Auch andere Meinungen akzeptieren

Zum Artikel „Empörte Besucher verlassen Gottesdienst“ (3.1.):

Das, was in Bergtheim und Hausen passiert ist, kann eigentlich nicht verwundern. Die allgemeinen und wohlfeilen Bekenntnisse nicht weniger römisch-katholischer Amtsträger zu Schwulen und Lesben sind schon vor Predigtende vergessen, sobald es konkret wird. Dasselbe betrifft in ähnlicher Weise ja die Gesamtheit der Frauen, mithin die Hälfte der Weltbevölkerung. Der angeführte Theologe Thomas von Aquin (13. Jahrhundert) war übrigens keineswegs davor geschützt, kirchlicherseits neu gedeutet zu werden, wenn dies kirchenpolitisch opportun erschien. Was wird aus der Kirche, wenn alle Gläubigen sie unter Protest verlassen haben? Ein fest gefügtes und in sich stimmiges Gedankengebäude, dessen Erhaltung enorme Kosten verursacht und dem als Trostpflaster das Etikett „Weltkulturerbe“ angehängt wird. Keine schönen Aussichten, wenn man es gut mit ihr meint.

Franz Christoph Schiermeyer, 97653 Bischofsheim

Die Kunst des Zuhörens besteht darin, einen Redner zum Ende kommen zu lassen, bevor man sein Urteil fällt. Einen Spielfilm kann man nicht erfassen, indem man einen Blick auf das Fernsehprogramm dieser Zeitung wirft. Herr Epperlein hätte nicht nach einem Viertel der Predigt die Kirche verlassen sollen. Pfarrer Rügamer handelte aber allerdings auch nicht wissenschaftlich fundiert genug, um die berühmte Frage beantworten zu können, was zuerst war: Die Henne oder das Ei? Der Schöpfungsbericht der Bibel ist ein Mythos nach den Erkenntnissen der damaligen Zeit. In der kanaanitischen Epoche gab es schon männliche Prostituierte in den Tempeln. Paulus sah in der Homosexualität allerdings einen Abfall von Gott. Nicht alle Geistlichen teilen diese Auffassung. Es sollen die Menschen in der heutigen Welt doch nach ihren Neigungen und Präferenzen glücklich werden, und nicht nach theologischen Forderungen Einzelner.

Bernhard Feghelm, 97076 Würzburg

Menschen verlassen die Kirche! In der Regel einfach, weil der Gottesdienst zu Ende ist, also weil Gott ihnen nicht mehr „dient“, beziehungsweise weil sie der Meinung sind, Gottes Wort sei auch nur eine Meinung unter vielen, die einfach nicht zu ihrer passt. Die einen gehen weg zum Beispiel, weil man Menschen töten darf (in Notwehr, als Todesstrafe, im Krieg, durch Abtreibung, als Sterbehilfe) – die anderen, weil man es nicht darf. Christus wurde aus „Empörung“ getötet. Als die Zwölf damals angefangen haben, gab es jede Menge „Empörung“ weltweit – das ist bis heute so. Menschen verlassen die Kirche. Sie sind frei. Jeder kann sich selber predigen aus seiner eigenen Bibel. Wo ist da die „Empörung“?

Ulrich Pabst, 97232 Giebelstadt

Es scheint heute tatsächlich schwer zu sein, andere Meinungen zu akzeptieren. Statt das Gespräch mit dem Pfarrer zu suchen, wird gleich die Zeitung informiert, die daraus einen fast einseitigen Artikel macht. Cancel Culture, also der Versuch, ein vermeintliches Fehlverhalten öffentlich zu ächten, greift scheinbar nicht nur an Hochschulen, bei Behörden, großen Unternehmen, Medien und in kulturellen Einrichtungen um sich, sondern auch in unterfränkischen Kirchengemeinden. Zu bewundern ist auch die Chuzpe des Informanten, der aus der Kirche ausgetreten ist, trotzdem den Gottesdienst besucht – der ja von denjenigen, die noch der Kirche angehören, finanziert wird – und sich dann empört an die Öffentlichkeit wendet, weil ihm der Inhalt der Predigt nicht passt.

Rudolf Fiedler, 97286 Winterhausen

Gut und richtig war, dass sich Pfarrer und Pfarrgemeinderat zusammensetzten, um über die kritische Weihnachtspredigt zu diskutieren. Aber hätte es dieses reißerischen Aufmachers auf der Titelseite der Neujahrsausgabe und des Berichtes im Frankenteil Ihrer Zeitung bedurft? Meines Erachtens war dies nicht notwendig und auch nicht angebracht. Eine interne Aussprache, wie auch dann in der Kirche in Hausen geschehen, hätte genügt. Solche öffentlichen „Bekanntmachungen“ sind ein Schlag ins Gesicht aller Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, die sich bemühen, Gottesdienste in schwierigen Zeiten den Gläubigen anzubieten. Die größte Kritik kam wohl von einem aus der Kirche ausgetretenen Gottesdienstbesucher. Es verwundert schon, dass Personen, die aus der Institution Kirche ausgetreten sind, deren Angebote gerne noch weiterhin nutzen und diese auch noch kritisieren.

Herbert Rügemer, 97262 Hausen

Pfarrer Rügamer sagte: Eine Ehe besteht aus Mann und Frau und ein Kind entsteht aus der Liebe von Mann und Frau. Das hat sich nicht Pfarrer Rügamer ausgedacht, er hat genau das weitergegeben, was Gottes Wort sagt. Und als Pfarrer ist das auch seine Aufgabe. Er gab weiter, wie Gott sich Familie gedacht hat. Vielen Dank dafür. Ich fand die Predigt sehr wertschätzend für Ehe und Familie, ausgewogen und in keinem Wort abwertend gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren. Ich sehe keinen Grund, wofür er sich entschuldigen sollte.

Maria Bauer, 97241 Bergtheim

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