WÜRZBURG

Hip-Hop mit Priestern

Sie sind echt. Die Priester betonen das in jedem ihrer erfolgreichen Konzerte, mit denen sie seit Oktober durch deutsche Kirchen touren. Als in die Jahre gekommene klerikale „Boygroup“ singen sie sich in Herzen und Gemüter. Die Johanniskirche ist voll besetzt, als die drei Gottesmänner den Altarraum unter der übergroßen Christusfigur betreten. Auch in Würzburg verkünden Die geistlichen Popstars auf ihre ganz spezielle Weise mit Singen, Lachen, Zitaten und Predigten das Wort Gottes. Dazu bringen sie alte Gesänge in neuen Arrangements, Pop-Songs, Schlager, Worte aus Psalmen, Verse von Khalil Gibran, einen irischen Segensspruch und auch eigene Gedanken zu Gehör.

Ob man ihren Auftritt Konzert nennen kann? Obwohl eine Begleitband – die Keyboarderin Olga aus Minsk, die Schlagzeugerin Karola aus München, die Geigerin Nadine aus Berlin, der Cellist Soni aus Kambodscha und der Mannheimer Stefan am E-Piano – den tönenden Boden bereitet, auf dem sich Pop und Hip-Hop entfalten können, machen sich im Kirchenraum spirituelle Momente breit.

Die Drei haben keine Kunststimmen. Sie sind Sänger ohne Anspruch auf klassisches Niveau, heben sich trotzdem sicher und melodisch hervor. Das fromme „Heilig heilig heilig“ aus Schuberts Deutscher Messe, Xavier Naidoos „Dieser Weg“ oder „Cantare jubilare“, in dem Smetanas „Moldau“ mitschwingt, bescheren neuartige Hörerlebnisse. Zwei Background-Sängerinnen mischen mit, wenn Mönche und Pfarrer ihre Freude an Leben und Glauben verkünden und das Publikum zum Mitsingen animieren.

Als Sänger und Männer sind sie perfekt aufeinander abgestimmt. Abt Rhabanus Petri mit Ring und Kreuz vom Kloster Schweiklberg bei Vilshofen deckt die väterliche Rolle ab. Er begrüßt, spricht von Windhauch und Wärme und erwünscht den Funken, der überspringen und den „Spiritus Dei“ erglühen lassen soll. Das gelingt. Pater Vianney Meister im schwarzen Habit der Benediktiner vom Kloster St. Ottilien setzt feine Zeichen gregorianischen Dirigats, Andreas Schätzle in der Soutane des Pfarrers aus Wien nimmt die Gitarre und beschwört tänzelnd die Wunder der Liebe. Puristen werden von einem zwar weich gespülten, aber innig interpretierten „Ave Maria“ nicht angesprochen sein, werden das immer wieder ähnlich hörbare Schlagwerk bisweilen störend empfinden, doch in den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ fügen sich die Hip-Hop-Beats perfekt. Am Ende die „Ode an die Freude“, mit Inbrunst interpretiert und jubelndem Beifall kommentiert.

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