WÜRZBURG/CASTEL GANDOLFO

Dommusik: Würzburgs Geschenk für Papst Benedikt

Die Würzburger Dommusik führt „Augustinus“ auf – in einer leicht entschärften Textfassung.
Castel Gandolfo: Hier, in der Sommerresidenz des Papstes, wird die Würzburger Dommusik vor dem Papst spielen.
Foto: dpa, Dommusik, WB | Castel Gandolfo: Hier, in der Sommerresidenz des Papstes, wird die Würzburger Dommusik vor dem Papst spielen.

Schlaflose Nächte? Nein, sagt Martin Berger, die habe er nicht. Dabei hätte der Würzburger Domkapellmeister durchaus Grund, nervös zu sein: Am 26. September wird er die Aufführung der Kirchenoper „Augustinus“ vor Benedikt XVI. leiten. Ein prominenterer Zuhörer lässt sich kaum vorstellen. „Wir versuchen, bei allen unseren Aufführungen so gut wie möglich zu sein“, sagt Berger. Das sei beim Konzert in Castel Gandolfo, der Sommerresidenz des Papstes, nicht anders. Konzentriert sei er und fokussiert. Zur Vorbereitung habe er sich eine Woche mit der Partitur ins Kloster Münsterschwarzach zurückgezogen. „Früher, als Organist, war ich wesentlich nervöser“, erinnert sich der 40-Jährige.

Die Aufführung der Kirchenoper ist als – nachträgliches – Geburtstagsgeschenk der Diözese Würzburg für Benedikt gedacht. Der Papst war am 16. April 85 Jahre alt geworden. Dass ein Ensemble aus Würzburg überhaupt vor dem Pontifex auftreten kann, ist den offenbar guten Beziehungen zu danken, die vom Main an den Tiber reichen. Winfried Böhm, der den „Augustinus“-Text verfasst hat, hatte schon vor Jahren im Vatikan vorgefühlt. Auch Bischof Friedhelm Hofmann hatte seine Fühler ausgestreckt. Beim Neujahrsempfang der Diözese wurde darüber gesprochen, und ein paar Monate später war die Sache dann klar: Der „Augustinus“ kann vor dem Papst aufgeführt werden.

Für Berger ein Glücksfall. Ist der Domkapellmeister doch stets um die Förderung aktueller Kirchenmusik bemüht („wir können nicht nur Epigonales aufführen“). Die Komposition von Wilfried Hiller – uraufgeführt 2005 – ist eine Art Zwitter zwischen Oratorium und Oper. Um Wirkung zu erzielen, setzt der Münchner exotische Instrumente ein. Gespielt wird unter anderem auf 60 Weingläsern, mit Holzzungen-Rührtrommeln, Schellenbaum und Buckelgong. Das macht auch logistische Probleme. „Man kann diese Instrumente nicht in Rom zusammensuchen“, sagt Berger. Also müssen sie per Lkw von Würzburg in die Ewige Stadt verfrachtet werden. Kammerchor (40 Sängerinnen und Sänger), Musiker und Solisten folgen mit dem Flugzeug nach.

Die halbszenische Form des Hiller/Böhm-Opus verlangt nach einem speziellen Raumkonzept. Bei der Würzburger Aufführung 2006 waren Instrumentalisten und Teile des Chores auf der Empore der Augustinerkirche platziert. Das versetzte die Zuhörer mitten hinein ins Geschehen. In Castel Gandolfo gibt es keine Empore. Stattdessen wird eine kleine zusätzliche Bühne im Rücken der Zuhörer errichtet. Berger hat, um das spezielle Konzept umsetzen zu können, die Örtlichkeit besichtigt. Gespielt wird im Innenhof des Palazzos, dessen Ursprünge in die Zeit von Kaiser Domitian zurückreichen. 75 Minuten Zeit haben die Würzburger. Genug für eine ungekürzte Aufführung. Das Protokoll sieht zudem eine Begrüßung und Dankesworte des Papstes vor. Vor dem Privatkonzert für den Papst wird das Werk am 23. September in der Würzburger Adalbero-Kirche, zwei Tage später in San Ignazio zu Rom beim Augustinus-Symposium gezeigt. Solisten sind die Sopranistinnen Anke Endres (bekannt unter anderem aus dem Mainfranken Theater) und Maria Bernius (Stimmbildnerin bei der Dommusik) sowie Jaromir Müller. Der kommt von den Domsingknaben und übernimmt die Partie des Augustinus-Sohnes Adeodatus.

„Augustinus“ – Untertitel „Ein klingendes Mosaik“ – erzählt in sieben Szenen vom Leben und Denken des Kirchenvaters (354 bis 430). Augustinus selbst kommt als Figur nicht vor. Er wird in den Reflexionen seiner Mitmenschen lebendig. Die Idee zur Kirchenoper kam von dem heute 75-jährigen Würzburger Winfried Böhm. Der international renommierte, emeritierte Pädagogik-Professor ist in seinem Libretto stellenweise nicht zimperlich. Die erste Szene schildert eine heidnische Götzenverehrung. Da geht's im Text (und auch in der Musik) wild zu. Böhm hat ein paar drastische Wörter eingebaut. Das macht Sinn: Es kontrastiert die heidnische Welt mit der Sphäre des Heiligen.

Für die Aufführungen in Rom wurde der Text leicht entschärft. Die Änderungen wurden, so Böhm, nicht etwa vom Vatikan gewünscht. Und auch der Papst, ein Augustinus-Kenner – Joseph Ratzinger hat über den Kirchenvater promoviert –, hätte sich wohl nicht daran gestört, glaubt Winfried Böhm. Doch die Bistumsleitung ist der Meinung, man müsse auf das Umfeld Rücksicht nehmen, in dem man ein Werk aufführt. Und das ist hier die Kurie. Angemessene Textveränderungen seien angebracht. Die wurden bei einem Treffen mit Winfried Böhm vorgenommen. Ein paar Wörter wurden geändert. Aus der „Wollust“ beispielsweise wurde „Liebe“. Böhm äußert Verständnis dafür. Findet die Textänderungen dennoch „ein bisschen übervorsichtig“.

Karten für die „Augustinus“-Aufführung am 23. September, 17 Uhr, in der Würzburger Adalbero-Kirche gibt es nur an der Abendkasse.

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