Maßbach

Anne Maar zum Motto vom Theater Maßbach: "Wir sind da, wir spielen!"

Wie inszeniert man eine Kuss-Szene unter Corona-Bedingungen? Diese und andere Fragen im Zusammenhang mit der Pandemie beschäftigen das Team des Theaters Schloss Maßbach.
Anne Maar: 'Wir sind im Grunde eine Hausgemeinschaft.'
Foto: Anand Anders | Anne Maar: "Wir sind im Grunde eine Hausgemeinschaft."

Das Theater Schloss Maßbach ist für seine Heimspiele in die Lauertalhalle umgezogen. Im Intimen Theater kämen bei Einhaltung der Abstandsregeln viel zu wenig Leute unter. Wie sich das Ensemble auf all die Regeln und Auflagen einstellt, erklärt Anne Maar im Interview.

Frage: Frau Maar, Sie haben mal gesagt, ein Spielplan bekommt sein Motto manchmal vorher und manchmal hinterher, wenn sich offensichtliche Parallelen ergeben. Haben sich denn für den aktuellen Spielplan solche Parallelen ergeben?

Anne Maar: Nein, für diesen Spielplan gibt es kein inhaltliches Motto. Mit den Verschiebungen aus der letzten Spielzeit und den Verschiebungen in die nächste Spielzeit wäre das sehr erzwungen gewesen. Unser Motto lautet: Wir sind da, wir spielen!

Blick in die Lauertalhalle, Corona-Ausweich-Spielort des  Theaters Schloss Maßbach.
Foto: Anand Anders | Blick in die Lauertalhalle, Corona-Ausweich-Spielort des  Theaters Schloss Maßbach.
Es lassen sich dennoch ein paar Motive herauskristallisieren, etwa die Frage, wohin ein Leben sich entwickelt ("Bildung für Rita", "Nach Paris!"). Oder die Motive des Rettens ("Peter Pan", "Emilia Galotti"), der Vergänglichkeit (Kinderstück "Nur ein Tag") und des Aberglaubens und der Magie ("Schimmelreiter"). Wenn man also all diese Motive zusammenpackt, könnte man fast so etwas wie einen Corona-Kommentar erkennen.

Maar: (lacht) Ja, das könnte man. Aber das ist möglicherweise wie mit den Horoskopen, die so allgemein formuliert sind, dass jeder sagen kann: Ja, das stimmt total. Lebensentwicklungen sind eben immer ein Theaterthema, würde ich sagen. Aber es ist schön, wenn Sie es so interpretieren. Das gefällt mir.

Derzeit in Maßbach zu sehen: die Komödie “Bildung für Rita” mit Ingo Pfeiffer und Anna Schindlbeck.
Foto: Sebastian Worch | Derzeit in Maßbach zu sehen: die Komödie “Bildung für Rita” mit Ingo Pfeiffer und Anna Schindlbeck.
In Maßbach gilt das Motto "Arbeiten aus dem Geist der Gemeinschaft". Nachdem Sie ja fast alle unter einem Dach leben, ist das in Maßbach derzeit möglicherweise leichter als an anderen Häusern. Oder mussten Sie auch erstmal klären, wer wem nahekommen darf?

Maar: Inzwischen leben dann doch nicht mehr alle unter einem Dach. Die ganzen Mitarbeiter der Gewerke sowieso nicht. Aber auch einige Schauspielende, vor allem die, die schon länger da sind, wohnen nicht mehr im Schloss, sondern im Ort. Die haben zum Teil Kinder, die natürlich dann auch in die Schule gehen. Deshalb achten wir schon auf die Abstandsregel. Aber ein bisschen leichter ist es schon, wenn man die ganze Zeit mit den gleichen Leuten zusammen ist und arbeitet. Dadurch gibt es sehr wenige Außenkontakte, insofern sind wir nicht sehr beunruhigt.

Schloss Maßbach – das Intime Theater ist zu eng für Aufführungen unter Corona-Auflagen. 
Foto: Anand Anders | Schloss Maßbach – das Intime Theater ist zu eng für Aufführungen unter Corona-Auflagen. 
Heißt das, dass sich Schauspielende, die morgens Ellbogen an Ellbogen frühstücken, auch auf der Bühne näherkommen dürfen?

Maar: Ja, wobei wir bei den Inszenierungen schon darauf achten, das es keine direkten Berührungen gibt. Und dass die Abstände eingehalten werden. Mir sind die Bestimmungen in der Theaterwelt immer noch nicht ganz klar. Es gibt eine Auslegung, dass bei Ensembles, die immer in gleicher Besetzung proben und spielen, bis zu acht Personen ohne Abstand auf der Bühne stehen dürfen. So was ginge bei uns, wir sind im Grunde eine Hausgemeinschaft. An anderen Häusern, wo es immer Gäste gibt und Wechsel in den Ensembles und Stücken, wäre das nicht denkbar.

Acht Personen stehen im Moment aber nicht zur Debatte.

