Würzburg

Brahms' unsterbliche Totenmesse

Das Vocalensemble Würzburg stellte das großflächige "Deutsche Requiem" nebenLutoslawskis „Musique funèbre“. 200 Mitwirkende sorgten für ein beeindruckendes Konzert.
Hoch hinaus ging es bei dem musikalischen Großprojekt mit dem Vocalensemble Würzburg sowie dem Chor und Orchester der  Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
Foto: Felix Röttger | Hoch hinaus ging es bei dem musikalischen Großprojekt mit dem Vocalensemble Würzburg sowie dem Chor und Orchester der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

An Selbstbewusstsein hat es Johannes Brahms nicht gefehlt, als er sein „Deutsches Requiem“ nach der zusätzlichen Fertigstellung einer vierhändigen Klavierfassung als „mein unsterbliches Werk“ charakterisierte. In der vollbesetzten Würzburger Johanniskirche brachte jetzt das Vocalensemble Würzburg zusammen mit dem Chor und dem Sinfonieorchester der Universität Bamberg unter der Leitung von Wilhelm Schmidts Brahms` Monumentalwerk zur Aufführung.

Mit fast 200 Mitwirkenden nahm der gewaltige Klangkörper mit der Sopranistin Marietta Zumbült und dem Bariton Albrecht Pöhl selbst die Zuhörer auf den hintersten Plätzen mitten hinein ins dramatische Geschehen. Vorher stellte Dirigent Wilhelm Schmidts Brahms' konfessionsübergreifendes Werk, das schon aufgrund der Orchesterbesetzung eher ein Oratorium als eine Totenmesse ist, in einen Dialog mit Witold Lutoslawskis „Musique funèbre“.

Stand bei Brahms´ Werk mit sieben Sätzen, das im Februar 1869 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wurde, der sorgsam mit jungen und reifen Stimmen austarierte Chorverbund im Vordergrund, lässt der polnische Komponist in seinem knapp viertelstündigen, 1958 uraufgeführten Meisterwerk ein vielfach aufgeteiltes Streichorchester mit großen dynamischen Steigerungen Trauer, dramatisches Aufbegehren und Verzweiflung ausdrücken. Schon die Widmung „Zum Gedenken an Béla Bartók“ verrät die Einflüsse des ungarischen Komponisten, erweitert durch melodisches Material aus der Schule Arnold Schönbergs.

Wohltuende Stille

Die Bamberger Streicher spielten expressiv und sehr präsent ein dicht gewobenes Werk, das die Zuhörer mit einem hauchzarten Solo-Violoncello zurückließ. Melancholisch durchwebt war der nahtlose Übergang zum Requiem, geprägt von der Gewissheit des vergänglichen Lebens und zugleich der Hoffnung auf Ewigkeit.

„Deutsch“ nannte Brahms sein Werk nicht wegen eines nationalistischen Hintergrundes, sondern wegen der deutschen Texte. Die archaisch klingenden Bibelzitate, ganz ohne Bezug zum lateinischen Requiem und der Liturgie, wurden sublimiert durch den von der Formstrenge der Klassik geprägten musikalischen Spannungsbogen, den Dirigent Wilhelm Schmidts mit den beiden Chören, dem Orchester und den textverständlich singenden Solisten im Spannungsfeld zwischen Leid und Trost bis zu einem finalen Pianissimo nie abreißen ließ.

Einer wohltuend langen Stille ließen die Zuhörer prasselnden Applaus folgen. Brahms hatte mit seiner Vorahnung nicht übertrieben; sein Requiem stieß das Tor zum Weltruhm als Komponist weit auf.

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