Würzburg

Unermüdlicher Kunstsammler mit untrüglichem Sinn für Qualität

Seine Sammlung Konkreter Kunst gibt dem Museum im Kulturspeicher sein Alleinstellungsmerkmal. Jetzt ist Peter C. Ruppert 84-jährig in Berlin gestorben.
Peter C. Ruppert auf einem Archivbild aus dem Jahr 2006. Hinter ihm sind zwei Arbeiten von Richard Paul Lohse aus seiner Sammlung Konkrete Kunst zu sehen, die im Würzburger Kulturspeicher ausgestellt ist.
Foto: Stefan Pompetzki | Peter C. Ruppert auf einem Archivbild aus dem Jahr 2006. Hinter ihm sind zwei Arbeiten von Richard Paul Lohse aus seiner Sammlung Konkrete Kunst zu sehen, die im Würzburger Kulturspeicher ausgestellt ist.

Als Ende der 1990er-Jahre eine Delegation des Würzburger Stadtrats nach Ingolstadt fuhr, um dort das Museum für Konkrete Kunst zu besichtigen, herrschte eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der bunten Quadrate, Rechtecke, Kreise und verwinkelten Skulpturen. Die wenigsten Reisenden ahnten damals, dass wenige Jahre später in Würzburg ein weiteres bedeutendes Zentrum dieser Kunstrichtung entstehen sollte. Zu verdanken ist dies dem Berliner Ehepaar Rosemarie und Peter C. Ruppert, das seine Sammlung "Konkrete Kunst in Europa nach 1945" dem 2002 eröffneten Museum im Kulturspeicher als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Jetzt ist Peter C. Ruppert, Vater und Motor der Sammlung, in seiner Heimatstadt Berlin nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben.

Das "gewisse Etwas" im Kulturspeicher

Der Umbau eines Getreidespeichers am Alten Hafen zu einem zeitgenössischen Museum war damals alles andere als unumstritten. Dass dort die Sammlung der Städtischen Galerie untergebracht werden sollte, war von Beginn an klar. Doch es fehlte noch das "gewisse Etwas", ein Alleinstellungsmerkmal. Die damalige Galerieleiterin Britta Buhlmann stellte den Kontakt zu Peter C. Ruppert her, der sich schließlich bereit erklärte, seine bis dahin rein private Sammlung im neuen Museum öffentlich auszustellen. Die Sammlung Ruppert brachte Werke von Künstlern mit klangvollen Namen nach Würzburg: Victor Vasarely, Antonio Calderara, Bridget Riley, herman de vries, Josef Albers, Günter Fruhtrunk oder Max Bill – um nur einige zu nennen. In den Anfangsjahren des Kulturspeichers wurde die komplette Sammlung ausgestellt. Seither hat der akribische Sammler sie bis zu seinem Tod durch Neuankäufe praktisch verdoppelt.

Blick in die Ausstellung Konkrete Kunst nach 1945 im Würzburger Kulturspeicher
Foto: Julia Heres | Blick in die Ausstellung Konkrete Kunst nach 1945 im Würzburger Kulturspeicher

"Er war ein klassischer Sammler, der ausschließlich auf die Qualität der Kunstwerke geachtet hat", sagt Gert Fricke,  Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Freundeskreises Kulturspeicher über Ruppert. "Er hat bescheiden angefangen, aber durch Verkäufe immer wieder Neuankäufefinanziert und damit die Qualität der Sammlung pausenlos gesteigert", sagt Fricke und fügt hinzu: "Glücklicherweise hat er nicht die Marotten anderer bekannter Sammler gehabt."

Seit 2008 Ehrenbürger der Stadt Würzburg

Peter C. Ruppert war sich des Werts und der Qualität seiner Sammlung sehr wohl bewusst, und es freute ihn, wenn auch andere dies zu schätzen wussten. Aber er drängte sich deswegen nie in den Vordergrund, war keiner für die Showbühne. So machte er auch kein großes Aufhebens, wenn er immer wieder einmal Neuankäufe in die bestehende Sammlung integrierte.

In der Stadt Würzburg wurde man sich alsbald der Bedeutung der Sammlung Ruppert bewusst – für das Museum im Kulturspeicher und für die Stadt insgesamt. Um dies zu würdigen, wurde das Ehepaar Ruppert im Jahr 2008 mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. "Wir sind dem Stifter zu großer Dankbarkeit verpflichtet. Er war unermüdlich engagiert für die Konkrete Kunst sowie ein passionierter und engagierter Sammler, der auch immer wieder mal selbst die Ausstellung im Kulturspeicher neu zusammenstellte", würdigte Oberbürgermeister Christian Schuchardt den Sammler in einer Pressemitteilung. Und der städtische Kulturreferent Achim Könneke, der Ruppert noch vergangenes Jahr in Berlin besuchte, stellt fest: "Die Sammlung Ruppert im Kulturspeicher wird unter Kennern und Freunden der Konkreten Kunst deutschlandweit hoch geschätzt und stark besucht."

Hoch dotierter Kunstpreis

Ruppert ging es aber nicht nur um die Ausstellung der konkreten Kunstwerke. Im Jahr 2008 stiftete er den mit 15 000 Euro dotierten „Peter C. Ruppert Preis für Konkrete Kunst“, der seitdem alle drei Jahre verliehen wird. Erster Preisträger war der französische Künstler Francois Morellet.

In diesen Tagen bereitet die Museumsleitung im Kulturspeicher eine Sonderausstellung für die Kunstmesse art Karlsruhe (21. bis 24. Februar) vor. Dort wird auf von knapp 2000 Quadratmetern eine repräsentative Auswahl aus der Sammlung Ruppert gezeigt, die inzwischen über 400 Gemälde, Wandarbeiten und Skulpturen von 240 Künstlern aus 23 europäischen Ländern umfasst. Dass Werke aus dem Bestand auf Reisen gehen, wäre vor ein paar Jahren noch nicht möglich gewesen. Denn Peter C. Ruppert konnte und wollte sich nicht von ihnen trennen. Erst im letzten Jahr erklärte er sich erstmals bereit, für eine große Vasarely-Retrospektive in Frankfurt ein Bild aus seiner Sammlung zur Verfügung zu stellen.

Gerne zu Besuch in Würzburg

Gerne war das Ehepaar Ruppert in Würzburg zu Gast, bei offiziellen Anlässen, um seine Kunstwerke zu besuchen oder um die fränkische Gastronomie in Würzburg und Umgebung zu genießen. Und nicht nur Museumsleiterin Marlene Lauter wird den Sammler  vermissen: "Würzburg wurde durch die Sammlung Ruppert für die Freunde der Konkreten Kunst in ganz Europa zum Anziehungspunkt. Peter C. Ruppert hatte ein feinsinniges Gespür für die Werke seiner Sammlung. Ich werde die gemeinsame Arbeit an einer neuen Ausstellung vermissen."

Unter Konkreter Kunst versteht man Arbeiten, die in der Regel auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruhen oder optische Phänomene erkunden. Sie sind keine abstrakten Darstellungen des materiell Vorhandenen, sondern setzen im Gegenteil Geistiges in Sichtbares um. Eine Linie ist immer eine Linie, die nichts anderes darstellen soll als sich selbst.

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