WÜRZBURG

Bachtage: Tod und Ewigkeit

Die 45. Würzburger Bachtage haben begonnen. Heuer steht die renommierte Konzertreihe ganz im Zeichen des Dialogs von Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms. Beim Eröffnungskonzert in der vollen Würzburger Johanniskirche gab es ein reines Brahms-Programm. Unter dem künstlerischen Leiter der Bachtage, Christian Kabitz, interpretierten die zusammen gut 100 Sängerinnen und Sänger des Bachchors Würzburg und des Cäcilien-Chors Frankfurt das Deutsche Requiem.

Brahms‘ kirchenmusikalisches Hauptwerk ist trotz des Titels keine Totenmesse im herkömmlichen Sinn. Der Komponist hat Bibelverse zum Thema Tod und Ewigkeit zusammengestellt und zu einer sehr persönlichen Bekenntnismusik verarbeitet. Die Erfahrungen mit Barockmusik kamen dem Bach- und dem Cäcilien-Chor zugute. Die Klarheit ihrer Bach-Interpretationen vereinte sich mit der organischen Musizierhaltung des 19. Jahrhunderts.

Die Choristen überzeugten in den andachtsvollen Ecksätzen mit rundem Klangbild. Die kontrapunktischen Schlussteile des zweiten, dritten und vorletzten Satzes, wo Brahms sich dem Bach-Stil am meisten annähert, trugen die Sängerinnen und Sänger profiliert vor. Klanglich satt und edel präsentierten sich insbesondere die Altistinnen. Kompakt war der Forte-Gesamtklang, insbesondere an der Stelle: „Denn alles Fleisch – es ist wie Gras“. Den herben Aussagen über die Vergänglichkeit alles Seins stellte Gesangssolistin Christina Kühne tröstliche Worte gegenüber. Die lyrische Sopranistin aus Köln brachte vor allem in der Höhe ihre Stimme zum Leuchten. In der Mittellage wäre ein bisschen weniger Vibrato besser gewesen.

Spätwerk in Orchesterfassung

Fulminant war Hanno Müller-Brachmann. Technisch und musikalisch passte schlichtweg alles. Ausdrucksstark und sehr persönlich in der Interpretation, zeigte der Bassbariton aus Karlsruhe nicht nur beim Deutschen Requiem Klasse. Bereits zuvor hatte er Brahms‘ Vier ernste Gesänge mit ungemeiner Intensität vorgetragen. Das Spätwerk erklang in einer Orchesterfassung (sie stammt nicht von Brahms).

Sowohl hier in den ernsten Gesängen wie auch im Deutschen Requiem trafen die Musiker des Bachorchesters Würzburg genau jenen für Brahms so typischen Tonfall, der zwischen Romantik und Klassizismus die Waage hält. Hervorragend war die gesamte Bläser-Fraktion.

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