Nach zwei Auftaktsiegen bei der Oberland-Rallye und am Vogelsberg sowie einem fünften Platz bei der "ADAC Rallye" im Sulinger Land ist Bianca Vogt, die heuer ihre erste Saison mitfährt, mit ihrem Fahrer zurzeit Gesamtführende im "Suzuki-Rallye-Cup-Wettbewerb". Mit ihrem 123 PS starken und nur 955 kg schweren Suzuki rasen die beiden über Feldwege und Straßen. Die Autos, alle für den Verkehr zugelassen, sind ausgerüstet mit einer Überrollzelle, einer Feuerlöschanlage, Rennschalensitzen und Sechs-Punkt-Gurten.
Bianca Vogt (29) ist in Margetshöchheim aufgewachsen ist und hat in der Maria-Ward Schule in Würzburg die Schulbank gedrückt. Das 172 cm große Leichtgewicht gibt als Co-Pilotin ihrem 23-jährigen Fahrer Florian Niegel aus Hollfeld bei Bamberg die wichtigen Routenbeschreibungen und Straßenverläufe bei den Rennen. Aus ihrem Roadbook gibt sie immer wieder Anweisungen wie "Rechts 4" oder "5 Voll". Für den Laien Rallye-Latein, für den Profi die Beschreibung für eine Rechtskurve, die im vierten Gang gefahren werden kann bzw. für eine Gerade, auf der im fünften Gang Vollgas gegeben werden darf.
Das Mädchen für alles
Nach einem Fahrsicherheitstraining beim ADAC machte sie vergangenes Jahr eine Beifahrerschulung mit und besitzt seitdem die Fahrerlizenz. Dort wurde Michael Beyer, Instruktor des Toplehrganges, auf Vogt aufmerksam und vermittelte ihr den Kontakt in ein Rallyeauto. Die Abteilungsleiterin bei einer Logistik-Firma in Schwarzach organisiert vor einem Rennen die Anreise, die Unterkünfte für das Team, besorgt die Dokumente für die Rennverläufe, ist Mädchen für alles.
"Rallyefahrer fahren privat nie schnell, das machen nur die Angeber"
Bianca Vogt
Privat liebt es Bianca Vogt eher ruhig, liest gerne (derzeit "Der Sterne Tennisbälle"), geht ins Kino (Lieblingsfilm: "Die fabelhafte Welt der Amelie") und träumt davon, einmal mit Delphinen im Meer zu schwimmen. Abseits der Rennpisten sitzt Vogt lieber selbst am Steuer. "Einen Unfall hatte ich privat Gott sei Dank noch nie. Wahrscheinlich, weil mir mein Fahrlehrer mehr als normalerweise üblich beibrachte", erzählt sie.
Eine Raserin ist sie aufgrund ihres Hobbys nicht: "Rallyefahrer fahren privat nie schnell, das machen nur die Angeber. Ein Rallyefahrer ist sich um die Gefahren von Raserei bewusst", sagt Vogt. Im Rennen freilich gibt es schon mal eine Delle: "Bei unserem vorletzten Rennen sind wir frontal in eine Leitplanke geschossen. Uns und dem Auto ist nichts passiert. Wir sind sogar als erste ins Ziel gefahren, obwohl das Auto ziemlich verbeult war."
Mit der Siegprämie in die Bar
Früher hat Vogt Tischtennis beim FV Margetshöchheim gespielt, war Cheerleaderin beim Post SV und betrieb mehrere Kampfsportarten. Den Weg zum Rallye-Sport hat sie durch ihrem Vater Roland gefunden. Er war Vorsitzender des German American Motorsportclub in Würzburg und Initiator des Bergrennens in Eichenbühl. Dort durfte Bianca schon als kleines Mädchen die Faszination von schnellen Autos als Beifahrerin erleben. "Ich liebe die Geschwindigkeit des Rallyeautos, die Atmosphäre und das kameradschaftliche Verhalten im Fahrerlager." Und die Siegprämien, die maximal 300 Euro betragen, erzählt sie mit einem Lächeln, "die werden nach den Rennen gemeinsam mit den Mechanikern in der Bar auf den Kopf gehauen".