München

Droht Bayerns Schulen schon bald der Wechsel-Unterricht?

Ministerpräsident Söder will Schüler in "Hotspots" in den Wechsel-Unterricht schicken. Doch was genau ist ein "Hotspot"? Wer ist betroffen? Und wie lange soll das dauern?
Die Corona-Lage an Bayerns Schulen ist laut Kultusministerium stabil. Trotzdem könnte schon bald wieder mehr Unterricht daheim drohen. 
Foto: Britta Pedersen, dpa | Die Corona-Lage an Bayerns Schulen ist laut Kultusministerium stabil. Trotzdem könnte schon bald wieder mehr Unterricht daheim drohen. 

In Bayern beginnen die Weihnachtsferien wegen Corona nun zwei Tage früher. Doch was passiert mit dem Unterricht in den Dezember-Wochen bis dahin? Bayerns Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) packt am Dienstag auf diese Frage erst einmal die Gebetsmühle aus: "Unser Ziel bleibt: Wir wollen die Schulen offen halten mit klarer Priorität Präsenz-Unterricht."

Allerdings hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuletzt mehrfach erklärt, in "Hotspots" die Schul-Klassen verstärkt teilen und in den Wechsel zwischen Unterricht in der Schule und Unterricht Zuhause schicken zu wollen. Doch was genau ist aktuell ein Hotspot? Sind dies Städte oder Kreise über der Sieben-Tage-Ziel-Inzidenz von 50 Fällen auf 100 000 Einwohner? Dann wäre derzeit ganz Bayern ein einziger Hotspot. Geht es um Orte über dem Bayern-Schnitt, der aktuell bei knapp 180 liegt? Oder zählen am Ende nur die Inzidenz-Spitzenreiter, die derzeit vor allem im Süden des Freistaats liegen?

Was ist ein Hotspot? Auch der Schulminister weiß keine Antwort

Auch der Schulminister weiß auf diese Frage am Tag vor einer Ministerpräsidenten-Konferenz in Berlin keine Antwort: Es gebe keine Festlegung dafür, "was ein Hotspot sein wird", beteuert er. Für Bayern endgültig entschieden werde ohnehin erst am Donnerstag, wenn das Söder-Kabinett die Umsetzung der Berliner Beschlüsse für den Freistaat festlegen will.

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Unklar bleibt deshalb vorerst ebenfalls, ob die erst vier Tage alte Hotspot-Definition der deutschen Kultusminister auch in Bayern gilt: Darin heißt es, ein "Hotspot liegt vor, wenn im unmittelbaren Umfeld der Schule ein überdurchschnittlich hoher Inzidenz-Wert auftritt und auch die jeweils betroffene Schule am Infektionsgeschehen beteiligt ist". Eine Beschreibung, die nahe an dem liegt, was in Bayern schon gilt: Demnach gehen Schulen im Freistaat nur dann in den Wechsel-Unterricht, wenn sie selbst stark von Neu-Infektionen betroffen sind – und in der Regel auch nur einzeln und nicht etwa alle Schulen in einem Landkreis.

Seit Anfang November stabile Lage an den Schulen

Erst Anfang November hatte ein "Schulgipfel" mit Vertretern von Lehrern, Eltern, Schülern und Rektoren zudem bekräftigt, dass es in Bayern keine Schulschließungen allein auf Basis regionaler Inzidenz-Werte geben soll. Seitdem, so räumt Piazolo ein, habe sich die Lage an den Schulen kaum verändert: Aktuell sind immer noch rund 94 Prozent der gut 1,5 Millionen Schüler in Bayern im Präsenz-Unterricht.

"Es entstehen eben immer auch neue Dynamiken."
Bayerns Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Warum dann aber ausgerechnet jetzt mehr Wechsel-Unterricht an den Schulen? "Es entstehen eben immer auch neue Dynamiken", entgegnet der Minister vage. Die aktuelle Dynamik entspringt offenbar vor allem der Erkenntnis, dass die Inzidenz-Werte weiter zu hoch sind – und die Maßnahmen deshalb verschärft werden müssen. Auch die Schulen müssten nun ihren "Beitrag leisten, die Zahlen weiter abzusenken", erklärt Piazolo.

Welche Klassenstufen wären zunächst betroffen?

Sollte es in Bayern zum Wechsel-Unterricht kommen, so soll dieser vor allem in den Klassenstufen sieben bis elf stattfinden, lässt sich der Schulminister immerhin entlocken. Alle anderen Klassen und vor allem die Grundschulen sollen möglichst im Präsenz-Unterricht bleiben.

Täglicher Wechsel zwischen Schule und Kinderzimmer?

Und weil der Wechsel-Unterricht vorerst nur bis zu den Weihnachtsferien gehen soll, plant das Ministerium einen täglichen Wechsel zwischen Heim- und Schulunterricht. Wie dies in der Praxis aussehen soll, bleibt allerdings – knapp eine Woche vor dem möglichen Start – ebenfalls offen.

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