Schweinfurt

Wie der fehlende Regen die Natur lähmt

Trockenheit: Während Wintergeplagte die ersten Sonnenstrahlen genießen, darbt die Natur. Es ist zu trocken in Unterfranken. Wenn es bis Ende März nicht regnet, könnte die Lage „katastrophal“ werden.
Die Natur leidet vielerorts an der anhaltenden Trockenheit. Damit auf diesem Acker bei Kürnach (Lkr. Würzburg) etwas gedeihen kann, muss es regnen.
Foto: Theresa Müller | Die Natur leidet vielerorts an der anhaltenden Trockenheit. Damit auf diesem Acker bei Kürnach (Lkr. Würzburg) etwas gedeihen kann, muss es regnen.

Frühlingsversprechend strahlt die Sonne dieser Tage vom blassblauen Winterhimmel. Kein Wölkchen trübt die Freude für die Sonnenanbeter. Doch während sich ihr Blick voll Freude gen Himmel richtet, wird anderen bei diesem Wetter bange.

Keine Regenwolke in Sicht – für die Natur ist das keine gute Nachricht: Es ist zu trocken. Der Niederschlags-/Dürreindex des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) weist Franken derzeit als „extrem trocken“ aus. „Wegen der fehlenden Niederschläge im Winter ist der Grundwasserstand nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau“, erklärt Herbert Walter, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes in Aschaffenburg. „Etwa zwei Drittel der beobachteten Grundwasserstände im staatlichen Niedrigwasserinformationsdienst (NID) weisen derzeit sehr niedrige oder niedrige Stände auf, stimmt Christian Guschker, Regierungsdirektor der Regierung von Unterfranken zu. Auch rund die Hälfte der beobachteten Quellschüttungen, also die Ergiebigkeit der Quellen, seien derzeit niedrig.

Ebenso ist die Situation der Flüsse in der Region: Ob bei der Messstation der Sinn in Mittelsinn (Lkr. Main-Spessart) oder am Main in Schwürbitz (Lkr. Lichtenfels), die Abflüsse sind niedrig – an der Wern in Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) sogar sehr niedrig.

Bisher habe sich der Grundwasserspiegel noch nicht vom Trockenjahr 2015 und vom trockenen Sommer im Folgejahr erholt, so Guschker. Ein niedriger Grundwasserspielgel im Sommer ist durchaus üblich. Vor allem im späten Frühjahr nutzt die Vegetation große Teile des Niederschlags zum Wachsen, der Rest verdunstet meist. Im Winterhalbjahr, vor allem von November bis April, füllen sich die Grundwasserspeicher durch Niederschläge wieder auf. In diesem Jahr allerdings fehlen diese Niederschläge, eine „nachhaltige Erholung“ der Grundwasservorräte war bisher nicht möglich, so Walter. Normalerweise ist der Boden zum Ende des Winters wassergesättigt,doch davon kann derzeit keine Rede sein. „Der Boden ist definitiv nicht wassergesättigt“, sagt Joachim Dömling, vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Schweinfurt. Problematisch werde es jedoch erst, wenn sich dies bis Ende März, Anfang April nicht ändere.

Niederschlag unbedingt notwendig

Sowohl mit Blick auf den niedrigen Grundwasserspiegel in der Region als auch auf die Land- und Forstwirtschaft, wäre Niederschlag daher unbedingt notwendig. Doch mit ein oder zwei Tagen sei es nicht getan, so Walter vom Wasserwirtschaftsamt. Um den Grundwasserspiegel aufzufüllen und der Natur genug Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sei lang anhaltender Regen notwendig. Bisher scheint Petrus kein Einsehen mit den trockenheitsgeplagten Regenfreunden zu haben. Auch für die nächsten Tage ist laut Deutschem Wetterdienst nicht mit länger anhaltendem Regen zu rechnen.

Viele Land- und Forstwirte blicken daher besorgt auf die Wettervorhersage. Momentan habe die andauernde Trockenheit noch keine Folgen für die Landwirtschaft. Wenn es allerdings weiterhin so bleibe, sei mit Schäden zu rechnen, so Dömling. „Es ist noch zu kalt, um jetzt schon rumzujammern“, antwortet sein Kollege Heiko Lukas vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg auf die Frage nach der Situation bei den Feldfrüchten. Sollte es allerdings ein trockenes und obendrein warmes Frühjahr geben, dann, so Lukas, könnte die Lage dramatisch bis katastrophal werden.

2016 musste die Maisernte wegen der Trockenheit früher eingefahren werden:


Der im Herbst gesäte Raps sei wegen der Trockenheit nur „lückig“ aufgegangen, ihm und der Wintergerste setzen Wechselfröste zu. Ist es tagsüber relativ warm und nachts frostig, hebt und senkt sich die obere Schicht des Bodens, und feine Wurzeln der Ackerfrüchte reißen ab. „Wir brauchen wirklich ein feuchtes Frühjahr“, sagt Lukas und hofft auf viele Tage Regen, damit sich die trockenen Böden wieder mit Wasser auffüllen. Bleibt dies aus, könnte die Situation für viele Landwirte kritisch werden. Denn in Trockenperioden ist auch Bewässerung für die Landwirte nicht immer eine Option. Um hierzu Wasser entnehmen zu dürfen, benötigen die Bauern nämlich eine sogenannte Bewässerungserlaubnis. „Bei niedrigen Grundwasserständen kann die Entnahme eingeschränkt werden“, erklärt Walter vom Wasserwirtschaftsamt.

