Bad Kissingen

Kissinger Sommer: Die Damrau und die Bamberger springen ein

Nach einem Jahr Komplettausfall geht der Kissinger Sommer 2021 wieder an den Start. Intendant Tilman Schlömp stellt Highlights vor und sagt, was er von seinem Nachfolger hält.
Dank der Absage der englischen Orchester kommen die Gäste des Kissinger Sommers in den Genuss eines Recitals mit Weltstar Diana Damrau.
Foto: Jiyang Chen | Dank der Absage der englischen Orchester kommen die Gäste des Kissinger Sommers in den Genuss eines Recitals mit Weltstar Diana Damrau.

"Sehr viel später hätte die Freigabe nicht kommen können", sagt Tilman Schlömp, der scheidende Intendant des Kissinger Sommers. "Irgendwann ist sonst die Möglichkeit vorbei, noch Publikum zu bekommen." Für die Ausgabe 2021 zeichnet Schlömp noch verantwortlich, unter Idealbedingungen hätte sie 52 Konzerte umfasst, so aber werden es ab 20. Juni 25. Immerhin, die Ausgabe 2020 war schließlich komplett ausgefallen.

Tilman Schlömp, der scheidende Intendant des Kissinger Sommers
Foto: Mathias Wiedemann | Tilman Schlömp, der scheidende Intendant des Kissinger Sommers

"Wir haben immer versucht, darauf hinzuplanen, dass Konzerte wieder möglich werden. Aber es war klar: Irgendwann im Mai muss die Entscheidung fallen", sagt Schlömp. Nun also steht das Programm. Die allermeisten Termine finden im Max-Littmann-Saal statt, in dem 350 von 1200 Plätzen belegt werden dürfen. Einzelne Programme finden wegen der Abstandsregelungen als Doppeltermin statt, andere mussten ersetzt oder geändert werden. Das ursprünglich geplante Motto „Fin de Siècle – Erinnerungen an eine Epoche“ spiegle sich immerhin noch in 14 der 25 Programme wider, so eine Mitteilung des Festivals.

Blick auf das späte 19. Jahrhundert und die Regierungszeit des Prinzregenten Luitpold

Hier werde der Blick auf die Musik des späten 19. Jahrhunderts und die Regierungszeit des Prinzregenten Luitpold gelenkt. In einigen Fällen musste das spätromantische Repertoire durch kleinere klassische Orchesterbesetzungen ersetzt werden, um die geforderten Abstände auf der Bühne einhalten zu können.

"Wir haben während des Wartens zunächst die Sachen geplant, die sich gut machen ließen. Also kleine Ensembles", sagt der Intendant. Die großen Orchestertermine, von denen man eben lange nicht wusste, ob sie würden stattfinden können, füllen danach sozusagen die Lücken. So kommt es im zweiten Jahr der Pandemie zu einer Kuriosität: Das Festival wird nicht mit einer opulenten Orchestergala eröffnet, sondern von einem Duo: Der Cellist Mischa Maisky und seine Tochter Lily spielen am 20. Juni kürzere Stücke von Beethoven über Rachmaninow bis Piazzolla.  

Bewährte Partner: der Geiger Frank Peter Zimmermann und die Bamberger Symphoniker
Foto: Ruppert | Bewährte Partner: der Geiger Frank Peter Zimmermann und die Bamberger Symphoniker

Gestrichen sind die Gastspiele des Royal Philharmonic Orchestra und des BBC Symphony Orchestra. "Ich stand alle paar Tage im Kontakt mit London, aber es hat einfach keine Reisefreigabe gegeben. Die Orchester hätten bei ihrer Rückkehr in Quarantäne gemusst, das wäre nicht denkbar gewesen", sagt der Intendant. Doch damit nicht genug: "Wir hätten auch noch PCR-Tests für alle Musikerinnen und Musiker bezahlen müssen, zu einem staatlich vorgegebenen Fantasiepreis von rund 200 Pfund pro Person." 

So musste unter anderem das Wochenende 2. bis 4. Juli neu gestaltet werden. Am 2. Juli spielt nun die Dresdner Philharmonie unter der Leitung von Lionel Bringuier mit dem Pianisten Kirill Gerstein das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, so dass die Festivalbesucher nun innerhalb weniger Tage in den Genuss beider Brahms-Klavierkonzerte kommen können: Am 25. Juni ist das erste Brahms-Konzert mit Igor Levit zu hören.

Auch das szenische Projekt "Fidelio" fiel der Pandemie zum Opfer 

Am 3. Juli konnte der Kissinger Sommer die weltweit gefeierte Sopranistin Diana Damrau für ein Recital gewinnen, auf dem Programm stehen Werke von Clara und Robert Schumann, spanische Lieder und Klavierlieder von Richard Strauss.  Am 4. Juli präsentieren die Bamberger Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Jakub Hruša zwei virtuose Solokonzerte von Sergei Prokofiew und Bohuslav Martinu. Solisten sind der Erste Preisträger des Kissinger KlavierOlymps 2020, Sergey Tanin, und der Geiger Frank Peter Zimmermann.

Ebenfalls der Pandemie zum Opfer fiel das szenische Projekt des Kissinger Zukunftslabors („Fidelio“), was Tilman Schlömp besonders schmerzt: "Darauf hatten wir und die Schulen uns schon sehr gefreut. Aber das war einfach nicht zu machen."

In seiner neuen Tätigkeit ist er sehr glücklich, sagt Tilman Schlömp 

Tilman Schlömp leitet seit Februar das Programm Landmusik des Deutschen Musikrats, das kreative musikalische Projekte im ländlichen Raum fördert. Er sei in der neuen Tätigkeit sehr glücklich, sagt er. "Ich bin jemand der gerne kreativ gestaltet, völlig unabhängig davon, wie die Rahmenbedingungen sind. Aber ich bin schon ein bisschen traurig, dass es mir in Bad Kissingen nicht gelungen ist, meine Programmatik so zu etablieren, dass ich die nötige Rückendeckung hatte."

Für seinen Nachfolger, der zuletzt als Direktor das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) leitete, hat er nur anerkennende Worte: "Ich kenne Alexander Steinbeis schon lange und schätze ihn sehr. Er hat ein unglaubliches Kunstverständnis und kann tolle Programme bauen."

Das komplette Programm steht auf der Homepage des Festivals: www.kissingersommer.de
Die rund 4800 Tickets von 10 bis 100 Euro sind über die Homepage, unter Tel. (0971) 8048-444 sowie unter kissingenticket@badkissingen.de bestellbar. Für Besucher aus Würzburg und Fulda bietet der Kissinger Sommer an mehreren Konzerttagen einen Shuttle-Bus an - Buchung beim Ticketkauf.

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