannten Corona-Situation im Dezember und Teilen des Januars eine Spielpause auferlegt hatte. Zuvor mussten die Würzburgerinnen schon Spiele wegen positiver Tests im Team absagen.

Denn es gibt in der Zweiten Basketball-Bundesliga ein klares Konzept. Vor jedem Spiel muss auf Covid-19 getestet werden. Bei den QOOL Sharks übernimmt die Testung Lea Zimmermann. Die Aufbauspielerin studiert Medizin und hat auch bereits im Testzentrum in Kitzingen Tests auf das Coronavirus durchgeführt. Freitags baut sie vor dem Training ihre kleine Station mit Schnelltests auf. Erst wenn alle Spielerinnen negativ getestet sind, beginnt das Training, sonst wird ein PCR-Test gemacht. Die Kosten für die Schnelltests tragen die Vereine aktuell selbst.

Kommunen entscheiden über Spielerlaubnis

Nach der Pause hat die Liga entschieden, nur eine einfache Runde zu spielen, also statt der sonst 22 Saisonspiele müssen nun nur elf über die Bühne gebracht werden. Fünf davon hat das Team von Trainer Thomas Glasauer schon absolviert. Zuletzt gab es einen 82:48-Erfolg im Frankenderby in Schwabach. Die Schwabacherinnen sind eines der Teams, deren Kommune lange zögerte, da sie die Zweite Bundesliga nicht dem Profisport zuordnete. Ähnlich ergeht es auch den Frauen von Alba Berlin. Weil die Liga als semiprofessionell bezeichnet werden kann – manche Teams verfügen über Profi-Spielerinnen–, liegt die Entscheidung, ob ein Team spielen darf, bei der jeweils zuständigen Verwaltung vor Ort.

Die Sportlerinnen werten die Schnell-Tests in der Halle selbst aus.
Foto: Tim Eisenberger | Die Sportlerinnen werten die Schnell-Tests in der Halle selbst aus.

In den kommenden Wochen geht es nun vor allem darum, dass die Teams erst einmal die Hinrunde über die Bühne bringen. Deshalb hatten die QOOL Sharks dieses Wochenende spielfrei, ehe es wahrscheinlich am kommenden Wochenende zum Spitzenspiel gegen Bad Homburg kommt. Beide Teams sind aktuell noch ungeschlagen. Wie es nach der einfachen Runde weitergeht, ist noch nicht entschieden. Am 20. Februar trifft sich der Liga-Vorstand digital und legt eine Regelung für Auf- und Abstieg der Süd- und Nordgruppe der Zweiten Bundesliga fest.

Gesundheitsamt entscheidet über Quarantäne

Roland Sauer, Geschäftsführer der Rimparer Wölfe
Foto: Thomas Obermeier | Roland Sauer, Geschäftsführer der Rimparer Wölfe

Auch andere Teams in Unterfranken wandeln zwischen Profitum und Amateurismus. Beispielsweise die DJK Rimpar Wölfe. Neben einigen Studenten und Arbeitnehmern spielen dort auch mehrere Profis. Auch die Zweite Handball-Bundesliga (HBL) hat ein Testkonzept erstellt. Zweimal die Woche muss getestet werden, bei einer Inzidenz von unter 100, wie aktuell in Würzburg, reicht der zweite Test 48 Stunden vor Spielbeginn. Würde die Inzidenz wieder steigen, müssten die Wölfe 24 Stunden vor Spielbeginn testen. Die Tests lassen die Rimparer bei Teamärztin Natascha Kissling machen. Weil in Bayern weiterhin alle Corona-Tests umsonst sind, entstehen dafür bisher keine Extra-Kosten. 

Bei positiven Tests müssen nicht nur die betroffenen Spieler in Quarantäne. Nach Corona-Fällen im Dezember schickte das Gesundheitsamt die Hälfte des Rimparer Kaders nach Hause. Zurückkehren durften die Spieler nach den Regeln der HBL und des Deutschen Handballbundes (DHB) erst, nachdem zwei negative Tests innerhalb von fünf Tagen vorlagen. "Wir reagieren lieber einmal zu viel als einmal zu wenig", erklärt Wölfe-Manager Roland Sauer. Auch er selbst vermeidet es aktuell, zur Mannschaft zu gehen.

Steffen Liebler, Geschäftsführer von s.Oliver Würzburg.
Foto: Heiko Becker | Steffen Liebler, Geschäftsführer von s.Oliver Würzburg.

Auch die Basketballer von s.Oliver Würzburg, die ihrem Sport in der Bundesliga als Vollprofis nachgehen, lassen sich zweimal die Woche in der Praxis von Teamärztin Natascha Kissling testen. Wer im Falle einer positiven Testung in Quarantäne muss, kann Geschäftsführer Steffen Liebler nur erahnen. "Es gelten bei uns die gleichen Regeln wie für jeden anderen auch", so Liebler. Vorsichtshalber tragen die Baskets aber bei jeder Besprechung und bis zu Beginn des Trainings Maske. "Wir tun alles, um eine Quarantäne zu vermeiden, aber am Ende entscheidet das Gesundheitsamt", fügt Liebler an.

In der Basketball-Bundesliga gab es bereits mehrere Teams, die den Spielbetrieb für zwei Wochen unterbrechen mussten, Braunschweig trifft es aktuell sogar schon zum zweiten Mal. Um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden, hat Liebler seinen Spielern empfohlen, Menschenmassen zu meiden. "Tatsächlich beschränken die Jungs ihre privaten Kontakte sowieso nur aufs Team, deshalb leben sie sozusagen in einer Blase", erklärt Liebler. 

Im Volleyball sind Profispieler verboten

Bei den Hammelburg Volleys ist die Situation sogar noch spezieller. Denn die Vorschriften der Zweiten Volleyball-Bundesliga verbieten offiziell Profispieler. Trotzdem darf in der ersten und zweiten Liga gespielt werden. "Darüber sind wir natürlich sehr froh, und wir haben auch für eine Fortsetzung gestimmt", so Oliver Wendt, Pressesprecher der Hammelburger. Dabei war die Entscheidung nicht unumstritten. Denn einige Vereine waren dagegen, weil es häufig auch Probleme mit den Arbeitgebern der Spieler gegeben haben soll.

"Volleyballhallen sind mittlerweile beinahe Hochsicherheitstrakte", berichtet Wendt. Deswegen gehe die Gefahr einer Ansteckung in der Halle fast gegen Null. 24 Stunden vor dem Spiel müssen bei allen Aktiven, also auch den Trainern, Tests durchgeführt werden. Auch die Hammelburger nehmen dafür Schnelltests, die sie selbst finanzieren. 

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