Auch der Wald ist betroffen

Auch im Wald herrscht große Trockenheit. Solange die Temperaturen niedrig sind, kein Saft den Stamm hinauf in die Zweige und schließlich in die sich bildenden Blätter schießt, ist die Not nicht akut. „Aber wenn wir kein nasses Frühjahr kriegen, dann wird's eng“, sagt Förster Wolfgang Fricker, der beim AELF Würzburg das Revier Waldbüttelbrunn betreut. Ab Mitte bis Ende März brauchen die Bäume Regen, sagt Fricker, aktuell sei der Waldboden „extrem trocken“. Ältere, stärkere Buchen hätten schon nach dem trockenen Herbst 2016 schlecht ausgesehen. Fricker hat deutlich mehr „Hirschhörner“ beobachtet, so nennen Experten abgestorbene Äste. Auch die Fichten und Lärchen seien bedroht, unter ihrer Rinde tummeln sich Fricker zufolge „mehr Käfer als ursprünglich gedacht“.

Beide Fichtenborkenkäferarten – der Buchdrucker und der Kupferstecher – konnten nach Angaben der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft 2016 eine dritte Generation anlegen und damit ihre Populationsdichten erhöhen. Und der Borkenkäfer profitiert von Trockenheit. Wenn er seine Eier unter der Rinde ablegt, brauchen Bäume Wasser, um sich zu wehren: Normalerweise kleben die Fichten den Eindringling mit einer Ladung Harz fest.

Bei Wassermangel haben die Bäume nicht genug Kraft, das Harz an die richtigen Stellen zu transportieren.

Ein Blick zurück zeigt, welche Folgen die Trockenheit für die Bäume haben kann. So sind im Jahr 2004, und somit ein Jahr nach dem Jahrhundertsommer 2003, zahlreiche Birken abgestorben. Dass vergangenes Jahr kein Baumsterben einsetzte, nachdem es 2015 so trocken war, dürfte an dem feuchten Frühjahr gelegen haben.

Trinkwasserversorgung sei „generell gesichert“

Für die öffentliche Trinkwasserversorgung hat die anhaltende Trockenheit derzeit keine Auswirkung, bestätigt die Regierung von Unterfranken auf Anfrage dieser Redaktion. Sie sei „generell gesichert“. Doch ein Blick ins Jahr 2015 zeigt, dass es auch hier durchaus zu Problemen infolge der Trockenheit kommen kann. „18 von gut 300 unterfränkischen Wasserversorgern hatten damals Engpässe“, so Guschker.

Trockenperioden, wie wir sie derzeit erleben, sind keine Ausnahme. Vergleichbare Situationen gab es laut Angaben der Regierung von Unterfranken auch in den Trockenjahren 2003 und 1976/77. Grund zur Entwarnung ist das freilich nicht. Angesichts steigender Temperaturen und der Zunahme von Extremereignissen wie Starkregen infolge des Klimawandels, ist davon auszugehen, dass sie sich zukünftig häufen. So sei seit 2010 nur in drei Jahren der durchschnittliche Niederschlagswert erreicht worden, erklärt Regierungsdirektor Guschker.

Es besteht also Handlungsbedarf. Die Regierung von Unterfranken hat daher bereits im Sommer 2015 das Projekt Niedrigwassermanagement ins Leben gerufen. Ziel des mit Geldern des Umweltministeriums finanzierten Projekts ist die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Wasser in Niedrigwasser-Perioden und in Trockenzeiten. „Dabei sollen mögliche Konflikt- und Konkurrenzsituationen erkannt und eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung erzielt werden“, erläutert Guschker. Verwaltungsstellen wie das Wasserwirtschaftsamt oder die jeweiligen AELF werden bei der Entwicklung des Leitfadens ebenso eingebunden wie Kommungen, Verbände oder die Wasserversorger.

Der Fokus liege im Bereich Grundwassernutzung für die landwirtschaftliche Bewässerung und möglicher Konkurrenzen zur öffentlichen Wasserversorgung oder naturschutzfachlichen Belangen. „Die Entwicklung von konkreten Niedrigwasser-Managementplänen sollen als Entscheidungsgrundlage für die Verwaltungsstellen bei Konflikten von konkurrierenden Nutzungen und zur Sicherung der Wasserressourcen dienen.“ Das Projekt wird in diesem Jahr abgeschlossen, mit ersten Ergebnissen rechnet der Regierungsdirektor in der zweiten Jahreshälfte.

Warum im Sommer mehr Regen gut wäre       -  Würzburger Klimaforscher Heiko Paeth, Professor für Physische Geographie an der Universität Würzburg.
| Würzburger Klimaforscher Heiko Paeth, Professor für Physische Geographie an der Universität Würzburg.
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