Exklusiv-Interview mit Jürgen Drews: Des Königs von Mallorca kleine Rebellion

Jürgen Drews mit der Les Humphries Singers Reunion und als gekröntes Haupt.
Foto: FOTOs dpa, MA | Jürgen Drews mit der Les Humphries Singers Reunion und als gekröntes Haupt.

Jürgen Drews war einer der „Lümmel von der ersten Bank“, besang „Ein Bett im Kornfeld“, ist seit einem Jahrzehnt der von Thomas Gottschalk ernannte „König von Mallorca“ und noch viel länger Stammgast auf dem Medienboulevard. Der Mann macht nur ungern feste Interviewtermine aus. Man solle es doch bitte einfach häufiger probieren, und mit ein wenig Geduld bekommt man ihn auch ans Handy: auf einem Kreuzfahrtschiff, das in Mallorcas Hafen ankert. Das Vorhaben: mit Stichworten Drews Schlagfertigkeit testen. Das Ergebnis: seine Geistesblitze über Alter, Liften, die Bild-Zeitung und einiges mehr.

Frage: Herr Drews, ich würde gern ein Spiel mit Ihnen spielen: Ich gebe Ihnen Stichworte vor, und Sie sagen mir, was Ihnen dazu in den Sinn kommt. Okay?

Jürgen Drews: Weißt Du, ich bin hier gerade auf der Aida und . . . (Er fragt jemanden dort: „Wissen Sie, wo hier das Sushi-Lokal is'?“) . . . also, schieß los.

Berufsjugendlicher.

Drews: Ich bin zwar einer, der im biblischen Alter noch auf der Bühne steht, der sich aber nicht als Berufsjugendlicher geriert, dennoch relativ juvenil rüberkommt. Meine Musik macht den Jugendlichen Spaß. Sonst würde ich doch gar nicht mit Dir telefonieren von da, wo ich jetzt bin: auf der Aida. Wenn dieses Schiff gestern nicht getauft worden wäre . . . Die haben halt gesagt: Ohne den König von Mallorca geht es nicht. (Er hat offensichtlich das Sushi-Lokal gefunden, lacht und sagt: „Setzt Euch schon mal, ich komm gleich, ich mach' nur noch schnell das Interview.“) Und da freue ich mich jetzt auch drauf, ein paar Tage auf See, mit der Großfamilie, Frau, Kind, Schwiegermutter, Schwiegervater.

Alter.

Drews: Eines wirst Du von mir nicht hören: „Ich möchte keinen Tag jünger sein, als ich bin.“ Bullshit! Ich würde gern mein Leben mal 20 oder 25 Jahre zurückschrauben. Du kommst dem finalen Ende immer näher. Mein Vater, der war Arzt, hat gesagt: Mach alles, aber mach es mit Maßen. Und: Carpe Diem. Genieße das Leben. Summa summarum: Eigentlich scheißegal, was Du machst – mach's bloß nicht im Übermaß.

Party-Heesters.

Drews: Würde ich gerne werden, klar, wer will das nicht? Willst Du nicht ein journalistischer Heesters werden und immer schreiben und dem Drews Fragen stellen?

Na ja. Ich könnte mir vorstellen, im Rentenalter was anderes zu machen . . .

Drews: Du vielleicht. Beileid. Hoffentlich kriegst Du dann nicht ganz schnell 'nen Herzinfarkt. (Er lacht und sagt neben das Handy: „Ich komme gleich.“) Mein Job und mein Hobby ist Musik. Ich komponiere einen „Flop“ nach dem anderen. Wenn Du kreativ bist, hast Du ja nur mit 0,05 Prozent Erfolg, das ist normal. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber Musik macht so einen tierischen Spaß. Musik und meine Familie . . . Früher war's ja die holde Weiblichkeit, pauschal . . . „Hast Du immer mit derselben gepennt, gehörst Du zum Establishment.“ So bin ich aufgewachsen, das habe ich zwar nicht ausgenutzt als schüchterner Keks, der ich war. Ich war ja ein ganz verklemmter, fürchterlich obstinater, renitenter, beratungsresistenter Typ. Aber jetzt hat sich das bei mir ja auf eine Frau konzentriert, auf die Ramona, und das ist die schärfste Frau der Welt.

Liften.

