Meiningen

Meiningen: Der neue Intendant holt Markus Lüpertz für die "Bohème"

„Mutig, aber nicht zu mutig“: Der zukünftige Intendant Jens Neundorff von Enzberg und sein Team stellen das Programm der Spielzeit 2021/22 am Staatstheater Meiningen vor.
Jens Neundorff von Enzberg, der neue Intendant im Meininger Theater, das demnächst 'Staatstheater Meiningen' heißen wird. 
Foto: Michael Reichel, dpa | Jens Neundorff von Enzberg, der neue Intendant im Meininger Theater, das demnächst "Staatstheater Meiningen" heißen wird. 

Die Türen öffnen sich wieder. Der Saal des Meininger Theaters erstrahlt in alter Pracht. Ein weißgedeckter Tisch erstreckt sich quer über die Vorbühne. An ihm sitzen vier Herren und zwei Damen, eine weitere lächelt aus einem Bildschirm. Über den Köpfen schwebt ein großer Monitor. 

So sieht der Ausblick auf eine neue Epoche des Meininger Staatstheaters aus, das ab Herbst „Staatstheater Meiningen“ heißen wird: Das neue Leitungsteam stellt die Spielzeit 2021/22 vor, in virtueller Anwesenheit von Thüringens Kulturstaatssekretärin Tina Beer. Die Präsentation ist neu, das Prozedere altbekannt: Intendant und Spartenleiter stellen ihre Pläne vor und lassen für Augenblicke vergessen, dass nichts gesichert ist in diesen Zeiten. Sie würdigen das 16-jährige Wirken des scheidenden Intendanten Ansgar Haag, dem es wohl nicht vergönnt sein dürfte, die laufende Spielzeit in einer Art beschränkter Normalität zu Ende zu führen.

Größeres Gewicht für Kinder- und Jugendtheater

Was Jens Neundorff von Enzberg und sein Leitungsteam vorstellen, lässt erahnen, dass frischer Wind durch die Hallen ziehen wird, wenn die Lage im Lande das zulässt. Auch wenn der zukünftige Intendant die Experimentierfreude denn doch relativiert: „Mutig – aber nicht zu mutig“. Am auffälligsten ist das größere Gewicht, das auf Kinder- und Jugendtheater gelegt wird. Unter dem Dach „Junges Staatstheater“ vereinen sich künftig die Sparten Puppentheater, Junges Theater und Junge Musik. Die Spielorte sollen mehr als bisher den öffentlichen Raum einschließen.

Markus Lüpertz, hier bei einem Besuch im Schweinfurter Museum Georg Schäfer.
Foto: Martina Müller | Markus Lüpertz, hier bei einem Besuch im Schweinfurter Museum Georg Schäfer.

Neundorff von Enzberg – Doppelintendant in Meiningen und Eisenach und Operndirektor – wird selbst nicht Regie führen. Seine Karriere begann Anfang der 1990er Jahre als Dramaturg in Meiningen. Seit neun Jahren führt er das Theater Regensburg. Er scheint über ein Netzwerk nützlicher Kontakte zu verfügen. Wie lässt sich sonst erklären, dass einer der prominentesten deutschen Künstler der Gegenwart – der Neoexpressionist Markus Lüpertz (80) – in Meiningen sein erstes Stück inszenieren und ausstatten wird: Puccinis Oper „La Bohème“?

Verstärkte Zusammenarbeit mit dem Theater Schweinfurt

Der neue Spielplan hält auch sonst einige Überraschungen bereit. Junge Regisseure und Regisseurinnen, die bereits an großen Häusern reüssiert haben, etwa Julia Prechsl, die Schillers „Kabale und Liebe“ inszeniert (Premiere 25. März 2022). Auch renommierte Regisseure konnten gewonnen werden, Hinrich Horstkotte, zum Beispiel, für die Inszenierung von Händels Kammeroper „Amadigi di Gaula“ (17. September). Oder der in Paris lebende rumänische Regisseur Silviu Purcarete für Mozarts „Zauberflöte“ (17. Juni 2022). Oder der Komponist, Regisseur und Arrangeur Franz Wittenbrink mit der Uraufführung der Revue „Thüringer Spezialitäten“ (28. Januar). Oder der weltbekannte Hornist Radovan Vlatkovic als Solist im 7. Sinfoniekonzert (25. Mai).

Der Austausch zwischen den Theatern in Meiningen und Eisenach und zwischen den Sparten soll gefördert werden. Etwa zwischen Puppentheater (neue Leiterin: die junge Kora Tscherning) und Oper in Johann Christian Bachs „La clemenza di Scipione“ (16. Oktober). Oder zwischen Schauspiel (neuer Direktor: Frank Behnke vom Theater Münster), Jungem Theater und Bürgerbühne (Leiterin: Gabriela Gillert) als Reminiszenz an die einstige Kult-Disco „Diele“. „Wir träumten“, heißt der Arbeitstitel der Produktion (11. Juni).

Wann normaler Spielbetrieb möglich wird, weiß niemand

Weitere Planungen: Die deutschsprachige Erstaufführung von Tennessee Williams' Frühwerk „Auf der Flucht“ (11. Februar), mehrere Uraufführungen in den Sinfoniekonzerten, eine Jazzreihe. Mit dem Schweinfurter Theater möchte man verstärkt kooperieren, um mitzuhelfen, den dortigen Abonnentenstamm während der Sanierung des Hauses zu halten.

Wann in Meiningen zur alten Form des Spielbetriebs zurückgekehrt werden kann, weiß natürlich niemand. Die ersten Inszenierungen sind jedenfalls coronatauglich geplant. Zudem werden – neben den Wiederaufnahmen – auch die geprobten aber nicht aufgeführten Produktionen der jetzigen Spielzeit übernommen, etwa die Operette „Eine Nacht in Venedig“ (23. September). 

Die Spielzeitvorschau im Internet: www.staatstheater-meiningen.de – Der Spielzeitkatalog wird Anfang Juni erscheinen.

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