Würzburg

In eigener Sache: Diese Bilder sind nur schwer zu ertragen

Die Meldungen über die Lage der Menschen in Afghanistan sind dramatisch, die Berichte erschüttern. Warum sie auch erfahrene Journalistinnen und Journalisten berühren.
Bereits am Montag war es am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu Chaos am Flughafen gekommen. Hier bewachen Soldaten der US-Armee ein Areal. 
Foto: AP/DPA | Bereits am Montag war es am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu Chaos am Flughafen gekommen. Hier bewachen Soldaten der US-Armee ein Areal. 

In einer Woche wie dieser ist es nicht leicht, in einer Nachrichtenredaktion zu arbeiten. Wie schnell die Lage in Afghanistan eskaliert ist, wie schnell die Taliban die Macht übernommen und Afghanistan ins Chaos gestürzt haben, ist unvorstellbar. Wie gefährlich, wie unübersichtlich es in der Hauptstadt Kabul und vor allem am dortigen Flughafen zugeht. Wie schwierig der Aufbau einer Luftbrücke ist, um Menschen doch noch zu retten.

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Wir haben in den vergangenen Tagen in der Redaktion sehr viele Texte gesichtet und ausgewählt. Wir haben bei Bildern überlegt, ob sie die Nachrichtenlage gut darstellen, ob sie zu abstrakt oder zu voyeuristisch sind. Wir haben Artikel und Bilder ausgesucht - und wieder verworfen. Neu überlegt. Texte neu arrangiert, Zeitungsseiten neu gestaltet. Das alles unter enormen Zeitdruck, unter sehr viel Adrenalin.

Grauenvolle Bilder von verzweifelten Menschen

Seit Sonntag haben wir so viele grauenvolle Bilder gesehen. Von verzweifelten Frauen und Männern, von Menschen, die wohl von einem fliegenden Flugzeug gestürzt sind, von Menschen, die, wie es aussieht, geteert worden sind. Es gibt grausige Berichte, von Hinrichtungen, von Leichenteilen im Fahrwerk von einem Flugzeug, von Todesschüssen am Flughafen. Nicht alle Meldungen wurden bestätigt, aber einige der Vorfälle sind traurige Gewissheit.

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Schon die Fotos von Menschen, die auf einem Linienflugzeug sitzen und auf einen Evakuierungsflug hoffen oder auf dem Rollfeld des Kabuler Flughafens neben einem Flugzeug herrennen, sind schlimm genug. Die Panik der Menschen, die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit sind auch aus der Ferne greifbar. Diese verzweifelte Stimmung greift auch uns an, die wir an unseren Schreibtischen in der Redaktion sitzen, in Sicherheit, weit weg vom Geschehen. Wissend, dass es viele Kolleginnen und Kollegen vor Ort gibt, die in einer extrem schwierigen Lage sind und um ihre Ausreise bangen. 

Vieles muten wir Lesern gar nicht zu

Furchtbare Bilder und Nachrichten gehören zu unserem Job dazu, immer, jeden Tag aufs Neue. In unserer Bilddatenbank laufen Fotos ein, die manchmal nur schwer zu ertragen sind. Wir berichten über Katastrophen, Kriege, Terror. Wir versuchen, die Lage realistisch einzuschätzen, soweit das möglich ist, und die Berichte dann seriös und ernsthaft aufzubereiten. Die Situation vor Ort wiederzugeben, in verständlichen Worten und noch einigermaßen erträglichen Bildern. Denn vieles, was wir zu sehen bekommen, muten wir Ihnen als unsere Leserinnen und Leser gar nicht zu.

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Es hat in den vergangenen Jahren sehr viele furchtbare Bilder gegeben. Immer wieder. Aber die Berichte aus Afghanistan haben einige von uns abends nach der Arbeit, zuhause auf dem Sofa, nicht losgelassen, sie hallen nach. Kolleginnen und Kollegen berichten, sie konnten in den zurückliegenden Tagen nur schlecht abschalten, haben Bilder und Zitate immer noch im Kopf.

Afghanistan hinterlässt seine Spuren, auch bei uns eigentlich so abgeklärten Nachrichtenmenschen.

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