BERLIN

Streit ums Urheberrecht

Zankapfel Urheberrecht: Jetzt melden sich auch die Urheber selbst zu Wort und pochen auf ihr „geistiges Eigentum“ im Internet. Eine Gruppe von 51 Drehbuchautoren der renommierten ARD-Krimireihe „Tatort“ wendet sich direkt an Grüne, Linke und Piratenpartei sowie an die „liebe Netzgemeinde“. Die Drehbuchautoren halten ihnen eine „demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei“ vor. Dies diene allein den „User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechts gehievt werden soll“.

Eine der Unterzeichnerinnen, Carolin Otto, sagte, es gebe ein verbreitetes „Unwissen, wie Künstler ihr Geld verdienen und wie sie leben – wir arbeiten ja alle frei, wir müssen alle für unsere Sozialversicherung aufkommen und haben klar das Interesse, mit unseren Werken auch Geld zu verdienen“.

Mitunterzeichner Jochen Greve wies darauf hin, dass die Bedingungen für Geschäftsmodelle im Internet für einzelne Künstler ganz unterschiedlich seien: „Natürlich ist es für einen Journalisten einfacher, im Netz Geld zu verdienen, als wenn ich Opernlibrettist bin.“ Greve sprach von einer Erosion des Begriffs „geistiges Eigentum“, die unter dem Eindruck der Wahlerfolge für die Piratenpartei auch etablierte Parteien erfasse.

Den 51 „Tatort“-Autoren haben 51 Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) in einem süffisant formulierten Brief geantwortet, in dem sie sich selbst ebenfalls als Urheber sehen – etwa bei der Entwicklung von Software –, aber ganz andere Schlüsse ziehen: „Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte geistige Eigentum ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre.“

Dazu schrieb der CCC an die Adresse der Drehbuchschreiber: „Gerade Ihr als Tatort-Autoren, deren Brötchen zum großen Teil über die Rundfunkgebühren bezahlt werden, solltet wissen, wie sich eine Kulturflatrate anfühlt.“

Auch der Musiker und Schriftsteller Sven Regener regte sich in einem Interview über den Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken im Internet auf. Er habe in dieser Diskussion oft das Gefühl „dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: ,Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben.' Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.“

Natürlich müssten die Musiker von ihrer Arbeit leben können, sagte der Berliner Pirat Christopher Lauer in einer Entgegnung. „Aber mit dem Internet hat sich einfach das Spiel verändert.“

Nach dem Offenen Brief der Drehbuchschreiber sagte Lauer: „Ich freue mich auf den Dialog, habe gestern gleich eine Mail geschickt und leider noch keine Antwort bekommen.“

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