Maar: "Bildung für Rita", das derzeit läuft, ist ein Zwei-Personen-Stück. Auch beim Stück danach, "Nach Paris!", kann man die Abstände noch gut einhalten. Aber es gibt darin eine Kuss-Szene. Über die machen wir uns jetzt schon Gedanken. Wir werden uns dann auf jeden Fall rückversichern, was wir dürfen. 

“Der Schimmelreiter”: ab 5. März 2021 wieder in Maßbach zu sehen.
Foto: Sebastian Worch | “Der Schimmelreiter”: ab 5. März 2021 wieder in Maßbach zu sehen.
Gibt es für Sie so etwas wie einen dramaturgischen Bogen durch die Spielzeit?

Maar: Es ist ein bisschen ungewöhnlich, dass wir zwei Klassiker spielen. Das ist schon ein bisschen schwergewichtig. Grundsätzlich mag ich es lieber, wenn es zum Klassiker noch etwas Moderneres gibt. Aber es hat sich jetzt so ergeben, und ich finde es wichtig, dass wir den "Schimmelreiter" wieder aufnehmen. Weil der schon gearbeitet war und weil es eine sehr schöne Inszenierung ist. Außerdem gibt es einen Schwerpunkt beim Kinder- und Jugendtheater – wir haben eine Produktion mehr als sonst und planen ein Stück für Kindergartenkinder. Das ist das Schwierigste, weil man nicht weiß, was davon wird stattfinden können. Es wurde ja oft gesagt, dass in der Corona-Zeit zu wenig an Kinder und Jugendliche gedacht wird. Mir haben Lehrkräfte erzählt, dass man jetzt so hinterher ist, den ganzen Lehrstoff nachzuholen, dass die ganze kulturelle und soziale Bildung sehr kurz kommt. Dem würden wir gerne entgegenwirken.

Sie sind in die Laueralhalle gezogen, weil im Intimen Theater im Schloss zu wenig Platz wäre. Wie lässt sich das denn an?

Maar: Wir haben uns sehr bemüht, die Lauertalhalle umzugestalten, und es ist uns ganz gut gelungen. Wir haben sie komplett schwarz ausgehängt, das macht wirklich sehr viel aus. Die Akustik ist eine ganz andere, nicht mehr so hallig. Und es wirkt eben nicht mehr wie eine Turnhalle. Die letzten drei Reihen sind erhöht, wir haben durchgehend bestuhlt, so können wir die Leute individuell setzen, je nachdem, ob sie allein, zu zweit oder als Gruppe kommen. Wir haben zwischen 60 und 80 Plätze, in etwa die Kapazität des Intimen Theaters.

Sie profitieren also vom Know-How, das Sie sich in der Freilicht-Saison erarbeitet haben?

Maar: (lacht) Ja, im Abstände einplanen sind wir jetzt voll geübt. Deshalb gibt es bei uns keinen Online-Verkauf, sondern die Leute müssen anrufen und die Karten bestellen. Sie kriegen sie dann auch gleich per E-Mail zugeschickt.

Einige Veranstalter machen die Beobachtung, dass das Publikum noch etwas zögert, wieder in Veranstaltungen zu gehen. Wie sind Ihre Beobachtungen?

Maar: Unsere Abonnenten haben sich jedenfalls alle zurückgemeldet. Der Freiverkauf ist jetzt noch nicht so gut angelaufen, aber das ist normal. Da muss erstmal eine Kritik erscheinen, dann erinnern sich die Leute wieder, ah ja, da war ja noch was, wo man hingehen könnte. Und dann läuft der Vorverkauf an. Aber wenn wir merken, dass es nicht so gut anläuft, können wir immer noch Vorstellungen zusammenlegen oder streichen.

Theater Schloss Maßbach: die nächsten Inszenierungen

Bis 15. November: "Bildung für Rita", Stück von Willy Russell. Regie: Rolf Heiermann.
20. November bis 3. Januar 2021: "Nach Paris!",  Komödie von Samuel Benchetrit. Regie: Susanne Pfeiffer.
27. November bis 18. Dezember: "Peter Pan",  Theaterstück für Kinder ab sechs Jahren von Christian Schidlowsky (auch Regie) nach dem Roman von J. M. Barrie (am 4. und 5. Dezember im Theater der Stadt Schweinfurt).
15. Januar bis 28. Februar 2021: "Emilia Galotti", Tragödie von Gotthold Ephraim Lessing. Regie: Ingo Pfeiffer .
19. Februar bis 09. März: "Nur ein Tag", Theaterstück für Kinder ab fünf Jahren von Martin Baltscheit. Regie: Tina Geißinger.
5. März bis 18. April: "Der Schimmelreiter", Schauspiel nach der Novelle von Theodor Storm Für die Bühne bearbeitet von Christian Schidlowsky (auch Regie).
Infotelefon (09735) 235. www.theater-massbach.de
Quelle: Theater Schloss Maßbach
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