Würzburg

Bernd Glemser bietet große Kunst am Klavier

Bernd Glemser am Piano
Foto: Mainfranken Theater | Bernd Glemser am Piano

Ein ganz ein kleines Klavierkonzert mit einem ganz einem kleinen Scherzo habe er geschrieben, teilt Johannes Brahms seinerzeit seinen Freunden und Bekannten mit. Was der Komponist so neckisch untertreibt, ist der Höhepunkt des Abends, mit dem das Philharmonische Orchester Würzburg mit dem international gefragten Pianisten Bernd Glemser die Sinfoniekonzert-Saison in Würzburg eröffnet: das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 aus der Feder des in Hamburg geborenen und in Wien gestorbenen Hochromantikers.

Es dauert einige Takte, bis die Musiker unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Enrico Calesso den runden „Brahms-Klang“ finden. Beim Scherzo im zweiten Satz ist er beinahe da, wird von Minute zu Minute verwobener, im dritten und vierten Satz dann zum Träumen schön.

'Wie ein Medium

Nach den weichen Horntönen, mit denen das Klavierkonzert beginnt, antwortet Glemser wie ein Echo. Streicher und Holzbläser mischen sich dazu, bevor der Pianist voll in die Tasten greift und das gesamte Orchester zum Mitspiel herausfordert. Lebhaft und voller Kraft starten Musiker und Solist in ein Zwiegespräch, dem das Publikum im voll besetzten Großen Saal der Musikhochschule nahezu atemlos folgt.

Ein Füllhorn herrlicher Musik ergießt sich über sie, nicht zuletzt durch das magische Spiel des Solisten. Wenn der seine Finger laufen lässt, wenn Töne flirren, zart perlen, wenn er die Basslinie tupft oder traumverloren die Tasten streichelt, wirkt er wie ein Medium, durch das die Tonfolgen nur so fließen. Als sensibler Gegenspieler des Orchesters entfaltet Glemser einen Klangzauber, der elegisch und sinnlich Seelenzustände zum Schwingen bringt. Das ist große Kunst am Klavier.

Die Arbeit, die hinter dieser scheinbar mühelosen Leichtigkeit seines Spiels steckt, spürt man nicht, die Blicke zum Dirigenten sind dezent, während der gesamte Köper zu vibrieren scheint. Calesso zieht aus dem Orchester förmlich alles heraus, lockt, fordert, tänzelt vor seinen Musikern und bringt sie in einen berührenden Fluss, in dem kammermusikalisch intime Momente ebenso aufleuchten wie sich musikalische Impulse behaupten.

Begonnen hat der Abend mit einem musikalischen Gegenstück. Filigran, transzendent und mit schwebender Tiefe erklingt „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg in der Fassung für Streichorchester. Das in ungewohnte Tonsprache gefasste Gedicht von Richard Dehmel ist die Vorlage zu dieser Komposition. Es erzählt von zwei Menschen, die sich verbotenerweise in großer Liebe zugetan sind. Die Streicher geben ihre wechselnden Stimmungen, flirrende Erotik und die Erfüllung aller Sehnsüchte spannend wieder.

Dazu passend hat Bernd Glemser seine zu Herzen gehende, hoch emotional dargebotene Zugabe ausgewählt, mit der der Würzburger noch einmal sein außergewöhnliches Musikempfinden beweist und den musikalischen Kreis dieses Abends beschließt. „Leise flehen meine Lieder durch die Nacht zu Dir“ gibt er seinen begeisterten Zuhörern mit auf den Heimweg.

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