PARIS

Der Asterix-Schöpfer jenseits des Lachens

Asterix-Schöpfer: Als wollte er hinter seinen Figuren verschwinden – über René Goscinnys Leben ist wenig bekannt. Eine Ausstellung beantwortet Fragen über den Comic-Autor.
Szenario zu „Asterix le Gaulois“ („Asterix der Gallier“) von 1961.
Foto: (c) Editions Albert-René / Anne Goscinny, Pret de l'institut René Goscinny | Szenario zu „Asterix le Gaulois“ („Asterix der Gallier“) von 1961.

Von Anfang an hatte er diesen unverkennbar liebevollen Humor und ein Faible für skurrile Figuren. Früh vorhanden war auch René Goscinnys ironischer Blick auf die Welt und die Menschen, auf ihre Stärken und Schwächen. Schon als Jugendlicher und bevor er als Comic-Autor Asterix, Umpah-Pah und Lucky Luke erschuf, zeichnete er mit feinem Pinselstrich, erfand Geschichten, Figuren, Szenarien. Und das nicht nur, um die Leser zu amüsieren. Seine Parodien hielten ihnen auch einen Spiegel vor.

„René Goscinny jenseits des Lachens“ („René Goscinny au-dela du rire“) heißt deshalb die Ausstellung, die ihm derzeit das Pariser Museum für Kunst und Geschichte des Judentums anlässlich seines 40. Todestages widmet. Parallel zu einer weiteren Schau in der französischen Cinemathek skizziert diese Retrospektive Goscinnys Leben, Familiengeschichte und sein Werk nach.

Die berühmten Helden

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den berühmtesten Helden, Asterix und Obelix, und der Zusammenarbeit mit deren Co-Schöpfer, dem Zeichner Albert Uderzo. Auch Objekte wie seine Schreibmaschine sind ausgestellt – unerlässliches Handwerkszeug für sein fantasievolles Werk. Mit 500 Millionen verkauften Büchern und Comic-Alben, die in 150 Sprachen übersetzt wurden, und 100 Kino-Verfilmungen gehört Goscinny zu den erfolgreichsten französischen Autoren überhaupt. Doch über sein Leben ist wenig bekannt, schien er doch stets hinter seinen Helden zu verschwinden.

Geboren in Paris als Sohn von kurz zuvor eingebürgerten Juden mit Wurzeln in Polen und der Ukraine kam René Goscinny als Zweijähriger nach Buenos Aires, wo sein Vater eine Stelle als Ingenieur gefunden hatte. In der französischen Schule fiel er durch sein Zeichen- und Schreibtalent auf, fertigte Karikaturen an und hoffte, eines Tages für Walt Disney zu arbeiten.

Buchhalter in der Reifenfabrik

Klassenfotos zeigen einen Jungen mit jenem verschmitzten Lächeln, das er sich auch als Erwachsener bewahren sollte. Die Sorge um die Verwandten in Europa während der Nazi-Herrschaft, die teilweise im Holocaust umkamen, verarbeitete er in spöttischen Abbildungen von Hitler oder der „Familie Müller“ als typischer deutscher Mitläufer-Familie.

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1943 musste Goscinny Geld verdienen – aus war der Traum von der Kunsthochschule. Er arbeitete als Buchhalter in einer Reifenfabrik, bis er als Zeichner in einer Werbeagentur angestellt wurde. 1945 ging er mit seiner Mutter nach New York, wo er – nach der zwischenzeitlichen Absolvierung des Militärdienstes in Frankreich – mehr schlecht als recht als Illustrator von Kinderbüchern lebte.

Doch er machte entscheidende Begegnungen, wie jene mit Morris (Maurice de Bévere). Für dessen Zeichnungen des einsamen Cowboys Lucky Luke verfasste Goscinny ab 1955 die Texte. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits in Frankreich und arbeitete als Illustrator mit wachsendem Erfolg für Magazine, bis er sich ganz auf das Schreiben von Geschichten verlegte. Der Durchbruch gelang mit Asterix – jener Parodie auf die klassische Darstellung der französischen Geschichte. Zwischen 1959 und 1977, Goscinnys Todesjahr, fertigten er und Uderzo 24 Alben an. Über lange Gänge hinweg zeigt die Ausstellung Original-Skizzen. Figuren in Riesengröße lassen in die Welt der mutigen Gallier eintauchen.

Daneben arbeitete er mit anderen Zeichnern an Comicserien für Magazine, veröffentlichte Episoden von „Der kleine Nick“, illustriert vom Zeichner Jean-Jacques Sempé; auch hiervon sind Exemplare ausgestellt. Diese erschienen später auch in der Wochenzeitschrift „Pilote“, die Goscinny mitbegründete und jahrelang als Chefredakteur leitete.

„Alle Register des Humors“

Später eröffnete er das Studio Idéfix („idée fixe“ ist französisch für „fixe Idee“) zur Produktion von Asterix- und Lucky Luke-Zeichentrickfilmen. Seine Schaffenskraft war längst nicht abgeflaut, als Goscinny im November 1977 an einem Herzinfarkt starb, seine Frau Gilberte und Tochter Anne zurückließ. Diese verwaltet sein Werk und ist auch an dem von Uderzo gegründeten Verlag „Les Editions Albert René“ beteiligt.

Goscinny habe, so sagt es Ausstellungskuratorin Anne Hélene Hoog, „alle Register des Humors erkundet: die Situationskomik, das Spiel mit der Sprache, Kalauer. Für jeden ist etwas dabei“. Die Erfahrungen aus dem argentinischen und US-amerikanischen Exil vermischten sich mit französischer Tradition, stete Inspirationsquellen waren immer Geschichte, Sprache und die Kindheit. Das mag erklären, warum er Kinder ebenso anzusprechen wusste wie das Kind im Erwachsenen.

Ausstellungen

„René Goscinny au-dela du rire“ im Musée d?Art et d?Histoire du Judaisme“ bis 4. März 2018. Adresse: 71, rue du Temple, 75003 Paris. Montags geschlossen. www.mahj.org

„Goscinny et le cinéma – Astérix, Lucky Luke & Cie“ in der Cinématheque française“ kann ebenfalls bis 4. März 2018 besichtigt werden. Adresse: 51 rue de Bercy, 75012 Paris. Metro Bercy. Dienstags geschlossen. www.cinematheque.fr

René Goscinny
Foto: copyrights!!! | René Goscinny
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