Schweinfurt

Politische Punk-Show voller Wut: Pussy Riot in Schweinfurt

Ihre Verhaftung und Verurteilung machte 2011 weltweit Schlagzeilen. Inzwischen ist die russische Punkband Pussy Riot mit einer eindringlichen Botschaft auf Tour.
Geballte Wut und Widerstandkraft: Pussy Riot gastierte im Stattbahnhof mit einer politischen Punk-Theatershow (von links): Kiril Masheka, Frontfrau Maria Aljokhina und Nastja Awott.
Foto: Oliver Schikora | Geballte Wut und Widerstandkraft: Pussy Riot gastierte im Stattbahnhof mit einer politischen Punk-Theatershow (von links): Kiril Masheka, Frontfrau Maria Aljokhina und Nastja Awott.

Das Licht geht an, die Musik dröhnt, der Synthesizer krächzt, das Schlagzeug wird malträtiert, die Trompete bis in die höchsten Töne geblasen. Die Frau mit der orangefarbenen Sturmhaube rennt auf die Bühne des Schweinfurter Stattbahnhofs, und los geht der russische Sprechgesang. Wörter wie Maschinengewehrsalven, anklagend, laut, wütend. Pussy Riot – ein Erlebnis. Wenn auch ein anstrengendes.

Anstrengend, weil tiefgründig und nachhaltig. Anstrengend, weil die politische Botschaft, die Maria Alyokina und Band verbreiten, so aktuell ist. Denn es geht nicht nur um Russland und die weltbekannte Geschichte der Aktivistinnen, die 2011 nach einem provokativen Guerilla-Auftritt in einer orthodoxen Kathedrale in Moskau verhaftet wurden und zwei Jahre Lagerhaft in Sibirien verbüßten. Es geht um den Rechtsruck in Europa, der hier lyrisch und  lautstark angeprangert wird.

Das Konzert – in Schweinfurt vor nur 100, gleichwohl begeisterten Zuschauern – ist ein  Theaterprojekt mit Punk, Performance und Videos, das auf Alyokhinas Buch "Riot Days" beruht, in dem sie ihre Geschichte als Performerin bei Pussy Riot erzählt, von den Anfängen der Gruppe vor acht Jahren, dem Auftritt in der Kirche, Verhaftung, Prozess und Lagerhaft bis zur Entlassung 2013.

Video

Ein feministisches Punk-Manifest: "Jeder kann Pussy Riot sein". Hier weiß man sofort, wer gut und wer böse ist. Während im Hintergrund Original-Videosequenzen zu sehen sind, die Songtexte mit deutschen Untertiteln, ziehen die vier Musiker (neben Alyokina sind das Schauspieler und Sänger Kiryl Masheka, Trompeter und Drummer Oleg Larionov sowie Sängerin und Keyboarderin Nastja Awott) ihre Show durch.

Eine Show, die Gänsehaut erzeugt, weil man genau weiß, was passiert ist, wie der Prozess ablief, wie die Sängerinnen damals in Sibirien schikaniert wurden. Weil es genügend Berichte gibt, wie wenig lupenrein demokratisch das Russland des Wladimir Putin ist. 

Die markante Sturmhaube darf nicht fehlen: Maria Aljokhina von Pussy Riot im Stattbahnhof.
Foto: Oliver Schikora | Die markante Sturmhaube darf nicht fehlen: Maria Aljokhina von Pussy Riot im Stattbahnhof.

Ist diese Show so etwas wie Therapie? Wenn ja, wäre es heftig, dauernd das Erlebte wieder hervorzuholen, es Abend für Abend auf der Bühne erneut zu durchleben, die Erinnerungen und Bilder im Kopf, die Wut herausschreiend, während die Videos zeigen, dass es genau so war wie beschrieben. Wer würde sich so etwas aussetzen wollen? Wohl nur ein Künstler mit einer wirklich wichtigen Botschaft.

Die hat das Pussy-Riot-Kollektiv, das offiziell seit 2015 aufgelöst ist, aber durch die weltweit gefeierte Performance weiterlebt. Maria Alyokina, die als einzige der aktuellen Band zu den Inhaftierten gehört, will warnen. Was in Russland passiert, darf sich anderswo nicht wiederholen. "Putin entzündet das Feuer der Revolution", singt sie. Und versucht, es zu löschen, indem er Hunderte als politische Gefangene einkerkert. Die Band engagiert sich für sie, weil sie weiß, wie es ist, wegen der eigenen Meinung im Knast zu sitzen. Ein Teil der Buch- und T-Shirt-Verkäufe geht an die Familien der Inhaftierten.

Pussy Riot-Konzert im Stattbahnhof mit Sängerin und Bandgründerin Maria Aljokhina.
Foto: Oliver Schikora | Pussy Riot-Konzert im Stattbahnhof mit Sängerin und Bandgründerin Maria Aljokhina.
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