WÜRZBURG

Würzburger Jazzfestival: Randy Brecker, Star ohne Allüren

Ausdrucksstark: Randy Brecker in Würzburg.
Foto: hans will | Ausdrucksstark: Randy Brecker in Würzburg.

So ein Aushängeschild hatte das Würzburger Jazz-Festival in der familiären Atmosphäre des Felix-Fechenbach-Hauses lange nicht mehr – der Trompeter und Flügelhornist Randy Brecker war Mitbegründer der Jazzrock-Band Blood Sweat & Tears und spielte mit so unterschiedlichen Größen wie Larry Coryell, Eric Clapton, Bruce Springsteen, Charles Mingus, Frank Zappa oder Jaco Pastorius.

In Würzburg trat der 68-jährige New Yorker mit dem in Nürnberg beheimateten Hammond Eggs Trio (Jermaine Landsberger an der Hammond-B3, Gitarrist Paulo Morello und Schlagzeuger Charly Huber) auf. Zum Festival-Ausklang am späten Sonntagabend präsentierte sich Brecker als ein Star ganz ohne Allüren. Er fügt sich in das Trio ein, als würde er nicht das fünfte, sondern das 50. Konzert mit seinen Mitmusiker geben. Mit seinem kraftvollen, ausdrucksstarken Spiel prägte er den groovigen Sound der Landsberger-Formation, ohne ihn zu dominieren. Sichtlich begeistert und immer wieder überrascht von seinen Kollegen, steuerte er mit sparsamen Gesten die Solo-Passagen, die mal sanft-poetisch („You don't know“), mal kraftvoll-energetisch („Lets Vamos“) sind. Ganz selbstverständlich ließ Brecker den anderen die Freiräume für eigene Improvisationen: Bandleader Landsberger, der mit der taufrisch bespielten Hammond die Energie lieferte, dem ausgefuchsten Gitarristen Morello, der mühelos zwischen Bossa Nova und Sinti-Klängen wechselte, und dem funky groovenden Huber am Schlagzeug. Es war der Höhepunkt des bestens besuchten Festivals, das mit dem vom Michael Wollny Trio bekannten Eric Schaefer einen weiteren Schlagzeug-Irrwisch zu Gast hatte. Mit seiner Formation Shredsz schredderte er Opernauszüge und Lied-Kompositionen aus dem Wesendonck-Zyklus von Richard Wagner – für Puristen sicher ein Graus, für alle anderen ein ironisch-verspieltes Vergnügen auf der Höhe der Zeit.

Die vier weiteren Festival-Formationen standen ganz im Zeichen von charismatischen Sängerinnen, die jeweils ganz unterschiedlich, gleichermaßen aber faszinierend ihre (männlichen) Bands zusammenhielten und prägten: Rayka Wehner als Energiezentrum des fünfköpfigen Würzburg Art Ensembles (das sich als Kern der sich neu formierenden Würzburger Jazz-Großformation versteht), die durch ihre Wurzeln in der Elfenbeinküste weltmusikalisch geprägte Cécile Verny mit ihrem Quartett und dessen rhythmisch geradlinigen, ins Rockige spielenden Songs, die atemberaubende Pegelia Gold, die mühelos zwischen morbider Zerbrechlichkeit und kraftstrotzender Expressivität changierte, und nicht zuletzt die junge Würzburgerin Isabelle Papst mit einer frischen, ausdrucksstarken Stimme.

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