Würzburg

Kommentar: Mit zu vielen Schulpannen ist Piazolo auf Schlingerkurs

Bayerns Kultusminister versteht offenbar nicht, dass er das Schulschiff steuern muss. Den klaren Kurs lässt Michael Piazolo in der Pandemie vermissen. Soll er weitermachen?
 Die Corona-Krise fordert Schülern, Lehrern und Eltern viel ab. Und Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat sich als Krisenmanager bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. 
Foto: Peter Kneffel, dpa |  Die Corona-Krise fordert Schülern, Lehrern und Eltern viel ab. Und Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat sich als Krisenmanager bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. 

Dass die bayerische Schüler-Lernplattform Mebis beim ersten harten Lockdown im März versagt hat, ist verzeihlich. Damals war Corona neu, damals war Distanzunterricht per Lernplattform ein Experiment. Wenn die  kultusministerielle Lernplattform aber beim zweiten harten und durchaus absehbaren Lockdown im Dezember erneut zusammenbricht,  ist das ein Anlass für Schuldzuweisungen.

Der Minister agiert, als hätte er den zweiten Lockdown nicht vorhersehen können.

Denn wenn das Lern-Tool, das ein Teil der bayerischen Schüler benutzen muss, tagelang blockiert, bedeutet das: Frust für jene Schüler, die lernen wollen, Frust für die hilfewilligen Eltern, Frust für die Lehrer, die eilig versuchen, per Telefon oder App ihre Zöglinge auf andere Lernsysteme umzulenken. Dass ein Teil der Schüler etwa über die kommerzielle Plattform Teams weiterlernt,  während die von Mebis abhängigen Kinder Unterricht versäumen, sorgt für einen heterogenen Lernstand. Die Opposition im Landtag hat zu Recht die Frage aufgeworfen, ob nicht –angesichts ungleicher Voraussetzungen –  Lehrpläne angepasst werden müssen. Es herrscht aktuell Chaos im bayerischen Bildungssystem - gerade so, als hätte es die neun Monate der Vorbereitung auf einen neuen Lockdown nicht gegeben.

Sportunterricht: Mit Maske? Ohne Maske? Gar nicht? Die Anweisungen dazu aus dem bayerischen Ministerium empfanden viele Lehrer als widersprüchlich.
Foto: Thomas Frey, dpa | Sportunterricht: Mit Maske? Ohne Maske? Gar nicht? Die Anweisungen dazu aus dem bayerischen Ministerium empfanden viele Lehrer als widersprüchlich.

Voller Wut zeigen in den sozialen Netzwerken Lehrer und Eltern mit dem Finger auf den Schuldigen. "Der Piazolo kann es nicht!“, heißt es da. Der Minister indes scheint sich eher als Opfer denn als Versager zu fühlen. "Die umgesetzten Maßnahmen zeigen bislang nicht die Wirkung, die ich mir wünsche. Das ist für mich nicht akzeptabel“, sagte Piazolo zum Mebis-Debakel. Allein diese Aussage lässt an seiner ministeriellen Kompetenz zweifeln.

Nach den zwei Jahren, die der FW-Politiker im Amt ist, sollte er wissen, dass ein Minister bei Problemen automatisch im Focus steht. Gibt es bei Corona-Tests Pannen, muss dafür Gesundheitsminsterin Huml büßen. Fallen Polizisten mit rechtsextremem Sprüchen auf, gerät Innenminister Herrmann in die Kritik. Piazolo kann nicht bei Problemen so tun, als hätten nur Mitarbeiter was verbockt. Er sollte dafür geradestehen. Mindestens aber müsste er Lösungsstrategien finden und Wege klar aufzeigen.

Unter Beschuss geriet Bayerns Kultusminister bereits im Frühjahr, als er das 'Piazolo-Paket' gegen den Lehrermangel schnürte und insbesondere Grundschullehrern mehr Unterrichtspflichtzeit aufbürdete. Der Lehrerprotest dagegen war stark - auch wie hier in Würzburg. 
Foto: Patty Varasano | Unter Beschuss geriet Bayerns Kultusminister bereits im Frühjahr, als er das "Piazolo-Paket" gegen den Lehrermangel schnürte und insbesondere Grundschullehrern mehr Unterrichtspflichtzeit aufbürdete.

Genau an dieser wegweisenden Klarheit mangelt es Piazolo aber – und zwar grundsätzlich. Mebis selbst zu optimieren, ist nicht sein Job; der Mann hätte aber im Vorfeld durchaus eine Kursänderung befehlen können, etwa nach dem Motto: "Mebis ist nicht sicher, wir setzen auf Teams“. Klarheit hat Piazolo auch vermissen lassen, als er kurz vor diesem Lockdown die Parole "Distanzlernen“ statt "Distanzunterricht“ vorgab, dadurch die Lehrer irritierte und dann doch, unter Söders bösem Blick, umschwenken musste.

Klarheit gab es schon gar nicht in Piazolos heillos verschwurbeltem Hygienekonzept zu Schuljahrsbeginn: seine Vorgaben galten oft als unumsetzbar.  Klarheit fehlte zudem bei der Versorgung bedürftiger Kinder mit versprochenen "Endgeräten“ für den Distanzunterricht: Lehrerberichten zufolge sind die Geräte zwar da, landen aber, aufgrund von intransparentem Bürokratismus, zu spät bei den Schülern.

Piazolos Performance war mangelhaft

Was die Schulfamilie aktuell braucht, ist ein fairer und abgespeckter Corona-Lehrplan, der dem Umstand Rechnung trägt, dass der Unterricht jetzt viel holpriger läuft als vor der Pandemie. Außerdem nötig: situationsangepasste Notengebung, situationsangepasste Abschlüsse. Und ein Fahrplan, in dem mehrere Corona-Entwicklungen und entsprechend variable Lernmodelle samt Raumnutzungen kalkuliert sind.

Dass Piazolo das hinkriegt, ist angesichts seiner bisherigen Performance unwahrscheinlich. Als erste Partei hat die FDP seinen Rücktritt gefordert.

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