Geteilte Meinungen über die Kernkraft als „grüne“ Energiequelle

Zum Artikel „EU will Atomkraftwerke als grün einstufen“ (3.1.):

Die Atomlobby scheint einen wirklich guten Job zu machen. Wie sonst ist es erklärbar, Atomkraft als umweltfreundliche grüne Energie einstufen zu wollen? Es ist der letzte Versuch der Atomindustrie, noch ein paar gute Geschäfte zu machen. Nur mit dieser Einstufung kann Atomkraft gefördert werden. Ohne Förderung ist Atomkraft unwirtschaftlich. Alle Neubauten – Flamanville in Frankreich und Olkiluoto in Finnland – entwickeln sich zu wirtschaftlichen Desastern. Die Baukosten explodieren und die Bauzeiten verlängern sich immer mehr. In Flamanville von geplanten 3,3 Milliarden Euro auf mehr als das Vierfache. Baubeginn war 2007, geplante Inbetriebnahme war mal 2012. Momentan liegt der geplante Inbetriebnahmetermin bei Ende 2022. Aus diesen Erfahrungen hat die Atomwirtschaft offenbar gelernt. Auch in England ist mit Hinkley Point C ein neuer Reaktor geplant. Als Bedingung für den Bau wurde mit England ein Stromabnahmevertrag in Höhe von gut zehn Cent pro kWh über einen Zeitraum von 35 Jahren plus Inflationsausgleich ausgehandelt. Ohne diese Zusicherung wäre der Reaktor nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das Strompreisrisiko trägt also der britische Steuerzahler. Neue Solar- und Windkraftwerke erhalten übrigens eine Vergütung von circa fünf Cent pro kWh über einen Zeitraum von 20 Jahren ohne Inflationsausgleich. Fazit: Atomkraft ist zu teuer, zu langsam und ganz nebenbei auch noch zu gefährlich. Höchste Zeit, unter diese Technologie einen Schlussstrich zu ziehen.

Winfried Christ, 97618 Unsleben

Endlich beschreitet eine Bundesregierung den Weg, in Sachen Pandemie sich stärker mit Experten, unter anderem aus der Wissenschaft, zu beraten. Sie sollte ebenso zur gar raschen Position des Philosophen Habeck zur Kernkraft, sie nicht als „grüne Energie“ einzustufen, Meinungen von denen einholen, die kompetenter und breiter dazu Stellung nehmen könnten. Auf diese Technologie, zu deren Weltmarktführern Deutschland einst gehörte, wird beständig anderweitig weiter gesetzt, derzeit – und das heißt bis jetzt – in etwa 450 Reaktoren weltweit. Dazu gehören auch unsere europäischen Nachbarn. Sogar kaufen wir bei Bedarf deren Strom und schalten dabei einen Meiler nach dem anderen bei uns ab, ohne eine Flexibilität zugunsten deren Laufzeiten. Das geschieht andererseits unter einstweiliger Akzeptanz neu zu errichtender Gaskraftwerke durch eine Agrarierin im Bundesumweltministerium. Aktuell befinden wir uns in einem euphorischen Stadium, die „Erneuerbaren Energien“ über den EU-Rahmen hinaus bis zur Exportreife attraktiv zu machen, auch wenn Zugeständnisse, wie an den hohen Strompreis oder schwindende Reichweiten von Windkraftanlagen, diesen Weg begleiten. Demgegenüber bleibt der „Fadenriß“ in der Entwicklung der Entsorgungstechnologie innerhalb des Kernbrennstoffkreislaufes, der sich mit Erstürmung von Bauzäunen und Blockade von Gleisanlagen beim Aufgeben des Projektes Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf ergab.

Dr. Reiner Schorsch, 97074 Würzburg

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