Nicht wie ein Truthahn verhalten

Zum Artikel: "Bauchgefühl ist keine Willkür" (4.11):
Herr Gigerenzer leistet zum einen einen ganz wichtigen Beitrag zum Umgang mit Risiken und zu deren Einschätzung (Beispiel Truthahn und thanksgiving-day). Zum anderen verhält er sich bezüglich medizinischer Vorsorgeuntersuchungen selber wie der Truthahn, und es ist zu wünschen, daß sein thanksgiving day nicht kommen möge. Sein Argument: ich bin gesund, und noch nie zur Vorsorge gegangen. Mein Gegenbeispiel: Ein guter Bekannter, Mann, Anfang 60, hat bei sich selber Blut im Stuhl bemerkt. Es wurde dann ein Dickdarmkarzinom diagnostiziert. Zur Vorsorge ist er nicht gegangen, weil Kollegen ihm davon abgeraten hatten. Wenn er gegangen wäre, hätte er mit großer Wahrscheinlichkeit diesen Tumor nicht bekommen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, durch Vorsorge ein Dickdarmkarzinom zu verhindern? In großen Studien erreicht man Werte von 50 bis 70 Prozent. Durch die Entfernung von Adenomen kann man die Entstehung von Dickdarmkarzinomen verhindern. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 70.000 Menschen am Dickdarmkarzinom, 70 Prozent davon sind 49000 Krebsfälle, die man durch die Krebsvorsorge vermeiden kann. Wenn man vereinfacht annimmt, daß die Main-Post etwa ein Prozent der Bevölkerung Deutschlands erreicht (mit den Multiplikatoren in der Familie und im Beruf bzw. bei Freunden und Bekannten) ergeben sich 490 Krebsfälle. Ein solcher Artikel bestärkt zu viele Menschen in ihrer Ablehnung einer Vorsorge-Untersuchung. Sehr viel schwieriger sind die Möglichkeiten bei der Brustkrebsvorsorge und noch schwieriger beim Prostata-Karzinom. Auch da sollte man sich aber besser nicht als Truthhan verhalten.
Prof. Dr. med Justus Müller, 97082 Würzburg
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