Eine brutale Rambo-Sprache muss nicht sein

Die Kollegin, die mich darauf gestoßen hat, arbeitet in einer unserer Lokalredaktionen. Ich zitiere: „Das Wort Killerwelle, am Dienstag, 22. Dezember, auf der Titelseite zur Erinnerung an den Tsunami ist für mich übelste Gosse. Leider schließen wir uns damit der unerträglichen Rambo-Sprache von Bild, RTL und Co. an, die für große Naturereignisse nur noch Bezeichnungen wie Killer, Horror und Monster haben und damit verbal die Sensationsgier einiger Leute befriedigen.“

Erst die Kollegin hat mich nachdenklich gemacht. Warum hatte mich die „Killerwelle“ auf der ersten Seite nicht auch gleich gestört? Werden wir etwa schon so überschwemmt von mehr oder weniger passenden Zuspitzungen und Übertreibungen aus allen Kanälen, dass sie zur Normalität geworden sind? Der Welt der Medien entspringt stellenweise tatsächlich eine Art Rambo-Sprache. Und die sickert in unseren Alltag ein. Ich fürchte nun, dass dieser Einfluss mich schon etwas zu sehr abgestumpft hat.

Oder ist etwa schon ein Zustand eingetreten, dass ohne zugespitzte Beschreibungen, ohne brutale Reizworte, die Masse der Menschen von der Dimension von Katastrophen nicht mehr erreicht werden kann? Ich mag das nicht glauben.

Diese Zeitung gehört zur Welt der Medien. Wir können und wollen uns davon nicht lossagen, müssen aber nicht alles nachvollziehen. Und einer professionell betriebenen Verwahrlosung unseres Wortschatzes sollten wir wirklich nicht anheim fallen. Manche Begriffe kreieren Journalisten vorwiegend deshalb, weil sie meinen, damit bessere Einschaltquoten für ihre Privatsender zu erzielen. Einer übertrifft den anderen mit Wortschöpfungen und Superlativen.

„Killer“ ist allerdings mittlerweile vom Duden als „Totschläger“, bzw. umgangssprachlich als „berufsmäßiger Mörder“ aus dem Englischen eingedeutscht worden. Aber gerade daran lässt sich auch der sprachliche Unsinn einer solchen deutschen Wortkombination ermessen.

„Killerwelle“ dokumentiert in einem Nachrichtentext überdies ein falsches Verständnis für Naturkatastrophen. Die Leser dieser Zeitung mögen uns bitte diesen Ausrutscher verzeihen und vielleicht noch den einen oder anderen mehr, der da übersehen worden ist. Wir wollen damit weder Leser gewinnen noch verlieren.

Ich werde nach diesem Beitrag nicht garantieren können, dass „Rambo“ fortan draußen bleibt, zumal nicht so klar ist, wann und wo für wen welche Worte unerträglich sind. In Wirklichkeit gibt es doch ebenso wenig eine „Rambo-Sprache“ wie eine „Killerwelle“. Weil ich mir aber vorstellen kann, was gemeint ist, verstehe ich die Kritik der Kollegin. Wir sollten in dieser Zeitung brutale Wortkreationen aus jener Welt vermeiden, in der wir Rambo wähnen.

John Rambo war in Roman und Film einem Vietnamkriegsveteranen nachempfunden, der auf der Flucht zum Inbegriff für Brutalität geworden ist. Der Film gilt als Action-Klassiker und im Roman kam Rambo zu Tode. Wir müssen ihn in dieser Zeitung nicht auferstehen lassen.

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