Standpunkt: Wahl der Wut

Noch nie seit der Rückkehr zur Demokratie 1974 waren bei einer Wahl in Griechenland so viele Emotionen im Spiel wie jetzt. Nach fünf Jahren Sparkurs, der das Land in die tiefste und längste Rezession der Nachkriegsgeschichte führte, haben viele Griechen am Sonntag an der Wahlurne ihrer Frustration freien Lauf gelassen. Sie stimmten für die radikal-linke Syriza – und damit gegen eine Politik, die eine Million Jobs vernichtete, Hunderttausende Familien in die Armut stürzte, Lebensentwürfe zerstörte und über 200 000 junge Griechinnen und Griechen in die Emigration trieb.

Der abgewählte Premierminister Antonis Samaras hat nichts unversucht gelassen, vor den Konsequenzen eines Wahlsiegs der radikalen Linken zu warnen. Er hat Oppositionsführer Alexis Tsipras und sein Linksbündnis Syriza geradezu dämonisiert. Auch aus dem Ausland bekamen die Griechen mehr oder weniger diskrete Mahnungen, Syriza nicht ihre Stimme zu geben.

Aber diese Angstkampagne ist nicht aufgegangen. Sie war kontraproduktiv: Jetzt erst recht, haben sich viele Wähler gesagt. Die Wut der Menschen war größer als ihre Angst vor den ungewissen Folgen eines Machtwechsels. Alexis Tsipras hat die Wahl klar gewonnen.

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