Nach uns die Sintflut

Zum Artikel „Gebiete mit Nitrat-Auflagen werden kleiner“ (13.11.):

Die Kuh ist vom Eis, die roten Gebiete, welche die Bauern dazu nötigen sollten, weniger zu düngen, als sie es für nötig halten, werden voraussichtlich dank anderer Messstellen weniger. Alles wird gut. Bauernverbandsvertreter sind zufrieden. Frau Weißgerber von der CSU sagt: „Der gemeinsame Einsatz von BBV und CSU habe sich gelohnt!“

Was leider völlig ausgeblendet wird, sind die Hintergründe der Messstellen. Die hat man nämlich nicht installiert, um Bauern als Brunnenvergifter öffentlich an den Pranger stellen zu können, sondern weil Wissenschaftler seit Jahrzehnten vor den Folgen des zu hohen Eintrags von Stickstoff und Phosphat durch die moderne industrielle Landwirtschaft warnen. Doch wie bei der Klimakrise und dem Artensterben verliert man das eigentliche Problem schnell aus den Augen.

2010 gaben schwedische Wissenschaftler bekannt, dass bereits ein Fünftel der Böden in der Kern-Ostsee ohne Sauerstoff sind und sich diese sogenannten Todeszonen alle 10 Jahre verdoppeln. Bei der globalen ökologischen Belastung, auch als planetare Grenzen bekannt, hat der weltweite Stickstoffeintrag in die Gewässer die Belastungsgrenze weiter überschritten als der Klimawandel und das Artensterben.

Obwohl Politiker dies wissen können, nehmen sie seit Jahrzehnten billigend in Kauf, dass fast die Hälfte des gedüngten Stickstoffs in der Landwirtschaft nicht von der Pflanze aufgenommen wird, sondern die Umwelt und das Grundwasser belasten. Die Politik scheint der Agrarindustrie hilflos ausgeliefert zu sein. Die Botschaft der Politik an die Bauern: Produziert so günstig wie möglich, Begleitschäden am Klima, Artensterben und Gewässerschutz etc.? nach uns die Sintflut. Da haben die Bauern keine große Wahl.

Jahrelang stellten sich deutsche Politiker gegenüber EU-Forderungen nach mehr Gewässerschutz taub. Erst als die EU dem deutschen Staat Strafzahlungen in Höhe von 800 000 Euro täglich androhte, reagierte die Politik, indem sie nun versucht, dem Bauer mit Vorschriften vorzugeben wo, wann und wie viel er noch düngen darf. Das kommt fast einer Entmündigung der Bauern gleich.

Doch es ginge auch anders. Ökologischer Landbau verbietet dem Biobauern von vorne herein, mit billigem Kunstdünger und Pestiziden Höchsterträge vom Acker zu fahren. Das Problem: Die Erträge sind niedriger und die Kosten für das Kilogramm Weizen höher, aber nur solange man die Begleitschäden beim konventionellen Anbau ausblendet. Wir brauchen mutige Politiker, die einen Systemwechsel angehen, der die 90 Prozent konventionelle Landwirtschaft in eine ökologische nachhaltige Landwirtschaft transformiert. Zugegeben, das wäre eine große Herausforderung für alle, aber am Ende gäbe es nur Gewinner.

Eberhard Räder, 97654 Bastheim

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