UNTERFRANKEN

Husten, Schniefen, Fieber: Grippe hat Unterfranken im Griff

Unterfranken hustet, schnupft und niest. „Ja, wir stehen am Anfang der Grippesaison“, bestätigt Hausarzt Dr. Jochen Kuhn aus Würzburg, der seit Tagen in Serie Patienten mit Atemwegsinfekten behandelt. Eigentlich sei man schon „mittendrin in der Grippewelle“, meint Hausarzt Dr. Christian Pfeiffer aus Giebelstadt (Kreis Würzburg). Pfeiffer, der auch Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands ist, sagt, die Grippe sei früh gekommen in dieser Saison.

Grippe hat früh begonnen

Bereits um Weihnachten habe es die ersten Fälle gegeben; mittlerweile habe die Grippe nicht nur Südbayern, sondern auch den Norden Bayerns voll im Griff. Zwar sei, sagt Pfeiffer, die Grippe in Nordbayern noch kein „ganz so großes Problem wie in Südbayern“, wo seiner Kenntnis nach bereits zahlreiche viele Grippepatienten in Krankenhäuser gebracht werden mussten. „Aber sie beschäftigt uns hier schon aktuell stark.“

Kurz vor dem Wochenende ist Pfeiffers Wartezimmer voller hustender und schnupfender Patienten. Doch nicht alle Patienten leiden an der „echten“ Grippe, die schlagartig einsetzt, zu hohem Fieber, Schmerzen im ganzen Körper und einem sehr starken Abgeschlagenheitsgefühl führt. „Ich habe den Eindruck, wir haben etwa zu gleichen Teilen Patienten mit einem grippalen Infekt und Patienten mit Grippe“, sagt Pfeiffer.

Rund 4600 Fälle im Süden Deutschlands

Offizielle Zahlen bestätigen die Eindrücke der Hausärzte. Laut Daten der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ des Robert-Koch-Instituts waren bis Ende Januar deutschlandweit 9422 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle gemeldet; eine Woche davor betrug die Zahl der bestätigten Grippefälle noch 6415. Besonders betroffen von der Grippe ist laut Robert-Koch-Institut der Süden Deutschlands; dort wurden mit über 4600 bestätigten Fällen die meisten Grippekranken gemeldet. Aus Unterfranken melden für den Januar etwa das Gesundheitsamt für Stadt und Land Würzburg 126 bestätigte Grippefälle, das Gesundheitsamt Rhön-Grabfeld 34 Fälle und das Gesundheitsamt Schweinfurt 39 Fälle. Allerdings übertrifft die Zahl der real an Grippe Erkrankten die Zahl der labordiagnostisch bestätigten Grippefälle bei weitem.

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Hausärzte verzichten oft auf Abstriche

„Da gibt es eine hohe Dunkelziffer; die offiziellen Zahlen spiegeln nicht den realen Erkrankungsstand wieder“, sagt etwa Dr. Matthias Hahn, der das Gesundheitsamt im Kreis Rhön-Grabfeld leitet. Um einen labordiagnostisch bestätigten Grippebefund zu bekommen, müsse der Arzt beim erkrankten Patienten einen Abstrich machen und diesen einschicken; sagt Hahn. Zwingend sei dies aber nicht. Viele Ärzte verzichteten darauf. Auch der Giebelstädter Hausarzt Dr. Christian Pfeiffer verzichtet in vielen Fällen auf einen solchen Abstrich. „Das sind oft nur unnütze Laborkosten“, sagt er. Pfeiffer: „Wenn ich einen offensichtlich grippekranken Patienten vor mir habe, dessen Krankengeschichte ich als Hausarzt gut kenne, dann mache ich keinen Abstrich“, sagt Pfeiffer. Sinnvoll sei eine genaue Diagnose natürlich bei Risikopatienten oder ihm unbekannten Kranken.

Abstriche helfen Wissenschaftlern

Auch Dr. Jochen Kuhn aus Würzburg hält eine Blutabnahme bei Grippekranken nur in Einzelfällen für sinnvoll: „Die Blutabnahme bringt dem Patienten oft nichts. Wir müssen ja bei akut Erkrankten mit der Behandlung beginnen und können nicht abwarten, bis sich 5-8 Tagen nach Erkrankungsbeginn die Grippe durch Antikörper nachweisen läßt.“
 

Hygieneoberinspektor Jürgen Schröer vom Gesundheitsamt Schweinfurt erklärt, warum die labordiagnostische Untersuchung der Abstriche dennoch sinnvoll ist. „Zu wissen, welcher Virenstamm aktiv ist, ist von epidemiologischem Interesse und kann Wissenschaftlern vom Robert-Koch-Institut helfen, zu sehen, wie sich welche Viren wo ausbreiten.

Bloß nicht Hände schütteln!

Impfungen sind derzeit noch möglich. Wie kann man sich sonst schützen, wenn Grippeviren Unterfranken unsicher machen? „Aufs Händeschütteln verzichten. Das ist nicht Unhöflichkeit, sondern Selbstschutz“, empfiehlt Hygieneoberinspektor Jürgen Schröer. „Ganz banal: Händewaschen!“, rät der Würzburger Hausarzt Dr. Jochen Kuhn. Jenen, die schon an Grippe erkrankt sind, rät er, diese auszukurieren und sich wirklich zu schonen. „Es hilft niemandem, wenn man zu früh wieder zur Arbeit oder zum Sport geht“, sagt er.

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