Würzburg

Leseranwalt: Ein Hochzeitsbericht, der nicht feierlich war

Zu viele negative Nachrichten im Artikel über die Heirat von  Prinzessin Beatrice verärgern eine Leserin.
Der entscheidende Ausschnitt aus dem Foto zum Main-Post Bericht vom 20.7.2020, über den sich eine Leserin geärgert hat. Im Mittelpunkt stand nämlich der Brautvater, der hier nicht einmal abgebildet ist. Das hat seine Gründe ...
Foto: Bejamin Wheeler/PA Media DPA | Der entscheidende Ausschnitt aus dem Foto zum Main-Post Bericht vom 20.7.2020, über den sich eine Leserin geärgert hat. Im Mittelpunkt stand nämlich der Brautvater, der hier nicht einmal abgebildet ist.

Empört reagiert hat eine Leserin auf einen Hochzeitsbericht in der Zeitung, der – zugegeben - nicht feierlich gewesen ist (20.7.: „Prinzessin Beatrices stille Hochzeit“/Kopie am Artikelende). Sie hat den Artikel als „grottenschlecht“ bezeichnet. Wörtlich erklärt sie: „Da heiratet eine junge Frau in England aus adeligem Haus, 40 bis 50 Prozent aber beschreibt die Geschichte ihres Vaters.“ Und weiter: „Es gibt ja fast keinen Artikel in den Zeitungen ohne das Wort ‚Corona‘“. Auch in dem Prinzessinen-Bericht spielt es eine wesentliche Rolle. Ja, bis hierher schließe ich mich zumindest ihrer Schilderung an: Zuweilen besteht zudem eine journalistische  Neigung, Berichte arg männerlastig zu gestalten.

Keine prächtige Zeremonie

Bei dem angesprochenen Beitrag ist es aus meiner Sicht allerdings verständlich, dass der Vater der Braut, Andrew, zwangsläufig zu einem Schwerpunkt werden musste. War die Hochzeit selbst, ob unverzichtbarer Corona-Achtsamkeit, doch eine stille. Das beraubte die Deutsche Presseagentur (dpa), die den Bericht verbreitete, der Möglichkeit, eine prächtige und festliche Zeremonie zu schildern. So verfinsterte ein übler Hintergrund den schillernden Vordergrund, weil nämlich das Hochzeitsbild ohne Brautvater und -mutter "Fergie" entstand, stattdessen "nur" mit Königin Elizabeth II. und Prinz Philip. Die Erklärung führte hin zu unschönen Schlagzeilen um Brautvater Andrew, der in einen Missbrauchsskandal verwickelt sein soll. Damit begründeten wohl englische Medien sein Fehlen. Ohne diese Bild-Erläuterung hätte es für die dpa wohl nur für eine kurze Meldung gereicht.

Dennoch ist es kein Wunder, wenn die enttäuschte Leserin noch fragt: „Sind Berichte nur noch interessant, wenn sie schlechte, also negative Nachrichten enthalten?" Da ist natürlich was dran, weil Konflikte nachweislich in der Leserschaft besonders stark genutzt werden. Das schafft Wechselwirkungen in die Medien, die sich diesen Umstand natürlich gerne nutzbar machen.

Siehe auch: "Erkennen Sie, was Nachrichten mit ihrem Gehirn machen"

Einfach mal was Schönes

Gerne übernehme ich aber in Ferientagen die besseren Gedanken der Leserin. Und ich bitte vorsorglich den Teil der Leserschaft um Toleranz, denen Königshäuser dieser Welt völlig egal sind. Für unsere Leserin wäre es einfach mal was Schönes, ein glückliches Paar im Festtagsgewand zu sehen, ganz ohne negative Aspekte. Wer mag da schon im Wege stehen?

Also habe ich der Frau gewünscht, was ich gleichsam allen wünsche, die wie sie denken:  Viele erfreuliche und entspannende Hochzeitsfeiern, mit oder ohne Adel, ganz ohne Virus, sei es in der Berichterstattung oder durch persönliche Teilnahme. Wichtig noch: Journalistisch ist stets zu beachten, dass Frauen in Text und Bild stets angemessen vorkommen.

Prinzessin Beatrices stille Hochzeit. Main-Post-Bericht vom 20.7.2020. Darüber hat sich eine Leserin geärgert.
Foto: Repro Sahlender | Prinzessin Beatrices stille Hochzeit. Main-Post-Bericht vom 20.7.2020. Darüber hat sich eine Leserin geärgert.

Hier der Online-Bericht von Beatrices-Hochzeit, die hier als heimlich verkündet wird. 

Weitere ähnliche Leseranwalt-Kolumnen: 

2013: "Große Aufmachungen, Promis und Konflikte machen noch keine Boulevardzeitung"

2014: "Von einem Mann, der nicht mit schlechten Nachrichten ins Bett gehen will"

2017: "Besser erklären, wie eine Geschichte entstanden ist" (dabei geht es auch um eine Hochzeit)

2020: "Zu einem Ehejubiläum gehören immer zwei"

Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch Vereinigung der Medien-Ombudsleute.

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