SONTHOFEN/NÜRNBERG

Geprellte Kundin zündet Haus von Anlageberater an

Eine verzweifelte Kundin aus dem Allgäu griff zur Selbstjustiz: Sie zündete das Haus jenes Anlageberaters an, der ihr die Investition in Blockheizkraftwerke der Nürnberger Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien (GFE) empfohlen und sie damit in die Schuldenfalle getrieben hatte. Nun muss sie fünf Jahre ins Gefängnis.

Die dubiosen Geschäfte von Finanzierungsberatern zum Bau angeblicher Blockheizkraftwerke (BHKW) beschäftigen seit Monaten die Nürnberger Staatsanwaltschaft. Offenbar handelte es sich weitgehend um Kraftwerke, die es gar nicht gab. Gegen 47 Verdächtige wird ermittelt, neun sitzen in Untersuchungshaft.

Rund ein Drittel der 1254 geprellten Kunden der GFE wandte sich in Unterfranken an Rechtsanwälte. Wie viel sie von 62 Millionen Euro wiedersehen ist nach Angaben des Insolvenzverwalters ungewiss. Tatsächlich ausgeliefert wurde nur ein Bruchteil der Anlagen, nur vier speisten kurzfristig Strom ins Netz ein. Statt die in Aussicht gestellte Rendite von 30 Prozent einstreichen zu können, blieben die Kunden auf ihren Kosten sitzen.

GFE hatte in zahlreichen Gemeinden in Unterfranken für Standplätze für seine BHKW geworben. Durch Kauf und Rückvermietung der Kraftwerke an die Firma sowie Einspeisung ins Stromnetz sollte sich der Einsatz für Investoren in 20 Jahren angeblich versechsfachen, erzählten Verkäufer.

Einem von ihnen hatte die Frau aus dem Allgäu geglaubt: Er hatte ihr eine monatliche Rendite von 2,5 Prozent auf die investierten 47 600 Euro versprochen. Geblieben sind bislang Durchhalteparolen. Doch die Frau hat seit Dezember 2010 einen 48 000-Euro-Kredit zu tilgen.

Nun muss sie auch noch für den beim Brand entstandenen Sachschaden von etwa 600 000 Euro aufkommen. Das Haus wurde abgerissen, nachdem es durch zwei Molotov-Cocktailwürfe der vermutlich Betrogenen im März 2011 abgebrannt war. Zum Glück konnten Vermittler nebst Ehefrau und zwölfjährigem Sohn aus dem Haus entkommen. Laut Anklageschrift bestand aber Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft wollte eine deutliche Haftstrafe, trotz eines Geständnisses der nun zu fünf Jahren Haft verurteilten Frau aus Sonthofen.

Nur einen kleinen Teil des Geldes dürfte die Frau aus dem Insolvenzvermögen der GFE-Energy-Gruppe zurückbekommen – falls sie bis 12. September ihre Forderungen bei Jochen König in Nürnberg anmeldet. Der Anwalt verwaltet die Insolvenz.

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