Würzburg

"Garten der Lüste": Magische Händel-Oper in der Blauen Halle

Magierin liebt Held, Held liebt Sterbliche, Magierin ist sauer: Mit einer spektakulären Barockoper ist das Mainfranken Theater in die Musiktheater-Saison gestartet.
Zum Schluss kriegen sie sich. Natürlich. Rinaldo (Marzia Marzo) und Silke Evers (Almirena).
Foto: Daniel Peter | Zum Schluss kriegen sie sich. Natürlich. Rinaldo (Marzia Marzo) und Silke Evers (Almirena).
  • Was ist das für ein Stück? "Garten der Lüste" ist ein Zusammenschnitt der Händel-Oper "Rinaldo" mit allem Drum und Dran: Aufwändige Kostüme, magisches Licht und dramatische Barockmusik.
  • Worum geht's? Die Zauberin Armida liebt den Helden Rinaldo. Doch der liebt Almirena. Armida versucht deshalb, die beiden mit allerhand Gemeinheiten auseinander zu bringen, doch zum Schluss siegt, natürlich, das Gute.
  • Lohnt es sich, hinzugehen? Absolut: Einsteiger bekommen hier einen guten Eindruck, was Oper alles kann. Kenner werden sich an schönen Stimmen und berühmten Arien erfreuen.

Zu Händels Zeiten, also an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, war es absolut üblich, Stücke mehrfach umzuarbeiten, neu zusammenzustellen, den jeweiligen Anlässen anzupassen. Es heißt, Bach habe seine Kantaten immer passend zu den Musikern instrumentiert, die ihm im entsprechenden Gottesdienst zur Verfügung stehen würden. Die eine zertifizierte, unantastbare Fassung etwa einer Oper gab es nicht.

So ist die coronakonforme, 85-minütige, einaktige Bearbeitung von Händels Erfolgsoper "Rinaldo" unter dem Titel "Garten der Lüste" des Mainfranken Theaters für die Theaterfabrik Blaue Halle ein sehr barocker Vorgang. Regisseur Andreas Wiedermann, Operndirektor Berthold Warnecke und Generalmusikdirektor Enrico Calesso haben die hochkomplizierte Zauberhandlung zu einem romantischen Thriller im Kinoformat verdichtet, den Aylin Kaip (Bühne und Kostüme) in einem magischen Garten mit verschiebbaren, bei Bedarf halbtransparenten Hecken (Licht: Mariella von Vequel-Westernach) ansiedelt.

Die goldfarbenen, überzeichneten und spektakulär verfremdeten Barockkostüme, die geometrisch abgezirkelten Laufwege, die pandemiebedingt eingehaltenen Abstände schaffen eine eigenartige Verbindung zwischen formaler Strenge und emotionaler Dramatik. Vor allem aber bereiten sie bei aller optischer Opulenz der Musik das Feld. Wie sich herausstellt, ist die Halle auch für Musik ausgezeichnet geeignet. Das Orchester im Bühnenhintergrund unter der Leitung von Enrico Calesso ist stets präsent, der Klang warm und transparent. Die gelegentlichen Wackler in der Premiere am Samstag werden sich im Laufe der weiteren Vorstellungen mit Sicherheit geben – das Fundament für präzises, swingendes Musizieren ist gelegt.

Zum Schluss muss dann doch wieder der Theatergott eingreifen

Auch die Stimmen kommen gut zur Geltung – vorausgesetzt, es wird in Richtung Publikum gesungen. Seitlich hingegen bietet diese Bühne keine klangliche Unterstützung. Guibee Yang (als Gast, alternierend mit Akiho Tsujii) gibt mit stählernen Koloraturen eine furchterregende Zauberin Armida, die durchaus ihre lyrischen Momente hat. Marzia Marzo in einer Hosenrolle, die einst Kastraten sangen, ist ein eher ruhiger Held Rinaldo. Ihr reizvoll dunkler Mezzo kann erst in der Arie "Cara sposa" ("Geliebte Freundin") seinen Zauber entfalten, als Rinaldo Almirena anfleht, zu ihm zurückzukehren. Silke Evers als Almirena wiederum hat mit Händels möglicherweise größtem Arien-Hit "Lascia ch'io pianga" ("Lass mich beweinen") den anrührendsten Moment der ganzen Oper.

Happy End mit (von links) Guibee Yang, Silke Evers, Marzia Marzo, Kosma Ranuer, Mathew Habib und Roberto Ortiz.
Foto: Daniel Peter | Happy End mit (von links) Guibee Yang, Silke Evers, Marzia Marzo, Kosma Ranuer, Mathew Habib und Roberto Ortiz.

Alle anderen sind im Grunde edles Beiwerk: die leicht schussligen Sirenen (Mathew Habib, Igor Tsarkov), der rüstige Hagestolz Goffredo (Roberto Ortiz), der verwegen verliebte Argante (Hinrich Horn mit berückend freiem Bariton, alternierend mit Kosma Ranuer) und der Magier (Barbara Schöller), der mit Einstein-Mähne und -Schnurrbart zum Schluss die Bombe zündet, die alle Handlungsknoten sprengt.

Nur wenige komische Akzente im "Garten der Lüste"

Regisseur Andreas Wiedermann bricht die leicht beklemmende Atmosphäre dieser Zauberwelt nur mit wenigen komischen Akzenten. So behält dieser "Garten der Lüste" seine magische Kraft. Gewöhnliche Sterbliche haben hier wenig zu melden, und doch siegt zum Schluss, angeblich, die Tugend. Dies allerdings nicht aus eigener Kraft, sondern, indem sie den berühmten Deus ex machina, den alles richtenden Theatergott, in Form des Magiers auf den Plan ruft. Im echten Leben, namentlich in bewegten Zeiten wie diesen, ist mit derlei Lösungen weiterhin nicht zu rechnen. 

"Garten der Lüste", Einakter nach der Oper "Rinaldo" von Georg Friedrich Händel. Regie: Andreas Wiedermann. 85 Minuten, keine Pause. Theaterfabrik Blaue Halle, Dürrbachau. Parkplätze vor Ort. Weitere Vorstellungen: 15., 16., 18., 20., 31. Oktober
Anfahrt: Kostenloser Bus-Shuttle-Service vom Bussteig A des Würzburger Busbahnhofs 60 und 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Im Anschluss an die Vorstellung Rückfahrt zum Busbahnhof.
Karten: Im Webshop bis eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn unter mainfrankentheater.de. Und an der Theaterkasse im Falkenhaus Würzburg am Oberen Markt, Tel. (0931) 3908-124, karten@mainfrankentheater.de

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