München

Söder: Corona-Lage in Bayern ist dramatisch

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bittet die Bevölkerung eindringlich um Unterstützung im Corona-Lockdown. Neu-Infektionen seien inzwischen überall möglich.
'Nicht zu entscheiden, wäre eine politische Sünde.' Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist die Corona-Lage dramatisch.
Foto: Peter Kneffel, dpa | "Nicht zu entscheiden, wäre eine politische Sünde." Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist die Corona-Lage dramatisch.

Die Entwicklung der Neu-Infektionen in Bayern sei mit aktuell erstmals mehr als 3000 Fällen an einem Tag "dramatisch", warnt Ministerpräsident Markus Söder (CSU). So habe sich etwa die Belegung der Intensiv-Betten mit Corona-Patienten binnen neun Tagen verdoppelt. Werde diese Entwicklung nicht gestoppt, "wird die Betten-Zahl bald knapp". Den mitunter zu hörenden Einwand, dass in einer Pandemie Tote eben nicht zu vermeiden seien, lasse er nicht gelten, beteuerte Söder: "Wir haben die Aufgabe, jedes Leben zu retten und nicht achselzuckend zu reagieren."

"80 Prozent der Neu-Infektionen nicht nachzuvollziehen"

Die beschlossenen Einschränkungen verteidigte der CSU-Chef vehement: Diese seien weniger hart als im Frühjahr und deutlich weniger weitreichend als etwa in Frankreich oder Spanien. Zwar hätten Gaststätten oder Theater die Hygiene-Regeln bis zuletzt gut umgesetzt. Aktuell könne aber bei rund 80 Prozent der Neu-Infektionen der Ansteckungsort nicht mehr nachvollzogen werden: "Das hohe Level an Infektionen macht eine Ansteckung leider überall möglich", warnte Söder.

"Wir haben die Aufgabe, jedes Leben zu retten."
Ministerpräsident Söder zum Corona-Lockdown in Bayern

Um Bildung und Arbeit zu schützen, habe man sich "auf Einschränkungen im Freizeitbereich" konzentriert. Er könne verstehen, wenn Betroffene das Maßnahmen-Paket als unfair kritisieren, räumte der Ministerpräsident ein. Doch jede politische Entscheidung für solche Einschnitte sei am Ende eine schwierige Abwägung: "Aber nicht zu entscheiden, wäre eine politische Sünde", so Söder.

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Unterstützung für Söder kam vom Koalitionspartner Freie Wähler (FW): Man könne Einzelmaßnahmen immer in Frage stellen, findet FW-Chef Hubert Aiwanger. Angesichts der dramatischen Infektionsentwicklung sei nun aber von allen Bürgern "eine Disziplin-Übung in Abstand-Halten" gefragt. Die Einschränkungen seien "unausweichlich, wenn wir nicht bereits in wenigen Wochen einen Gesundheitsnotstand riskieren wollen", erklärte auch FW-Fraktionschef Florian Streibl.

Grüne: Söders Sonderwege endlich vom Tisch

Während die AfD im Landtag die Einschränkungen als "kollektive Isolation auf Kommando" ablehnte, tragen Grüne und SPD die Maßnahmen im Grundsatz mit. Es sei allerdings "gut, dass damit auch weitere bayerische Sonderwege der Söder-Regierung vom Tisch sind", sagt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann. Sein SPD-Kollege Horst Arnold forderte zudem eine "schnelle und unbürokratische Hilfe für die Leidtragenden". Und die FDP hätte sich eine Corona-Strategie gewünscht, die "nicht mehr von Bauchgefühlen, sondern stärker von Daten und Fakten" geleitet ist.

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