Drews: Jederzeit gerne. Aber nur dann, wenn ich es für wert erachte. Ich habe meinen Eltern immer angekündigt: Wenn ich mal Geld verdienen sollte, werde ich mir die ungleichen Wangenknochen egalisieren lassen. Kalziummangel, der eine war größer, der andere kleiner und relativ weit abstehend. In der Schule wurde ich immer gehänselt, auch von Lehrkörpern, da war ich richtig neurotisch. Ich habe das dann auch richten lassen und habe es nie bereut.

Und was ist mit Ihrem laut Bild-Zeitung gelifteten Allerwertesten? Ein PR-Gag?

Drews: Das war kein PR-Gag. Ich hätte klagen können, und sie wussten, dass ich das tun würde. Ich sage Dir das jetzt nur zum Schluss . . . (Er ruft: „Ich bin gleich da.“) Also ich habe denen gesagt: Ich bin der kleine, bekloppte Jürgen Drews, das weiß ich. Ihr könnt mich in Grund und Boden schreiben, das weiß ich auch. Aber das lasse ich mir nicht gefallen. Es gibt noch eine Alternative für Euch: Wir machen eine richtig geile Geschichte draus. Ich habe gesagt: Ich lege mich auf einen OP-Tisch Eurer Wahl, wo Ihr genau wisst: Den Arzt kenne ich nicht. Ich zeige dem meinen Allerwertesten, und der schwört beim Eid des Hippokrates, dass er nicht geliftet ist. Und das haben die dann hinten unterm Knick auch so geschrieben, die ganze untere Rubrik, die immer gelesen wird: Dass das alles eben nicht stimmt, aber auf lustig. Und das sage ich jetzt auch Dir: Wenn Du das behauptest, gibt's sofort eine EV.

Eine was?

Drews: Eine Einstweilige Verfügung. Sogenannt kannst Du schreiben, kein Problem. Ist alles nur Promotion. Aber wenn einer schreibt: „Drews hat einen gelifteten Hintern“ – zack, sofort Gegendarstellung. (Er spricht neben das Handy: „Gleich Schatz, lass mich nur schnell das Interview fertig machen.“)

Gleich sind Sie erlöst. Selbstzweifel.

Drews: Ohne Ende. Ich sag' heute noch: Ich bin alt, kann nix, bin nix. Mittlerweile erscheint das für viele vielleicht als Kokettieren, ich habe das immer so gemeint. Eigentlich bin ich für den Job nicht geeignet.

Les Humphries Singers.

Drews: Der Richtungsgeber meines Lebens. Ohne Les Humphries wäre ich definitiv nicht im Musikgeschäft gelandet. Ich habe vor zweieinhalb Jahren „Mexico“ neu aufgenommen, ohne überhaupt an eine Reunion der Humphries Singers zu denken, einfach als Hommage an Les Humphries, als Dankeschön. Und ich hatte einen zweiten Hintergedanken: Wenn ich bei meinen Konzerten mal (beginnt zu singen) „Mamama Mamamalou“ skandiert habe, mehr hab' ich früher auch nicht gemacht, vor Jahrzehnten, ich kann ja schon in Jahrzehnten reden, und wenn ich gefragt habe: Kann sich noch einer erinnern, wer das war? Dann wusste das von den Jugendlichen keiner mehr. (Er ruft: „Ich komm jetzt.“) Ich habe eine Vergangenheit aus den Siebzigern, aus der Flower-Power-Zeit. Anti-Establishment. Protest auf der Bühne. Gegen alles Verkrustete, Altherkömmliche. Ich war ja kein politischer Mensch im Sinne der 68er-Bewegung. Da war ich viel zu schüchtern und verklemmt. Aber das war meine kleine Rebellion.

Dankeschön. Schönen Urlaub. Und guten Appetit.

Drews: Danke. Wir haben gerade eine Riesen-Sushi-Platte bekommen. Schaut toll aus. Das nächste Interview machen wir bei Sushi, ja?

Zur Person

Jürgen Drews Der Sänger Jürgen Ludwig Drews, geboren am 2. April 1945 in Nauen bei Berlin, studierte vier Semester Medizin in Kiel, brach dies zugunsten der Musik jedoch ab. In den frühen 70ern stieg er bei den „Les Humphries Singers“ ein. In den 80ern wurde es ruhig um ihn, in den 90ern gelang ihm ein Comeback als „König von Mallorca“. 2007 hat sich Drews mit Ex-Kollegen der Les Humphries Singers zu Les Humphries Singers Reunion zusammengeschlossen. Gestern, Freitag, 8. Mai, kam deren neues Album, „Back In Time“, mit Neuaufnahmen alter Hits in den Handel.

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