LESERANWALT

Leseranwalt: Wie sich die "Generation Z" informiert und was wirklich "catchy" ist

Die Jahrgänge 1995 bis 2010 werden über Social Media mit Unterhaltung und News überschwemmt. Dem muss man nicht hilflos gegenüberstehen, meint Leseranwalt Anton Sahlender.
Die 'Generation Z' ist den Umgang mit Smartphone und Tablet gewohnt. Für fast ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen sind soziale Medien wichtige Nachrichtenquellen über die sie sich auch über aktuelles Zeitgeschehen auf dem Laufenden halten.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa | Die "Generation Z" ist den Umgang mit Smartphone und Tablet gewohnt. Für fast ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen sind soziale Medien wichtige Nachrichtenquellen über die sie sich auch über aktuelles Zeitgeschehen ...

Wen erreichen hier meine Worte? Alle wären mir wichtig. Aber höchstens Zufallstreffer lande ich in der "Generation Z", kurz "GZ", also bei zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Dennoch möchte jeder, der als "Medien-Ombudsmann" wirkt, auch diese Jahrgänge gerne ansprechen und bei ihnen selbstkritisch zur Medienkompetenz beitragen. Die ist schließlich zur Orientierung in der rasant fortschreitenden Welt der Kommunikation wichtiger denn je. Und Wissensmängel sind leider offenbar.

Gewaltige Steigerungen bei TikTok und  YouTube

Zu dieser Aussage und den folgenden Betrachtungen bringt mich eine Analyse von Autoren der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), die aus ihrer Mediengewichtsstudie hervorgeht. Daraus und aus dem Text von Regina Deck und Thorsten Schmiege beziehe ich mich in der Folge. Den verdeutlicht wird darin unter anderem, dass sich 13 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland an einem Durchschnittstag auf YouTube informieren (plus 135 Prozent gegenüber 2017), 12,2 auf Facebook, 9,7 bei Instagram (plus 471) und 3,6 Prozent bei TikTok.

Für TikTok (aus China) sei das, wegen seiner speziellen Reichweite von fast einem Drittel bei den 14- bis 19-jährigen, ein "katapultartiger Anstieg", so die Autoren. In dieser Altersgruppe rangiert das Videoportal auf Platz 1 vor Instagram und YouTube (beide 29 Prozent).

Soziale Medien als wichtige Nachrichtenquellen

Für fast ein Drittel der "Generation Z" sind soziale Medien demnach wichtige Nachrichtenquellen über die sie sich auch über aktuelles Zeitgeschehen auf dem Laufenden halten. Die schlechte Nachricht dazu: Studien zeigen, dass bei diesen Quellen die Abgrenzung von Information, Desinformation, Meinung und politischer Werbung viele Nutzerinnen und Nutzer vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Algorithmen sind dort nicht auf Meinungsvielfalt und Qualität ausgerichtet, sondern darauf, Nutzende möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten und hohe Klickzahlen zu erreichen.

Solides Wissen über das Mediensystem hilft bei der Einordnung von Inhalten

Dagegen steht als gute Nachricht: Menschen mit Vertrauen in Medien und einem mindestens soliden Wissen über das Mediensystem tun sich bei der Einordnung der verschiedenen Inhalte leichter. Doch man darf daran zweifeln, dass solche Kenntnisse ausreichend bei denen vorhanden sind, die sich vorwiegend auf Social Media Plattformen bewegen und informieren. Das zu ändern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Smartphone-Nutzung: Überschwemmung mit Unterhaltung und News

Ihre Aufgabe und Verantwortung, welche die BLM aus alledem ableiten kann (z.B. Kennzeichnung von Influencer-Werbung, Einhaltung journalistischer Sorgfalt), ist wichtig, aber reicht natürlich nicht aus. Können doch die deutschen Landesmedienanstalten mit ihren Zuständigkeiten für Medienintermediäre nicht auf die zahllosen unorganisierten Informationsversender weltweit kontrollierend wirken. Von da aber wird erheblicher Einfluss auf die junge Generation genommen. Sie wird in ihren mehr als sieben Stunden privater Internetnutzung über Smartphone mit Unterhaltung und News überschwemmt.

"Catchy" und der Wunsch der Jüngeren

Liegt für alle anderen ein Schlüssel darin "catchy", einprägsam, zu sein? So wollen die Jungen offenbar das angeboten bekommen, was sie nutzen. Konkret lautet ein Wunsch: zehn Slides (griffige grafische Vorlagen) mit wesentlichen Infos oder kurzes Video und Link zu ausführlichem Artikel und wir sind "in".

Um das zu erreichen strengen sich Zeitungshäuser schon mächtig an. Dabei müssen sie jedoch der großen Versuchung widerstehen, journalistische Qualitätskriterien im Streben nach Einprägsamkeit im Sinne von "catchy" zu verletzen. Griffige Darstellungen sollten nicht übertreiben.

Führung und Begleitung zu mehr Medienkompetenz

Ich fürchte, nicht alleine wegen meines Jahrgangs 1949, vom "catchy" und der "Generation Z" trotz größtem Bemühen weit entfernt zu sein. Das muss ich mir eingestehen und bin dabei wohl nicht alleine. Denn für "catchy" gilt es auch die Sprache der Jungen zu sprechen, die nicht auf der Stelle stehen bleibt, weil auch immer neue nachrücken. Verloren gegeben darf aber niemand werden. Alle, auch Tageszeitungen, müssen auf dem Weg zur Medienkompetenz führen und begleiten. Dabei hilft es, wenn auch die Redaktion vielfältig besetzt ist. Gutes Beispiel ist auch das medienpädagogische Projekt KLASSE!

Auch ich unterstütze gerne alle auf dem Weg zu Medienwissen, die hier regelmäßig meine Beiträge nutzen.

Anton Sahlender, Leseranwalt

Siehe auch Vereinigung der Medien-Ombudsleute e.V.

Ergänzende Leseranwalt-Kolumnen zum Thema:

2015: "Mehr Medienkompetenz hilft, seriöse Nachrichten von Falschmeldungen zu unterscheiden"

2018: "Kampf um Aufmerksamkeit und Reichweite"

2020: "Clickbaiting verspielt Glaubwürdigkeit"

2021: "Medienwissen, das Allgemeinbildung sein sollte"

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