Sein Fettnäpfchen war ein Pool auf Mallorca

Rudolf Scharping hat über Jahre die Politik mitgeprägt. Erinnerlich ist aber vor allem eine Turtelei im Urlaub. Übersehen wird dabei ein anderes langjähriges Engagement
Rudolf Scharping wurde von der Bühne der großen Politik gescheucht.
Foto: Thomas Frey, dpa | Rudolf Scharping wurde von der Bühne der großen Politik gescheucht.

An diesen Bildern kommt keiner vorbei, der sich mit Rudolf Scharping beschäftigt. Ein Herr mittleren Alters - nicht mehr ganz austrainiert, Brille, lichtes Haupthaar - turtelt mit einer geringfügig jüngeren Dame in einem Pool auf der Ferieninsel Mallorca. Neun Seiten geht das so. Bussi, Bussi. Das muss Liebe sein.

Bilder brachten große Aufmerksamkeit 

Das war 2001. Jetzt, 18 Jahre später, ist von der Liebe nichts mehr übrig. Kristina Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg hieß die Frau, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen Scharpings Freundin, später Ehefrau und noch später Ex-Frau war. Der Bunten bescherten die Bilder große Aufmerksamkeit, Scharping in letzter Konsequenz das Ende seiner Zeit als Bundesverteidigungsminister. In der Truppe fanden sie es nämlich etwas unpassend, dass die Bilder justament erschienen, als Scharping gerade Bundeswehrsoldaten nach Mazedonien in den Einsatz geschickt und mit einer Urlaubssperre bedacht hatte.

Der Pool auf Mallorca war rückblickend das größte all der Fettnäpfchen, in die der heute 72-Jährige während seiner Zeit als Politiker gehüpft war. Begonnen hatte Scharping seine Karriere 1966 bei den Jusos in Rheinland-Pfalz. Weitere wichtige Stationen: Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, SPD-Parteivorsitzender und eben Bundesverteidigungsminister.

Dieses letzte politische Amt musste der Vater dreier Kinder (aus erster Ehe mit Jutta Scharping) im Jahr 2002 aufgeben, nachdem er sich mehr schlecht als recht durch diverse Affärchen manövriert hatte. Hier ein Dienstflug zu viel, dort ein unbedachter Kommentar an falscher Stelle. Schlussakt war die Hunzinger-Affäre. Scharping hatte von einer gleichnamigen PR-Agentur 140 000 D-Mark Honorar erhalten. Das Geld sei für früher gehaltene Vorträge und als Vorschuss für seine geplanten Memoiren gewesen und ordnungsgemäß versteuert worden, sagte Scharping. Hören wollte das keiner mehr, auch nicht der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, den mit Scharping eine herzliche Abneigung verband.

Von der Bühne der großen Politik gescheucht

Der Mann mit der sonoren Stimme wurde von der Bühne der großen Politik gescheucht. Ganz wollte er dann aber doch nicht aus dem Rampenlicht treten und ließ sich 2005 zum Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) wählen. Nur ein Jahr später brach die Dopingaffäre rund um Jan Ullrich über ihn und den deutschen Radsport herein. Scharping moderierte weg, was wegzumoderieren war. Den Rest saß er mit der Gelassenheit des krisenerprobten Politikers aus. Die Taktik ging auf, Scharping ist immer noch BDR-Präsident und absolviert gerade seine vierte Amtszeit. 

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