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Schlag gegen saudische Ölproduktion

Die verheerenden Luftangriffe auf das Herzstück der saudischen Ölproduktion werfen ein Schlaglicht auf die beiden großen Krisenherde der Arabischen Halbinsel – den Krieg im Jemen und die Konfrontation mit dem Iran am Persischen Golf. Donald Trump steht nach seinem Ausstieg aus dem Atomvertrag vor den Scherben seiner aggressiven und erratischen Iran-Politik. Sein engster Verbündeter in der Region, Kronprinz Mohammed bin Salman, erfährt zum ersten Mal auf eigenem Territorium empfindliche Folgen des von ihm angezettelten Jemenkrieges.

Die jemenitischen Houthis reklamierten die Angriffe auf die beiden Ölanlagen des Staatskonzerns Aramco in Abqaiq und Khurais für sich und erklärten, man habe die Operation mit zehn Drohnen ausgeführt. In ihrem Fernsehsender Al-Masirah kündigten die Rebellen weitere Militärschläge an. Man werde die Angriffe immer schmerzlicher machen, „solange die Aggressionen und die Belagerung Saudi-Arabiens andauern“.

Der Krieg im Jemen dauert nun schon mehr als vier Jahre

Mehr als hundert Ziele haben die Houthis bisher beschossen, darunter die Flughäfen von Riyadh, Abha und Jizan. Einen ähnlichen Massenangriff mit Drohnen gab es bereits Mitte August auf die Gasverflüssigungsanlage in Shaybah. Auch dort brach Feuer aus, die Produktion jedoch musste nicht unterbrochen werden.

Washington dagegen ist überzeugt, dass irantreue Milizen im Irak dahinter stecken, weil nur sie eine so komplexe Operation mit Drohnen und Cruise Missiles meistern könnten. Als Belege präsentierte das Pentagon Satellitenaufnahmen, die Explosionskrater in den westlichen, aber auch in den nordwestlichen Bereichen der Industrieareale zeigen, die dem Irak zugewandt sind.

Auch wenn nicht klar ist, welche Version stimmt, werfen die Angriffe wieder ein Schlaglicht auf den Krieg im Jemen: Als der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman im März 2015 den Krieg gegen die Houthis ausrief, brüstete er sich, die Rebellen seien in wenigen Wochen besiegt und aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben. Stattdessen dauert der Krieg nun schon mehr als vier Jahre und hat – wie die Vereinten Nationen beklagen – das „größte humanitäre Desaster der Gegenwart“ angerichtet. Über 100 000 Menschen sind getötet worden, der Jemen als Nation existiert nicht mehr. Den Süden beherrscht eine Unabhängigkeitsbewegung, die erneut eine Teilung des Landes wie vor 1990 erzwingen will.

Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten im Juli an, ihre Truppen aus dem Krieg zurückzuziehen, so dass Saudi-Arabien mit dem angerichteten Fiasko künftig alleine dasteht. Von König Salman ist bekannt, dass er lieber heute als morgen das blutige Militärabenteuer seines Sohnes beenden würde. Für Mohammed bin Salman jedoch würde eine solche De-facto-Niederlage gegen die Houthis die Aussichten auf die Thronfolge gefährden.

Aber auch der Iran mischt seit Jahren im Jemen mit. Auch wenn „die Unterstützung Teherans für die Houthis nach wie vor begrenzt und der politische Einfluss minimal ist“, wie der kanadische Jemen-Experte Thomas Juneau erklärt. Zu Beginn des Krieges unterhielt die Islamische Republik lockere Beziehungen zu den Rebellen, riet ihnen damals sogar, nicht zu sehr zu provozieren und nicht zu weit zu gehen bei ihrer Besetzung von Sanaa.

Inzwischen helfen Irans Spezialisten dabei, die Mittelstreckenraketen aus Beständen der jemenitischen Armee zielgenauer und weitreichender zu machen. Längst werden Houthi-Techniker in Teheran geschult, Drohnen zusammenzubauen, zu reparieren, zu warten und zu steuern.

Trump droht mit kriegerischer Konfrontation

Falls tatsächlich Teheran hinter den Angriffen steckt, droht Donald Trump der islamischen Republik mit einer kriegerischen Konfrontation. Die USA seien „geladen und entsichert, abhängig von der Bestätigung“, erklärte der US-Präsident auf Twitter. Amerika sei inzwischen ein so großer Energieproduzent, dass Öl und Gas aus dem Nahen Osten nicht mehr gebraucht würden, schrieb Trump am Montag auf Twitter. „Aber wir werden unseren Verbündeten helfen.“

Gleichzeitig bekräftigt Trump allerdings unverändert den Wunsch, Irans Präsident Hassan Ruhani auf der UN-Vollversammlung Ende September zu treffen. Denn Trump weiß, ein weiterer Krieg im Nahen Osten wird seinen Chancen für eine Wiederwahl schmälern. Ein Treffen mit Ruhani dagegen, bei dem er sich als erfolgreicher Dompteur eines Schurkenstaates inszenieren kann, könnte sie erhöhen. Als Preis für ein Treffen wäre Trump bereit, die Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte, sein Land sei willens und in der Lage, auf „diese terroristische Aggression“ zu reagieren.

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