MÜNCHEN

Schüler mussten sich vor Polizei ausziehen

Weil angeblich ein Fünf-Euro-Schein verschwunden war, soll ein Polizist in München eine komplette Schulklasse zu zum Teil sehr weitgehenden Leibesvisitationen gezwungen haben. Mindestens ein Schüler habe sich dabei ganz ausziehen müssen, berichteten mehrere Medien am Wochenende.

Schülerinnen hätten ihre BHs öffnen müssen, ein weiterer Schüler habe seine Unterhose runterziehen müssen. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag), dass gegen den Polizisten ein Verfahren wegen Nötigung laufe. „Wenn Strafanträge seitens der Eltern kommen, müssen wir überprüfen, ob der Tatbestand Beleidigung auf sexueller Basis zutrifft.“

Polizeivizepräsident Robert Koch und Polizeisprecher Wolfgang Wenger räumten gegenüber der Zeitung ein, dass das Vorgehen nicht in Ordnung gewesen sei. Beide betonten, dass kein Schüler nackt dagestanden habe.

Die Staatsanwaltschaft sowie der zuständige Polizeisprecher waren am Wochenende nicht zu erreichen.

Der Münchner SPD-Abgeordnete Florian Ritter forderte von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine umfassende Aufklärung des Vorfalls und Maßnahmen, die ähnliche Übergriffe in Zukunft verhindern.

„Wenn die Vorwürfe und Berichterstattungen zutreffen, dass Polizeibeamte eine ganze Schulklasse wegen des möglichen Diebstahls von fünf Euro “gefilzt“ und die 13- bis 14-Jährigen teilweise sogar im Genitalbereich untersucht haben, ist das in mehrfacher Hinsicht skandalös“, sagte Ritter, der auch im Verfassungsausschuss des Bayerischen Landtags sitzt. „Die gesamten Mitglieder der Schulklasse wurden demnach unter Generalverdacht gestellt, die Art der Untersuchung erinnert an den Umgang mit Drogenschmugglern oder Terroristen.“

Ausgangspunkt für die Aktion an einer Münchner Wirtschaftsschule war ein Vortrag zum Thema Zivilcourage, den ein 44 Jahre alter Polizist in der vergangenen Woche in einer achten Klasse gehalten hatte. Eine 16-jährige Schülerin behauptete dabei, ihr sei ein Fünf-Euro-Schein gestohlen worden.

Da habe der Polizist den Täter aufgefordert, sich zu stellen. Weil sich jedoch niemand meldete, habe er Verstärkung angefordert und mit drei weiteren Beamten die Schüler durchsucht.

Einem Schüler, der sich weigerte, seine Unterhose auszuziehen, soll mit einer Anzeige gedroht worden sein. Ein Fünf-Euro-Schein tauchte jedoch nicht auf.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ sind alle vier Beamten weiterhin im Dienst. Der 44-Jährige sei jedoch von seinen Aufgaben als sogenannter Jugendbeamter entbunden worden.

Diese sollen Kontakt zu Jugendlichen suchen, um sie von der Begehung von Straftaten abzuhalten oder einfach, um als polizeilicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ein Polizeisprecher rechnete frühestens am Montag mit neuen Ermittlungsergebnissen.
Themen & Autoren / Autorinnen
Bayerischer Landtag
CSU
Drogenschmuggler
Joachim Herrmann
Polizeisprecher
Schulklassen
Unterhosen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (6)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!