MÜNCHEN/SCHWEINFURT

Erinnerung an jüdischen Sportler

Harry Gelbfarb beim Training
Foto: Nachlass Gelbfarb | Harry Gelbfarb beim Training

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum München über jüdische Sportler würdigt auch das Leben von Harry Gelbfarb, der im Jahr 1956 in Schweinfurt das erste Fitnessstudio Deutschlands gründete. Dazu zeigt die Ausstellung einen Original-Expander von Gelbfarb, auf den dieser 1958 ein Patent angemeldet hatte.

Dem Museum zur Verfügung gestellt hat das Exponat Peter Steinmüller, der seit Jahren die Biografie des von der Sportgeschichte weitgehend vergessenen Gelbfarb erforscht. Steinmüller wiederum erhielt das Exponat vom Bergrheinfelder Heinz Rösch, der in den 50er Jahren in Gelbfarbs Studio trainierte und mit ihm befreundet war.

Mit seiner Erfindung wollte Gelbfarb das typische Risiko bei herkömmlichen Expandern überwinden, sich die Finger an den Eisenfedern zu verletzen. Doch das Gummiband, das er verwendete, riss häufig, sodass der Expander kein Erfolg war. Gelbfarb hatte sogar in Bad Kissingen vergeblich eine Aktion mit Werbebriefen gestartet, weil er in den zahlreichen Kurgästen einen großen Markt vermutete.

Die Ausstellung mit dem Titel „Never walk alone – Jüdische Identitäten im Sport“ zeigt, wie Athleten jüdischer Herkunft im 19. und 20. Jahrhundert den Sport in Deutschland als Chance zum sozialen Aufstieg und zur gesellschaftlichen Integration nutzten.

Der Kuratorin Jutta Fleckenstein zufolge waren sportliche Leistungen und Erfolge nicht nur ein wesentliches Mittel zur Entwicklung und Festigung moderner jüdisch-deutscher Identitäten, sondern entzogen antisemitischen Stereotypen von der körperlichen Unterlegenheit den Boden.

„Beim Betrachten der Fotos und Sportgeräte, deren Besitzer zumeist entweder im KZ ermordet wurden oder durch Emigration in die USA oder Kanada den Naziterror überlebten, wird erst deutlich, wie selten ein Lebensweg wie der von Harry Gelbfarb ist“, erklärt sein Biograf Peter Steinmüller.

„Dem Holocaust knapp entronnen, als US-Soldat in das Land gekommen, dessen Staatsapparat ihn nur wenige Jahre zuvor ermorden wollte, bot ihm die Gründung des Fitnessstudios die beste Chance, seinen Lebensunterhalt in einer fremden Stadt zu sichern und neue Freunde zu finden.“ Expander und Ausstellung sind für knapp ein Jahr in München zu sehen.

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