München

Michael Piazolo weist Rücktrittsforderungen zurück

Bayerns Schulminister steht wegen Problemen mit dem Digital-Unterricht unter Druck. Ein Söder-Ultimatum zum Schulstart am Montag habe es aber nie gegeben, beteuert er.
Steht wegen der anhaltenden Probleme mit der digitalen Schule politisch unter Druck: Bayerns Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler)
Foto: Sven Hoppe, dpa | Steht wegen der anhaltenden Probleme mit der digitalen Schule politisch unter Druck: Bayerns Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat Rücktrittsforderungen wegen seines Corona-Krisenmanagements an Bayerns Schulen zurückgewiesen: "Wir haben alles getan, um uns auf den Distanz-Unterricht gut vorzubereiten", beteuerte der Minister am Donnerstag in München. Dass für die Schüler, die zunächst bis Ende Januar von zu Hause lernen sollen, die Technik störungsfrei funktionieren wird, wollte der Minister allerdings nicht versprechen: "Ich kann nicht für alle digitalen Tools eine volle Garantie abgeben", sagte er. 

Piazolo: Distanz-Lernen auch mit Buch, Telefon oder Post

Vor allem die bayerische Internet-Lernplattform mebis macht Piazolo offenbar weiter Probleme: Noch im Sommer zum Vorbild für digitales Lernen in ganz Deutschland erklärt, dimmt Piazolo die Bedeutung der von Zugangsproblemen geplagten Plattform nun auf Sparflamme: "Mebis ist aktuell nicht das Wichtigste", findet er. Zwar sei der Distanz-Unterricht "digital gestützt, aber nicht ausschließlich". Auch Bücher und Arbeitshefte gehörten weiter dazu. Und der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern könne auch per Telefon oder gar per Post erfolgen. Der Streit um mebis sei deshalb vor allem "eine unnatürlich gehypte Debatte", findet Piazolo.

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An ein Ultimatum von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) von Mitte Dezember in Sachen mebis ("Bis 10. Januar muss alles gehen, da gibt es keine Ausreden mehr"), will sich Piazolo ohnehin nicht mehr erinnern: Es sei damals nur darum gegangen, dass der Distanz-Unterricht funktioniere, erklärt er. Und dafür gebe es auch noch andere digitale Werkzeuge wie etwa Microsoft Teams. Ein mebis-Ultimatum an ihn habe es deshalb nie gegeben, behauptet Piazolo – obwohl die Freien Wähler im Landtag am 17. Dezember ein eben solches in einer Pressemitteilung heftig kritisiert hatten.

Wie aber Chancengleichheit entstehen soll, wenn nur manche Schüler sofort auf ihre Lernaufträge in mebis zugreifen können, andere mangels Kapazität dagegen erst später oder gar nicht, sagt Piazolo nicht. Mebis sei eben nie dafür gedacht gewesen, dass viele Schüler gleichzeitig darauf zugreifen wollen, erklärt er stattdessen. Um dieses "systemische Problem" zu lösen, will das Ministerium den einzelnen Schulen nun im Viertelstunden-Takt "Slots" zum gestaffelten Einloggen zuweisen.

"Ungeeignet": SPD fordert Piazolo-Rücktritt

Eine Idee, die Bayerns Gemeindetags-Präsident Uwe Brandl (CSU) "geradezu unerträglich" findet: Die "verzweifelte Bitte" der gestaffelten Einwahl und begrenzten Nutzung von mebis sei "eine Bankrotterklärung des Kultusministers", schimpft Brandl. Seit Jahren investierten die Kommunen viel Geld in die Digitalisierung der Schulen, doch nun zeige sich "dass das Ministerium es nicht schafft, den digitalen Unterricht zu Hause zu ermöglichen". Von Laptop und Lederhose sei im Piazolo-Ministerium jedenfalls nichts mehr übrig, zürnt Brandl: "So kann das nicht weitergehen!"

Piazolo zeige erneut, dass er als Kultusminister ungeeignet ist, findet auch die SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr – und forderte wie ihr FDP-Kollege Matthias Fischbach erneut den Rücktritt des Ministers. "Piazolo hat sicher nicht den sichersten Posten im Kabinett", glaubt auch der Grüne Max Deisenhofer. Allerdings liege das Problem nicht nur an ihm, sondern auch an strukturellen Schwächen im Schulministerium: "Nur schnell einen Kopf auszutauschen, löst deshalb längst nicht alle Probleme." 

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