BERLIN

Merz wagt sich als Erster aus der Deckung

Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Wie die Deutsche Presseagentur am Mittwochabend unter Berufung auf das „engste Umfeld“ des 64-Jährigen berichtete, sei dieser entschlossen, für das Amt zu kandidieren. Merz wisse demnach die Parteibasis hinter sich und sei durch aktuelle Umfragen in seiner Entscheidung bestätigt worden. Nach Informationen dieser Redaktion haben einflussreiche Vertreter der konservativen Teile der CDU Merz in den vergangenen Tagen zu dem Schritt ermutigt.

Unter den als mögliche Nachfolger für Annegret Kramp-Karrenbauer gehandelten Politikern ist Merz damit der erste, der sich aus der Deckung wagt. Kramp-Karrenbauer hatte am Montag ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und langfristig auch auf den Parteivorsitz erklärt. Neben Merz sind Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet als künftiger Parteichef und mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Kanzlerkandidat der Union im Gespräch.

Kramp-Karrenbauer hatte noch am Montag deutlich gemacht, dass Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur aus ihrer Sicht in eine Hand gehören. Sie selbst war letztlich daran gescheitert, dass sie nie aus dem Schatten von Bundeskanzlerin Angela Merkel heraustreten konnte. In der Thüringen-Krise um die Wahl des FDP-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU und AfD hatte Merkel ihre einstige Wunsch-Nachfolgerin AKK düpiert.

Dass Kramp-Karrenbauer nun wie zunächst geplant bis zum regulären CDU-Parteitag im Dezember in Stuttgart Vorsitzende bleiben kann, wird nun immer unwahrscheinlicher. Viele in der Partei und vor allem auch CSU-Chef Markus Söder drängen auf eine deutlich schnellere Entscheidung. Ein Sonderparteitag könnte im Mai oder Juni, also noch vor der parlamentarischen Sommerpause stattfinden, heißt es. Offenbar wird bereits nach einer Halle für eine solche Veranstaltung gesucht. Friedrich Merz, der frühere Unionsfraktionschef, hatte bereits im Herbst 2018 für den CDU-Vorsitz kandidiert. Damals war er aber Kramp-Karrenbauer knapp unterlegen.

Mit der Ankündigung aus Merz? Umfeld, er werde sich nun erneut bewerben, sind nun auch Spekulationen hinfällig, er werde sich mit seinem Konkurrenten Armin Laschet über eine Ämterteilung verständigen. In CDU-Kreisen war davon die Rede gewesen, Merz könnte unter einem Kanzler und Parteichef Laschet eine Art Superminister, etwa für Wirtschaft und Finanzen werden. Wie es heißt, sei ein solches Szenario theoretischer Natur. Denn derzeit könnten mögliche Posten überhaupt nicht verteilt werden.

Merz, so wird weiter gemeldet, sei offen für eine Mitgliederbefragung, nicht aber für einen bindenden Mitgliederentscheid. Hintergrund dürfte sein, dass in der CDU ein monatelanger, öffentlich ausgetragener Prozess der Vorsitzendenkür wie bei der SPD als Schreckensszenario gilt. Weiter gibt es in CDU-Kreisen die Hoffnung, dass es mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr keinen Machtkampf, sondern vielmehr eine „Teambildung“ gibt.

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