MÜNCHEN

Gurlitt früh in Verdacht

Der Schwabinger Kunstfund war offenbar kein reiner Zufall. Die Staatsanwaltschaft Augsburg habe im Fall Gurlitt früh vermutet, in der Münchner Wohnung des Beschuldigten Cornelius Gurlitt NS-Raubkunst zu finden, sagte der Augsburger Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz vor dem Rechtsausschuss des Landtags: „Wir wussten nicht, wie viele Kunstwerke er zu Hause hat. Wir wussten nicht mal, ob er Kunstwerke zu Hause hat. Aber wir hatten den Verdacht.“

Deshalb beantragte die Behörde bei Gericht neben der Hausdurchsuchung auch eine Observation Gurlitts. Dafür müsse „natürlich ein Verdacht über eine Straftat von erheblichem Ausmaß vorliegen“, erklärte Nemetz. Dieser habe unter anderem auf der Zugehörigkeit Gurlitts zu einer „Kunsthändler-Dynastie“ sowie auf dessen Verkauf bekannter Kunstwerke gefußt.

Der Verdacht habe sich nicht nur durch die unerwartet hohe Anzahl gefundener Kunstwerke bestätigt. So habe man bei Gurlitt auch ein Buch gefunden, „das zu einem Geldtransportbehältnis umgestaltet war“, so Nemetz. Gegen Gurlitt wird nach wie vor wegen Steuerdelikten sowie Unterschlagung ermittelt.

Den Vorwurf der Verzögerung wies Nemetz zurück: „Es ist nicht so, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg in diesen 18 Monaten durch Nichtstun geglänzt hätte.“ Alle relevanten Behörden in Bund und Land seien nach dem Sensationsfund umgehend informiert worden. Niemand habe gewarnt, dass die Herkunftsrecherche der Bilder mit nur einer Expertin zu lange dauern könnte. Inzwischen soll eine mehrköpfige „Taskforce“ klären, welche Gurlitt-Bilder NS-Raubkunst sein könnten.

Die Staatsanwaltschaft habe sich in ihrem engen rechtlichen Rahmen wohl korrekt verhalten, lobte sogar der Grünen-MdL Sepp Dürr. Ob dies auch für die bayerischen Spitzenbeamten gelte, die die politische Ebene nicht über den brisanten Fall informiert hatten, sei dagegen fraglich, so Dürr. Er forderte erneut die Prüfung möglicher Dienstpflichtverletzungen. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) will davon allerdings nichts wissen: „Ich werde mich nicht mit irgendwelchen Dingen aus der Vergangenheit aufhalten“, sagte er vor Journalisten.

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