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HAMBURG: Gerhard Richter schärft den Blick durch Unschärfe

HAMBURG

Gerhard Richter schärft den Blick durch Unschärfe

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    Gerhard Richter
    Gerhard Richter Foto: Foto: dpa

    (dpa) Die großformatigen Gemälde nach Fotografien haben seinen Ruhm mitbegründet: Ein Jahr vor Gerhard Richters 80. Geburtstag präsentiert das Bucerius Kunst Forum in Hamburg 50 Werke des Starkünstlers aus deutschen und internationalen Sammlungen. Einen Höhepunkt der Schau bildet der Zyklus „18. Oktober 1977“ aus dem Museum of Modern Art in New York, der an die traumatischen Ereignisse des Deutschen Herbstes erinnert.

    Richter habe sich persönlich beim MoMA dafür eingesetzt, „dass wir die Bilder hierher bekommen“, erzählte Kurator Uwe M. Schneede, der frühere Direktor der Hamburger Kunsthalle. Ein großer Teil der Ausstellung ist Richters frühen Arbeiten aus den sechziger Jahren gewidmet – der in Dresden geborene Künstler war 1961 in den Westen übergesiedelt. Für die großformatigen, verwischten Gemälde nach Fotos isolierte er Motive aus den Bildstrecken von Magazinen. „Diese Gemälde sind auf eine unerklärliche Weise beunruhigend“, erklärt Schneede. Sie zeigten den Moment eines Geschehens, das aber rätselhaft bleibe.

    In einem zweiten Teil der Ausstellung wird der Zyklus „18. Oktober 1977“ zum Tod der RAF-Mitglieder präsentiert, mit dem Richter 1988 seine Werkgruppe der gemalten Fotos abschloss. Der Titel bezieht sich auf den Tag, an dem die RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe tot im Gefängnis Stuttgart-Stammheim gefunden wurden. „Gerhard Richter. Bilder einer Epoche“ ist noch bis zum 15. Mai zu sehen.

    Die erste Richter-Schau in Hamburg überhaupt eröffnet einen internationalen Ausstellungsreigen zum 80. Geburtstag des Künstlers im Februar 2012. Dazu gehört die Retrospektive im Herbst in der Tate Gallery in London, im Centre Pompidou in Paris und der Nationalgalerie in Berlin. In der Hamburger Kunsthalle läuft ab kommender Woche außerdem „Unscharf nach Gerhard Richter“. Dabei wird anhand ausgewählter Gemälde, Fotos und eines Films gezeigt, wie sich das Stilmittel der Unschärfe durch das Schaffen des Künstlers zieht. Richter schärfte so auch den Blick auf politische Ereignisse wie die Ermordung des US-Präsidenten Kennedy oder die Aufrüstung der NATO. Er griff zudem Wunschbilder auf, bearbeitete Werbemotive wie schnelle Autos („Zwei Fiat“, 1965) oder exotische Reiseziele („Ägyptische Landschaft“, 1964).

    Der vielfältige Ausnahmekünstler verwendete Fotos und Illustrierten-Abbildungen, „weil es das Unkünstlichste war, das ich greifen konnte“. Denn, so Richter 1978: „Ich wollte Bilder malen, die überhaupt nichts mit Kunst zu tun hatten, dafür nahm ich Fotografien.“

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