München

Staatliche Bayernheim hat noch keine einzige Wohnung gebaut

Bezahlbaren Wohnraum wollte Markus Söder mit der staatlichen "Bayernheim" schaffen – auch in Unterfranken. Doch die ehrgeizigen Vorgaben verfehlt das Unternehmen krachend.
Keine Baustelle: Die staatliche 'Bayernheim' hat noch keine einzige neue Wohnung gebaut. Dabei wurde sie 2018 von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit großen Zielen gegründet.
Foto: Felix Zahn, dpa | Keine Baustelle: Die staatliche "Bayernheim" hat noch keine einzige neue Wohnung gebaut. Dabei wurde sie 2018 von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit großen Zielen gegründet.

Groß müssen die Zahlen und die Ziele sein - drunter macht es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht gerne: Als im Landtagswahlkampf 2018 der Wohnungsbau zu einem Aufreger-Thema wurde, kündigte Söder deshalb nicht einfach mehr staatliche Förderung an – sondern gleich eine neue staatliche Wohnungsbaugesellschaft.

"Bayernheim" sollte die neue Firma heißen – und wie aus dem Nichts überall im Land neue und vor allem günstige Wohnungen aus dem Boden stampfen: 2000 Neubauten schon bis 2020, so versprach es Söder. Stolze 10 000 Wohnungen gar bis 2025.

Nach drei Jahren hat die Bayernheim nur 71 Wohnungen im Bestand

Knapp drei Jahre später ist von den großen Ankündigungen wenig übrig geblieben: Ganze 71 Wohnungen in München hat die "Bayernheim" aktuell im Bestand, teilt das Bauministerium auf Nachfrage mit. Keine einzige davon wurde selbst gebaut, alle Wohnungen wurden von einem Projektträger zugekauft.

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Weitere 2900 Wohnungen habe man aber "auf den Weg gebracht", formuliert das Ministerium kreativ. Auf Nachfrage räumt man ein, dass 330 davon ebenfalls "vor oder während der Bauphase gekauft" werden sollen. 2570 Wohnungen werde man aber selbst errichten – in mehreren Bauabschnitten und nicht vor 2024.

Die Realität verfehlt Söders Wohnbau-Versprechen krachend

Die Realität verfehlt also das 10 000-Wohnungen-Ziel des Ministerpräsidenten krachend. Trotzdem will das Bauministerium vom Söder-Versprechen nicht abrücken: "Das Engagement des Freistaats, mit der Bayernheim GmbH bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wird unverändert fortgeführt", teilt man dort mit.

Bis 2025 will die Bayernheim in Würzburg 90 günstige Mietwohnungen bauen

Immerhin kündigte die Bayernheim Anfang März ihr erstes Projekt in Unterfranken an: Bis 2025 sollen auf einem Grundstück der ehemaligen Leighton-Barracks in Würzburg 90 Wohnungen "für Haushalte mit niedrigem Einkommen" entstehen. "Wir freuen uns, dass die Bayernheim in Unterfranken investiert", wird Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) in einer Pressemitteilung des Bauministeriums zitiert.

"Wir freuen uns, dass die Bayernheim in Unterfranken investiert."
Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU)

Hört man sich in der bayerischen Wohnungsbau-Branche um, wird diese Freude dort nicht geteilt: Ein Projekt, wie das in Würzburg, könnten auch andere gemeinnützige, kommunale oder genossenschaftliche Wohnbaugesellschaften aus der Region stemmen, ist dort zu hören. "Unter dem Strich" gebe es deshalb mit der Bayernheim in Würzburg keine einzige günstige Mietwohnung mehr.

"Unter dem Strich keine einzige billige Mietwohnung mehr"

Gleichzeitig trete die staatseigene Firma aber in Konkurrenz zu den bestehenden Wohnbau-Gesellschaften vor Ort – vor allem im Kampf um rare Grundstücke und staatliche Fördermittel. Das treibe die Preise eher in die Höhe, als dass es Wohnraum billiger mache.

Offen sprechen will man darüber nur beim bayerischen Verband der Wohnungswirtschaft (VdW). Dessen Direktor Hans Maier findet es "erst mal gut, wenn mehr Player auf dem Wohnungsmarkt sind". Richtig sei allerdings auch, dass Wohnbau-Grundstücke in vielen Teilen Bayerns knapp sind – und die Bayernheim mit den anderen Wohnbau-Firmen um knappe staatliche Fördermittel konkurriere. "Wenn der staatliche Fördertopf nicht größer wird, wird es auf Dauer nicht gehen", findet Maier deshalb.

"Jede privatwirtschaftliche Wohnbaugesellschaft wäre mit so einer Bilanz längst bankrott."
Der oberfränkische FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber

Auch im Landtag wächst die Kritik: "Als staatliches Unternehmen konkurriert die Bayernheim mit meist besserer Bonität um knappe Grundstücke und Fördermittel", kritisiert dort der oberfränkische FDP-Abgeordnete Sebastian Körber. Nach mehr als zwei Jahren sei es der Bayernheim zudem immer noch nicht gelungen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, schimpft er: "Jede privatwirtschaftliche Wohnbaugesellschaft wäre mit so einer Bilanz längst bankrott."

Ein typischer Söder, finden die Grünen: Große Ankündigung, keine Wirkung

79 Millionen Euro aus der staatlichen Wohnraumförderung hat die Bayernheim laut Ministerium in Jahr 2019 bekommen – bei einer Gesamt-Fördersumme von rund 700 Millionen Euro. "Wir sind anfangs davon ausgegangen, dass das Fördergeld, das in die Bayernheim geht, von der Söder-Regierung oben drauf gelegt wird", kritisiert der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. Nun aber schmälere ausgerechnet eine staatliche Gesellschaft die ohnehin schon knappen Fördermittel für alle anderen. "Ein typischer Söder" sei die Bayernheim, schimpft Mistol deshalb – große Ankündigung, keine Wirkung: "Denn am Ende kommt dabei kein Wohnraum zusätzlich raus."

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